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04.10.2017
Zehn Jahre Ökologisches Zentrum Passau: Biokreis und Bund Naturschutz feiern Jubiläumshoffest am Stelzlhof

Mit einem Hoffest feierte das Ökologische Zentrum Passau am 3. Oktober sein zehnjähriges Bestehen. Auf dem Hof, unter anderem Sitz der Verbände Bund Naturschutz und Biokreis, wurde zu diesem Anlass ein Bio-Markt veranstaltet: Gefeiert wurde mit geladenen Gästen, Ansprachen, Musik von der Eichberg-Musi, und im Bio-Wirtshaus zum Fliegerbauer sorgten Barbara Dorsch und Christian Lichtenauer musikalisch für gute Stimmung. Gäste durften sich über Kutschfahrten über den ökologisch bewirtschafteten Hof freuen, in der vom Bund Naturschutz betriebenen Apfelpresse wurden an diesem Tag sechs Tonnen Äpfel zu Saft verarbeitet.

Verständnis für ökologische Zusammenhänge fördern

Etwa 1000 Besucher kamen trotz des Regenwetters auf den Stelzlhof. Auch Passaus zweiter Bürgermeister Urban Mangold gratulierte zum zehnjährigen Bestehen des Ökozentrums. „Nur was man kennt, schätzt man. Und nur was man schätzt, schützt man“, sagte er im Hinblick darauf, dass am Stelzlhof mit Angeboten für Kinder und Erwachsene das Verständnis für ökologische Zusammenhänge gefördert wird. Gerade für Passau sei etwa die natürliche Hochwasser-Prävention von größter Bedeutung. Doch das Gegenteil würde gemacht, ökologische Zusammenhänge würden nicht beachtet. „Die Landwirtschaft geht durch das Wachsen oder Weichen einer völlig verfehlten und auf Menge und Export fixierten Agrarpolitik den Bach hinunter“, so Urban Mangold.

Ort des demokratischen Miteinanders

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz, sprach über das Ökozentrum als „Aushängeschild für die Stadt und den Landkreis“. „Wo kann man hautnah erfahren, wie Lebensmittel produziert werden? Wo kann man etwas über die Biene lernen? Wo sieht man, wie aus Äpfeln Saft gemacht wird? Wir brauchen uns nicht täuschen: Viele wissen diese Dinge nicht. Hier können sie sie lernen.“ Richard Mergner bezeichnete den Stelzlhof nicht nur als Ort der Umweltbildung, sondern des demokratischen Miteinanders. Umweltanliegen würden nur in einer Zivilgesellschaft durchdringen, man sei auf demokratische Toleranz angewiesen. Und auch für größere soziale Gerechtigkeit plädierte er. „Diese fängt mit der Landwirtschaft an: Viele sehen das Heil im Wachsen, aber die Betriebe gehören der Bank.“

Noch lange nicht da, wo wir hinwollen

Cordula Rutz, Geschäftsführerin der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau, kritisierte in ihrer Ansprache, dass die Landwirtschaft im Bundestagswahlkampf keine Rolle gespielt habe. „Wir müssen handeln. Darum ist es wichtig, dass Menschen hier am Stelzlhof diese tolle Arbeit machen“, sagte Cordula Rutz. Sepp Brunnbauer, zweiter Vorsitzende des Ökologischen Zentrums und Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbands Biokreis, erwiderte auf die Worte der Gratulanten: „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“

Gedenkstein für Roland Weber und Helmut Steininger

Sepp Brunnbauer und Karl Haberzettl, erster Vorsitzender des Ökologischen Zentrums, riefen beim Publikum die Erinnerung an Roland Weber und Helmut Steiniger wach. Sie waren Mitgründer des Zentrums, beide sind bereits verstorben. Roland Weber hatte vor zwölf Jahren beschlossen, am Stelzlhof Landwirtschaft zu betreiben. „Er grub ein Loch in den Boden und roch daran: Dann konnte er sagen, ob er für die Bearbeitung taugt“, erzählte Sepp Brunnbauer. Helmut Steininger gründete als Landesgeschäftsführer des Bund Naturschutzdas Ökozentrum mit. Für diese beiden wurde ein Gedenkstein mit einer entsprechenden Inschrift enthüllt.

Die beiden Vorsitzenden dankten allen Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Besonders hob Karl Haberzettl dabei den Flüchtling Youssef Schinwari hervor, der seit acht Jahren freiwillig am Stelzlhof hilft, aber keine Arbeitserlaubnis bekommt.

   
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