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Betriebsporträt
Wo Streuobst hochprozentig wird…25.10.2017
Wo Streuobst hochprozentig wird…

Hier dürfte im Frühling ein Schlaraffenland für Bienen sein: Felder, Wiesen, Bäume so weit das Auge reicht. Elegant und hügelig formiert sich die Landschaft wie ein Gemälde vor jenem, der sie über die kurvigen Straßen passiert. Farbige Blumen, weiße Blüten, wie kleine Schaumkronen spicken die unzähligen blühenden Birnbäume das in vielen Schattierungen satte Grün. Zahlreiche Dörfer reihen sich hier im niederösterreichischen Mostviertel aneinander, eines davon ist Öhling bei Amstetten. Und wer es hierher geschafft hat, kommt auch an der mitten im Ort stehenden Mostelleria von Doris (39) und Josef Farthofer (44) nicht vorbei. Die Mostelleria ist beheimatet in einem im Jahr 1874 errichteten Presshaus, das die Farthofers 2010 renoviert haben. „Es war ziemlich verfallen, noch dazu denkmalgeschützt. Die Renovierung war ein großer Aufwand, der sich aber gelohnt hat“, sagt Josef Farthofer. Die Mostelleria ist heute zu einem Anziehungspunkt für Urlauber geworden, auch an diesem Sonntag strömen sie herein und lassen sich drinnen den Mostello, ein Birnendessertwein aus Mostviertler Birnensorten und Bio-Birnenbrand, schmecken, während der Mostello selbst draußen vor der Tür lagert. In 400 Barrique-Fässern des Außenlagers reift er ein Jahr lang heran, anschließend kommt er noch für vier Jahre in den Keller. Der älteste Jahrgang ist von 2005, der jüngste von 2009.

„Most war nichts mehr wert“
Josef Farthofer kommt aus einer Mostviertler Familie, die bereits seit 1867 Moste und Brände erzeugt hat. „Als Kinder mussten wir Obst klauben. Zu den Zeiten meiner Großeltern war der Most noch was wert“, sagt er, „als meine Eltern die Landwirtschaft betrieben, war er nichts mehr wert. Wir fuhren das Obst ins Lagerhaus und bekamen fast nichts dafür.“ Als Josef Farthofer 18 war, fing er selbst an, Most herzustellen, später eignete er sich auch das Brennen an. In den 90er Jahren spezialisierte er sich auf hochwertige Spirituosen. Etwas anderes als Bio kam für ihn nie in Frage. 2006 trat er über den Kontakt durch Messen und das Passauer Ökofest dem Biokreis bei. Acht Kilometer von Öhling in Biberbach betreibt der gelernte Landwirt, der später Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik studiert hat, heute die 45 Hektar große ökologische Landwirtschaft seiner Familie mit Streuobstwiesen, alten Getreidesorten und Elefantengras. Mit letzterem werden die Brennkessel in der  Destillerie beheizt. Auch der nahe gelegene Kindergarten sowie Volksschule und Feuerwehr beziehen Wärme aus diesem geschlossenen Energiesystem. Wärme aus der Region, Früchte von den umliegenden Bio-Bauernhöfen und Wasser aus der Granitwasserquelle im familieneigenen Naturschutzgebiet: Aus diesen Komponenten entstehen die hochprozentigen Destillate der Farthofers. „Zitrone“, „Weichsel“, „Marille“, „Brombeer“, „Waldhimbeer“ − in diesen und vielen anderen Obst- und Beerensorten sind die Geiste, Brände und Liköre zu haben. In schlanken durchsichtigen, mit Ornamenten kunstvoll verzierten Flaschen reihen sie sich an den Wänden des Verkostungsraumes aneinander. Rund 50 Bio-Spirituosen werden in der Destillerie hergestellt. Hinter einer Theke hantiert Doris Farthofer und schenkt Kostproben in langstielige Gläschen. Auch Wodka, Gin und Rum gehören zum Sortiment. Die stämmigen simplen Flaschen tragen den Schriftzug „organic premium“. Die sogenannte „O-Serie“ bekam vielfache Auszeichnungen, unter anderem der „OVodka“ als weltbester Wodka.

Umfassendstes Brennrecht Österreichs
Die Produktion der Fruchtbrände beginnt jedes Jahr im Frühling. Zuerst werden die Kirschen und Weichseln geliefert, dann folgen bis November durchgehend je nach Reife die verschiedenen Obstsorten. Das gelieferte Obst muss schnell verarbeitet werden. Acht Mitarbeiter sind in der Produktion beschäftigt. Und die Logistik funktioniert. Seit 2003 halten die Farthofers das umfassendste Brennrecht Österreichs, das ihnen uneingeschränkten Export ermöglicht. Doch um genug Spirituosen produzieren zu können, braucht es genügend Rohstoffe. „Voriges Jahr war die Mostbirne wegen des Frostes Mangelware“, erzählt Josef Farthofer. Außerdem: „Viele Bäume sterben, weil sie uralt  sind, teilweise stammen sie aus der Zeit Maria Theresias.“ Doch die Mostbauern im Mostviertel haben sich vorgenommen, den Most zu erhalten. Für Wodka und Gin wird Getreide destilliert, Reste aus den verarbeiteten Rohstoffen werden wieder als Stickstoff-Dünger auf die Felder ausgebracht. So schließt sich auch hier der Kreislauf. Josef Farthofer brennt auch für andere. So stellt er für die Biokreis-Bäckerei Gottschaller Brotschnaps her oder für das Biokreis-Weingut Lehner im Burgenland den Heidebodenbrand. Die Rezepte entwickeln er und seine Mitarbeiter selbst. „In Zukunft möchte ich neue Whiskey-Sorten kreieren“, sagt der Erfinder des Mostello. Bereits seit 2011 stellt er Bio-Whiskey her, der in gebrauchten Mostello-Fässern gelagert und erst nach mindestens drei Jahren Lagerzeit verkauft wird. Nun will er Neues mit Emmer und Nackthafer ausprobieren. „Probieren“ müssen er und seine Frau Doris die Produkte natürlich auch, aber sie spucken stets aus. „Täglich hochprozentige Spirituosen trinken – das wäre nicht gesund“, sagt er, der nach Feierabend gern mal zu einem Bier greift.

Mehr zur Destillerie Farthofer: http://www.destillerie-farthofer.com/
Foto: Doris und Josef Farthofer machen aus heimischem Streuobst alkoholische Spezialitäten. Bild: Manfred Horvath

   
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