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Betriebsporträt
Inklusion in der Aroniawelt30.04.2018
Inklusion in der Aroniawelt

„Heimatkracherl“ heißt das Biokreis-Produkt, das bei der diesjährigen Grünen Woche zu Bayerns bestem Bio-Produkt in der Kategorie Bronze gekürt wurde. Der Rohstoff dafür, die Aroniabeere, wird auf dem Aronia Langlebenhof in Passau erzeugt. Doch hier steht das Produkt nicht im Fokus. „Im Mittelpunkt steht der Mensch“, sagt Geschäftsführer Viktor Merklinger ganz klar. Um Menschen ein schönes Zuhause und eine Arbeit zu geben, hat Gründer Hans Dorn vor fünf Jahren den Langlebenhof von der Kirche gepachtet und ein Wohnheim für behinderte Menschen, die Produktionsstätte und die Landwirtschaft mit der beeindruckenden Aussicht auf Passau aufgebaut. Er selbst hat zwei schwerbehinderte Söhne, von denen einer der erste Bewohner dieser Stätte war. Heute leben acht Menschen hier zwischen Aroniabeeren, Pferden und Tagesgästen.

Volltreffer Aroniabeere
„Es herrscht reges Interesse an unserem Hof“, sagt Viktor Merklinger, Schwiegersohn des Gründers, „vor allem ältere Besucher kommen zu Führungen, wollen die gesundheitsfördernde Wirkung der Aroniabeere kennen lernen, erfahren wie man sie anbaut und sich unser einzigartiges Konzept ansehen. Und wir wollen uns nicht verschanzen, sondern zeigen, wie unsere Inklusion funktioniert.“ Am Anfang dieses einzigartigen Konzepts stand die Überlegung, welche Arbeit Menschen mit Behinderungen gut erledigen können. Man ging davon aus, dass Arbeit im Freien und in der Landwirtschaft wohltuend sei, man jedoch eine Kultur wählen müsse, für die nicht allzu viele Fertigkeiten notwendig seien. Salat und Gemüse waren zu anfällig, so kam man schließlich auf die winterharte, schädlingsresistente und robuste Aroniabeere. Mit der Aroniabeere habe man einen Volltreffer gelandet, mit der Annahme, dass deren Anbau eine geeignete Arbeit für beeinträchtigte Menschen sei, nicht. „Wir mussten feststellen, dass unsere Mitarbeiter gar keine große Lust haben, in der Landwirtschaft zu arbeiten“, sagt Viktor Merklinger und lacht, „das ist natürlich eine Knochenarbeit und funktioniert bei körperlich beeinträchtigten Menschen höchstens ein, zwei Stunden. Nun sind unsere Mitarbeiter mit Behinderungen vor allem in der Produktion, der Etikettierung, Verpackung, beim Aufräumen, Verkaufen und Fahrten zu den Händlern im Einsatz. Das macht allen Spaß!“

Konzept soll ausgeweitet werden
Insgesamt 18 Mitarbeiter gibt es auf dem Langlebenhof. Acht sind als Betreuer in Wohnheim tätig, zehn in Produktion und Verkauf. Acht Menschen mit Behinderungen leben im Bewohnerhaus wie in einer Familie zusammen. Jeder hat sein eigenes Zimmer, zu zweit teilen sie sich ein Bad, und es gibt einen großen Küchen-, Ess- und Wohnbereich. Das Haus ist lichtdurchflutet mit riesigen Fenstern, von denen man auf den Reitplatz und den Garten sieht. Tagsüber arbeiten die Bewohner in der Werkstätte oder sind in der Schule, nachmittags verbringen sie ihre Zeit hier. Vier externe Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen kommen nur zum Arbeiten in die Produktion. Das ist erst seit diesem Jahr möglich, weil es vorher Menschen mit Behinderungen gesetzlich nicht erlaubt war, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen. Sie sind nun ganz normale Angestellte. Frisch aus den Frosthäusern wird die Aroniabeere in der Produktion gepresst, übrig bleiben Saft und Trester. Der Saft wird pasteurisiert und abgefüllt, der Trester außer Haus zu nahrhaftem  Pulver verarbeitet. Zwei externe Mitarbeiter arbeiten mit Begeisterung im Stall bei den Pferden, die vor allem zum Zwecke der Hippotherapie gehalten werden. Drei weitere kommen mit dem Ziel einer „Tagesstruktur“ und werden bei sogenannten arbeitsähnlichen Tätigkeiten betreut. Das Wohnheim ist ausgebucht, doch es gibt Pläne, das Konzept auszuweiten und zwei Kilometer entfernt ein weiteres zu errichten, in dem noch mehr Menschen ein Zuhause finden. Derzeit wird dafür nach Investoren gesucht.

Ein „lebenswertes“ Projekt
Seit diesem Jahr ist der Aronia Langlebenhof als Verarbeiter Mitglied im Biokreis. Unter Federführung von Stefan Lang, Betreiber des Passauer Biokreis-Burger-Ladens „Zweite Heimat“, und gemeinsam mit der Biokreis-Brauerei Apostelbräu hat er das „Heimatkracherl“ entwickelt. Der Bio-Gedanke sei ihm und seiner Familie – seine Frau, sein Schwager und seine Schwägerin arbeiten im Unternehmen mit – ein wichtiges Anliegen. „Es muss auch Sinn für uns selbst machen. Und die Aronia ist so robust, dass es überflüssig wäre, sie zu spritzen.“ Sinn für sich selbst machte auch MerklingersWechsel zum Langlebenhof. Die Tatsache, dass Landwirtschaft und Produktion das Wohnhaus finanzieren, motiviert ihn. Vorher hatte der Wirtschaftsinformatiker als Projektleiter bei einer Software-Firma gearbeitet, aber er fand das besondere Projekt seines Schwiegervaters „lebenswert“, gut für Menschen, die Umwelt und die Gesundheit.

Gesunde Wunderbeere
Doch was ist so gesund an den fast schwarzen Wunderbeeren,die auf dem Langlebenhof auf 24,5 Hektar angebaut werden? Viktor Merklinger kennt sich aus, schließlich hält er auch Vorträge über die positive Wirkung der Aronia. Blutdruckregulierend, cholesterinhemmend, diabetikergeeignet, Sehkraft verbessernd und entzündungshemmend sei sie. Gut sei etwa ihre Anwendung nach Chemotherapien zur Stabilisierung des Immunsystems oder ihr vorbeugender Einsatz gegen den grünen und grauen Star. „Es gibt viele Studien dazu, und jede ihrer Wirkungen ist erklärbar.“ 100 Milliliter täglich empfiehlt er, er selbst trinkt mehr, vor allem für die Konzentration. Die Beere wirke ähnlich wie Kaffee ohne den Schlaf zu stören. Nur vor der Aufnahme auf nüchternen Magen warnt er, durch die Gerbstoffe würde bei einigen Menschen die Magenschleimhaut angegriffen.

Bild: Viktor Merklinger (3.v.rechts) ist Geschäftsführer des Unternehmens, das sein Schwiegervater Hans Dorn ins Leben gerufen hat. Bild: Langlebenhof

   
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