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Aktuelles
19.01.2018
Neues Varroa-Mittel: Biokreis ist skeptisch gegenüber Lithiumchlorid gegen Honigbienenparasiten

Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart haben ein potenzielles Medikament entwickelt, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Bei der Substanz handelt es sich um leicht verfügbares Lithiumchlorid. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung. Der Biokreis rät zur Skepsis angesichts des neuen Mittels und fordert umfassende Tests.

Lediglich Kampf gegen Symptome

„Leider ist dies keine neue Herangehensweise an das Varroa-Problem, da es, wie die anderen Mittel auch, ausschließlich auf Symptome wirkt und die eigentlichen Ursachen, die grundsätzliche Schwäche der Bienen, außer Acht lässt“, sagt Biokreis-Imker-Berater Marc Schüller. „Das Neue ist lediglich, dass nach den organischen Säuren und anderen Wirkstoffen ein neuer hinzukommen könnte.“ Das auf natürliche Weise zu gewinnende HopGuard wäre hierbei ebenso ein weiteres Mittel, das aber seit Jahren in einer kaum zu erklärenden Zulassungswarteschleife hängt.

Nebenwirkungen und Rückstände nicht auszuschließen
Die Vermutung, dieser neue Wirkstoff sei völlig frei von Nebenwirkungen und verursache weder Resistenzen noch Rückstände, ist zum derzeitigen Stand nur eine Behauptung, die regelmäßig bei jeder Neu-Einführung von Varroamitteln zu hören war. Zu bedenken ist zudem, dass Lithiumchlorid seit 70 Jahren in der Humanmedizin als Psychopharmakum eingesetzt wird und deswegen, gerade im Honig, ganz besonders auf Rückstände zu achten ist. Ein Zitat aus Wikipedia zu Lithium: Wie alle Alkalimetalle reagiert elementares Lithium schon in Berührung mit der Hautfeuchtigkeit und führt so zu schweren Verätzungen und Verbrennungen. Viele Lithiumverbindungen, die in wässriger Lösung Lithiumionen bilden, sind im Gegensatz zu den entsprechenden Natrium- und Kaliumverbindungen als gesundheitsschädlich gekennzeichnet.
 
Medikamente schaffen keinen Ausgleich zu Imker-Problemen

Die derzeitige mediale Aufmerksamkeit ist hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass viele Imker mit und trotz der derzeit zugelassenen Behandlungsmittel ihre Bienen kaum mehr gesund über den Winter bringen können. Sie erwarten und erhoffen sich endlich eine Lösung für ihre imkerlichen Probleme, was die Gefahr birgt, dass wieder einmal ein neues Mittel zum Allheilmittel einer sehr komplexen Situation werden soll. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass die Schwäche der Bienen etwas mit Klimawandel, Rückständen aus der Landwirtschaft, verunreinigtem und belastetem Bienenwachs, Artenschwund, Bodenversiegelung, Nahrungsmangel, der Bienenhaltung an sich wie auch der Überzüchtung zu tun hat. Medikamente können hier grundsätzlich keinen Ausgleich schaffen und auch niemals Lösung sein.

Rettung der Bienen nur durch Umdenken 
Gleichwohl ist alles zu begrüßen, was den Bienen hilft, und zu prüfen, ob sich Lithiumchlorid vielleicht doch als bessere Alternative zu den bisherigen Mitteln herausstellt. Hierzu sind ausreichende Tests zu veranlassen, die ganz besonders die Rückstandsproblematik umfassend klären, ebenso die Nebenwirkungen und Gefahren auf Biene, Mensch und Umgebung einschließen und letztendlich die ausreichende Wirkung beweisen. Bis zu einer eventuellen Zulassung wird dieser Prozess etliche Jahre dauern. Erst dann kann eine Beurteilung stattfinden. Diese befreit aber nicht vor der viel wichtigeren und dringenderen Herausforderung, Bienen und ihren Verwandten wieder eine Gesamtumgebung zu schaffen, in der sie überleben können. Zur „Rettung der Bienen“, wie in manchen Schlagzeilen zu lesen ist, gehört ein Umdenken, kein neues Medikament.

   
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