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Aktuelles
18.05.2016
Es geht auch ohne Gift: Deutschland darf nicht gegen Umwelt- und Artenschutz stimmen

Die EU-Mitgliedsstaaten sollen am morgigen Donnerstag über eine Zulassungsverlängerung für das Totalherbizid Glyphosat abstimmen. Deutschland trägt entscheidende Verantwortung bei der in Brüssel anstehenden Abstimmung. Der ökologische Anbauverband Biokreis appelliert an SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks, entgegen der Haltung des deutschen CSU-Agrarministers Christian Schmidt bei ihrer Position der Ablehnung zu bleiben und damit eine Zustimmung Deutschlands zu verhindern. „Wir Bio-Bauern zeigen, dass Pflanzenschutz und Unkrautbekämpfung auch ohne Chemikalien gut funktionieren“, sagt Biokreis-Geschäftsführer Sepp Brunnbauer. „Damit arbeiten wir ohne Risiko für die Umwelt und den Menschen.“

 

Keine Stimme für die Chemieindustrie!

Auf 40 Prozent der Agrarfläche werden allein in Deutschland jährlich an die 6000 Tonnen des Wirkstoffs eingesetzt. Ein großer Teil der Landwirte hat sich damit vollkommen abhängig gemacht von der Chemieindustrie. Die durch Pestizide verursachten Schäden werden auf die Allgemeinheit umgewälzt. „Der Weg einer modernen zukunftsfähigen Landwirtschaft muss ressourcenschonend sein und die Qualität der Böden sowie die Artenvielfalt erhalten“, sagt Sepp Brunnbauer.
Ein EU-weites Glyphosatverbot hätte verheerende Folgen für die deutsche Chemieindustrie – ist sie doch die größte innerhalb der EU und der drittstärkste Industriezweig der Bundesrepublik. Da Monsantos Patent längst abgelaufen ist, verdienen inzwischen auch Bayer und BASF an der einen Million Tonne Glyphosat, die Jahr für Jahr weltweit eingesetzt wird.

 

Glyphosat: unberechenbares Gift

Nach Glyphosat-Funden im Bier ergab eine Anfang 2016 veröffentlichte Langzeitstudie des Umweltbundesamts (UBA), dass in deutschen Städten fast jeder Zweite den Stoff im Körper trägt. Vor 15 Jahren war es nur jeder Zehnte. Alles deutet auf konventionelle Nahrungsmittel als Kontaminationsquelle hin. Zwar liegen die Werte unterhalb dessen, was die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) für vertretbar hält, doch schon ein Molekül einer krebserregenden Substanz kann krank machen.

 

Parallelen zu TTIP

Laut einer aktuellen Meinungsumfrage im Auftrag von Campact und WeMove.EU in den fünf größten EU-Staaten plädieren zwei Drittel der Befragten für ein Verbot des Pflanzengifts. Wie bei den TTIP-Verhandlungen stehen die Interessen mächtiger Wirtschaftsverbände gegen die der Bevölkerung. Neben der Lebensmittelsicherheit steht viel Geld auf dem Spiel und Geheimhaltung ist an der Tagesordnung. Studien zur Krebsrisikobewertung wurden bisher nicht offengelegt. Die Glyphosate Task Force, ein Zusammenschluss verschiedener Pflanzenschutzmittel-Unternehmen, kündigte eine Leseraumlösung an. Doch hier wird nur ein Bruchteil der Studien einem ausgewählten Publikum vorgelegt: ein Fall von Pseudotransparenz.   

Weichen für Landwirtschaft der Zukunft

Wird das Totalherbizid am 19. Mai vom entscheidenden Ausschuss der EU-Kommission für weitere neun Jahre ohne Auflagen genehmigt, ist das ein Signal dafür, wie Landwirtschaft nach dem Willen der Politik in Zukunft aussehen soll. Der Wunsch des Verbrauchers wird dabei übergangen. Die Basis für eine moderne Landwirtschaft im Einklang mit Umwelt und Mensch liegt in einer Verringerung des Pestizideinsatzes, einer verstärkten Ökolandbauförderung und einer Pestizidabgabe, um die Wirtschaftlichkeit der mechanischen Bodenbearbeitung zu erhöhen und gleichzeitig die volkswirtschaftlichen Schäden den Verursachern aufzulasten.

 

 

Chronik zur Glyphosat-Debatte:

1974 Einführung des glyphosathaltigen Breitbandherbizids „Roundup“ von Monsanto

1996 Erster Anbau glyphosatresistenter „RoundupReady“-Gentechnikpflanzen in den USA und EU-Zulassung zum Import und zur Verarbeitung von Gensoja

21.05.2014 Einschränkung der Glyphosatanwendungen in Deutschland

20.03.2015 IARC klassifiziert Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ 

08.05.2015 Agrarministerkonferenz fordert die Bundesregierung auf, Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat weitgehend zu verbieten

11.05.2015 toom Baumarkt (REWE) kündigt an, Glyphosat auszulisten; Bauhaus, Obi, Globus, Hornbach sowie Gartencenter Holland, Pflanzen-Kölle, Knauber und das Gartencenter Augsburg haben inzwischen nachgezogen

11.08.2015 EU-Kommission verlängert Frist für Neubewertung durch BfR für Integration der Bewertung der IARC-Ergebnisse auf 30.10.15

31.08.2015 BfR gibt seine Ergänzung zum Bewertungsbericht (Addendum) ab

28.09.2015 Anhörung im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags zu den Gesundheitsgefahren von Glyphosat

12.11.2015 EFSA empfiehlt Wiederzulassung von Glyphosat

27.11.2015 96 angesehene Krebsforscher warnen in einem offenen Brief an EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis vor Verharmlosung der Folgen des Glyphosat-Einsatzes

Januar 2016 UBA legt Ergebnisse einer Langzeitstudie zu Glyphosat in Urin vor

08.03.2016 Der Ständige Ausschuss der EU-Kommission für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (DG SANTE) verschiebt die Abstimmung über Wiederzulassung, nachdem FR, NL, SE, IT Ablehnung signalisierten (D enthielt sich, weil sich CSU-Agrar- und SPD-Umweltministerium nicht einigen konnten)

März 2016 Umweltausschuss des EP spricht sich gegen Wiederzulassung aus

04.04.2016 EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis fordert Monsanto in einem Brief auf, die eigenen Studien freiwillig zu veröffentlichen

08.04.2016 Monsanto und die Glyphosate Task Force schlagen eine Leseraumlösung in BVL und EFSA-Haus in Parma mit 14 Studien vor, alle etwa 500 Seiten dick; alle Studien zu veröffentlichen, lehnen sie ab

13.04.2016 EP plädiert für auf 7 (statt 15) Jahre begrenzte Zulassung mit Beschränkungen 

20.04.2016 Global2000, Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany), Umweltinstitut München und weitere Umweltschutzorganisationen erstatten Anzeige gegen Monsanto, EFSA und BfR wegen der fragwürdigen BfR-Bewertung

12.05.2016 SPD-Umweltministerin Hendricks verkündet, dass die SPD-Minister einer Verlängerung für die Zulassung von Glyphosat nicht zustimmen werden

 

   
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