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Februar 201806.02.2018
Februar 2018

Wie gibt die Kuh mehr Milch? Viele Jahrzehnte lang war diese Frage die wichtigste unter den Milchbauern. Die Antwort war einfach: Sie muss mehr fressen. Die Lösung lag dabei im energiereichen Kraftfutter. Soja, Mais und Getreide geben den Kühen Power für die Milchproduktion. Doch diese stehen nicht auf dem natürlichen Speiseplan der Wiederkäuer. Ihr kompliziertes Magensystem ist darauf nicht ausgelegt. Auch durch Grassilage wird die Wiederkäuertätigkeit nicht so stark angeregt wie bei der Heuaufnahme. Das Rohprotein kann nicht so effektiv verwertet werden, was sich negativ auf die Tiergesundheit auswirkt. Heu ist dagegen das ideale Futter für Rinder!

Eine schön anzusehende Milchpackung mit dem Schriftzug „Bio-Heumilch“ steht neuerdings in meinem Kühlschrank. Sie ist mit Wiesenblumen und Kräutern gespickt, und ein Bild meines Kollegen Sepp Forstner prangt darauf. Sepp Forstner hatte den Wunsch, wieder zu der ursprünglichsten Art der Milchproduktion zurückzukehren und seine Kühe ohne Silage und hauptsächlich mit Heu zu füttern. „Hauptsächlich“ heißt, dass auch sie Kraftfutter bekommen, allerdings nur zu allerhöchstens 25 Prozent. Die Arbeitsgemeinschaft Heumilch will hier im Bio-Sektor nachbessern und diesen Anteil langfristig reduzieren. Sepp Forstner hat nicht nur seinen eigenen Hof in diese Form der Bewirtschaftung überführt, sondern auch viele Kollegen von der Heumilch-Produktion überzeugt. Die Bio-Milch ihrer Kühe, die gesünder ist als herkömmliche Milch (S.30, „Die ursprüngliche Art der Milchproduktion“), die ein hohes Maß an Tierwohl schafft (S. 34, „Hält Heu fit?“) und zur Erhaltung der Artenvielfalt beiträgt (S. 36, „Was wächst auf der Weide?“), steht nun in den Regalen der Einkaufsläden. Ökologisches Futter, Weidehaltung, keine Silage, keine Gentechnik, vorzugsweise Behandlung der Tiere mit Naturheilverfahren, regionale Strukturen – besser geht es kaum. Doch auch Bauern, die nicht für das Label „Heumilch“ produzieren, können die Vorteile der Heumilch-Produktion für sich nutzen.

Dass sich immer mehr Menschen gegen eine Mentalität der Agrarindustrie des Mehr und Größer und Stärker wenden, wurde Ende Januar wieder auf der Demo „Wir haben es satt“ in Berlin deutlich. 33 000 Menschen gingen gegen industrielle Tierhaltung, Gentechnik im Essen und die immer stärker werdende Marktmacht von Agrar- und Lebensmittelkonzernen auf die Straße. Zum ersten Mal formierte sich auch im niederbayerischen Passau mit Unterstützung des Biokreis ein Protestzug unter dem gleichen Motto. Rund 1500 Menschen demonstrierten gemeinsam gegen eine Agrarpolitik des „Wachsen oder Weichen“. Und nicht nur Verbraucher, auch Wirtschaft, Länder und Kommunen wenden sich, etwa beim Thema Glyphosat, gegen eine profitorientierte Willkür von Politik und Agrarlobby. Spannend, was auf diese Weise in Zukunft bewegt werden kann!

In diesem Sinne alles Gute und viel Spaß beim Lesen!
Eure Ronja Zöls



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