Klare Kante für Bauern, überschaubare Strukturen und ein ehrliches Bio

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Es gab Zeiten, da war Bauer bei uns fast ein Schimpfwort. Landwirt sollte es heißen, nicht mehr Bauer. Nun denn, ich bin Bauer, Bio-Bauer mit Herz und Seele – und als solcher vor mehr als zehn Jahren beim Biokreis gelandet. Gereut hat es mich nicht. Jetzt aber muss der Biokreis wieder neu die Weichen stellen, damit er auch in Zukunft ein Verband für die Bio-Bauern in Deutschland bleibt.

 

Von Peter Schmidt | Der Autor ist Biokreis-Landwirt in Gummersbach, NRW.

Als ich mich damals für einen der Bio-Verbände entscheiden wollte, da war mir Bioland einfach zu groß, Naturland zu international und Demeter zu anthroposophisch. Der Biokreis, gerade der Biokreis Erzeugerring NRW, das waren fast alles Betriebe, wie wir auch einer sind: Nicht die größten, viele Nebenerwerbler hier in NRW, stark Grünland-orientiert, handfest und ehrlich. Da waren die anderen Verbände keine Alternative.

 

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben mich bestärkt. Ja, es war damals die richtige Entscheidung. Denn heute ist Bioland mit Lidl gemeinsam auf dem Markt, Kaufland und Demeter machen gemeinsame Sache, Naturland – von seiner Struktur hier vor Ort vergleichsweise gut aufgestellt – präsentiert sich immer mehr als international agierender Verband.

 

Doch ist es die Zukunft, dass man den Bio-Pfirsich von irgendwo nach Deutschland karrt? Nein, aus meiner Sicht nicht. Mein Bio ist regional. Zukunftsfähigkeit hat auch etwas damit zu tun, nachhaltig zu arbeiten, fair zu bezahlen, regionale Strukturen zu stärken oder wieder zu etablieren. Darum haben wir hier auf dem Hof vor über 20 Jahren eine Regionalvermarktung initiiert, darum engagiere ich mich heute unter anderem im Kölner Ernährungsrat – und eben auch beim Biokreis Erzeugerring NRW.


„Will der Biokreis künftig der Verband für die – oft kleinen und mittleren – bäuerlichen Betriebe sein und bleiben, dann muss er Stärke zeigen. Stärke, sich nicht dem Druck der Massenproduktion zu beugen. Stärke, sein Markenzeichen für die bäuerlichen Produkte zu vergeben.“


Und so erlebe ich den Biokreis bei uns in NRW: Wir sind nicht immer die „Fünf Freunde“, aber wir sind bei aller Verschiedenheit ein Erzeugerring, in dem man sich gut untereinander kennt, wo miteinander gearbeitet wird und wo man sich gegenseitig hilft. Stammtische stärken die Bindung. Wer will, kann sich einbringen und engagieren. Dank des Biokreis hat sich auch unser Hof weiterentwickelt. Gute Beratung, handfeste Lösungen, Kontakte wie zum Kollegen, der in seinem bäuerlichen Schlachthaus unsere Hähnchen schlachtet – all das hätte es ohne den Biokreis nicht gegeben.

 

Damit wir uns richtig verstehen: Warum ich den Biokreis hier so schätze, hat nichts mit der Betriebsgröße zu tun. Echte Bauern gibt es mit 20 Hektar, aber auch mit 200. Es geht um etwas anderes – um den Umgang miteinander, um die Art der Arbeit, um die Liebe zur Arbeit, zu Tier und Boden. Als Bauer ist mir das, was man heut „Enkeltauglichkeit“ nennt, ungemein wichtig. Und seien wir mal ehrlich: Natürlich gibt es auch im Öko-Bereich genügend Betriebe, die um des Absatzes Willen Richtlinien weiter auslegen, Schlupflöcher suchen, Ausnahmen verlangen…

 

Seit einigen Monaten hat der Markt einen speziellen Schwung bekommen. Bioland braucht Masse, um den Discounter-Bedarf zu decken. Meine Befürchtung dabei: Die Bauern unter den Öko-Betrieben kommen weiter unter Druck. Ich weiß aus der Regionalvermarktung, wie der Handel nach einigen Jahren Schonzeit die Daumenschrauben anzieht. Für mich gilt: Gut, dass der Biokreis den Fachhandelsbeschluss erneuert hat. Ich kenne genügend Kollegen anderer Verbände, die gar nicht glücklich sind, dass „ihr“ Markenzeichen jetzt beim Discounter prangt. Wie sollen sie langfristig gute Preise verlangen können?

 

Damit sind wir bei der Zukunft. Will der Biokreis künftig der Verband für die – oft kleinen und mittleren – bäuerlichen Betriebe sein und bleiben, dann muss er Stärke zeigen. Stärke, sich nicht dem Druck der Massenproduktion zu beugen. Stärke, sein Markenzeichen für die bäuerlichen Produkte zu vergeben. Stärke für einen „anderen“ Umgang miteinander.

Und trotzdem hat der Bauer in mir noch einige Wünsche für die Zukunft. Wir als bäuerliche Betriebe haben so manchen strukturellen Nachteil im Vergleich zu den größeren Betrieben, die der Biokreis in den nächsten 40 Jahren mit guten Maßnahmen kompensieren oder sogar zu Stärken umbauen kann und sollte. Dazu zählen:
  • Die Verbrauchermitgliedschaft sollte gestärkt werden – wir müssen unsere Kundinnen und Kunden besser mitnehmen und in unser Leben integrieren – sie können eine Stammkundschaft für unsere Betriebe sein.
  • Die Unterstützung im Bereich Vermarktung sollte intensiviert werden – sei es zum Beispiel durch gute Verpackungs- und Werbematerialien, sei es durch effiziente Beratung oder noch enger geknüpfte Netzwerke.
  • Das Markenprofil sollte besser nach außen kommuniziert und abgegrenzt werden – wir als Biokreisler müssen bundesweit die Marke der Bio-Bauern sein.

Wir und unsere Produkte wollen wertgeschätzt werden, der Biokreis kann sich als eine bäuerliche Premiummarke etablieren. Klar ist aber auch: Wenn wir in der Außenwirkung wertgeschätzt werden wollen, müssen wir miteinander ebenso umgehen. Und wir müssen dafür sorgen, dass unsere Landwirtschaft und unsere Produkte diesem Anspruch genügen. Wir „kleinen“ Bauern in NRW wollen einen hohen Standard. – Betriebe, die nicht in unser Profil passen, gehören dann eben in einen anderen Verband.

Irgendwo hab ich gelesen: „Landwirt ist eine Berufsbezeichnung, Bauer eine Lebenseinstellung“ – das weist vielleicht den Weg in die bäuerliche Biokreis-Zukunft. Denn nach 40 Jahren Geschichte kommen 40 Jahre Zukunft, die die Bauern unter uns gestalten sollten. Statt „Wir schaffen das“ muss es bei uns im Biokreis heißen „Wir machen was draus!“

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