Biokreis-Feldtage in Niedersachsen und NRW

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Praxisveranstaltungen und Versuchsbesichtigungen rücken alle wichtigen Standardkulturen des Ökolandbaus in den Blickpunkt.
Von Jörn Bender |  Der Autor ist landwirtschaftlicher Berater beim Biokreis in NRW und Niedersachsen.


In bewährter Zusammenarbeit mit dem Öko-Team der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen sowie der Hochschule Osnabrück bot die Beratung der Verbände Biokreis und Bioland zwei gemeinsame Feldtage im Großraum Osnabrück an.

Den Auftakt bildete eine Veranstaltung für Interessierte und Neueinsteiger in den ökologischen Kartoffel- und Zuckerrübenanbau. Der Tag startete, fachlich begleitet durch Wilfried Dreyer, Kartoffelberater beim KÖN/Naturland, auf dem Biokreis-Betrieb von Jobst und Heinz-Martin Brüggemeier in Melle. Diese bauen gemeinsam mit dem Bioland-Betrieb Berninghof (Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf) auf rund 35 Hektar Speisekartoffeln an, die sie im Direktabsatz und an Abpacker vermarkten. Um die Kartoffeln bei einem Stickstoffbedarf von 150 bis 160 Kilogramm gut zu versorgen, stehen diese im Betrieb nach der Ackerbohne, die etwa 60 bis 80 Kilogramm Stickstoff (N) im Boden belassen haben dürfte. Zusätzlich wurden etwas Stallmist sowie etwa 15 bis 20 Kubikmeter Rindergülle pro Hektar gedüngt.

Im Gespräch: Maßnahmen gegen Drahtwurm und Rhizoctonia im Bio-Kartoffelanbau

Von der Hackvorfrucht Ackerbohne erhofft der Betrieb sich auch einen geringeren Drahtwurmdruck – laut Wilfried Dreyer eine der wesentlichen Herausforderungen im aktuellen Bio-Kartoffelanbau. Intensive Stoppelbearbeitung im Bereich null bis zehn Zentimeter, der Verzicht auf eine Untersaat in der Vorkultur und keine Fruchtfolgestellung etwa nach zweijährigem Kleegras wirken sich diesbezüglich ebenfalls befallsmindernd aus. Zudem ist Körnermais als Vorfrucht ebenso ungeeignet wie insgesamt große Strohmassen auf dem Feld zu belassen, da diese wiederum den Befall mit Rhizoctonia massiv fördern können. Insgesamt schätzt Experte Wilfried Dreyer den Öko-Kartoffelanbau in Niedersachsen auf rund 2.500 Hektar, was etwa einem Drittel der deutschen Anbaufläche entspricht.

Die gut 30 Teilnehmer der Veranstaltung nahmen anschließend zwei Standorte mit verschiedenen Sorten in Augenschein. Zudem wurde die Beikrautregulierung mit einer Einböck-Rotarystar demonstriert.

Nach ausgiebigem Mittagsimbiss ging es weiter auf einen Zuckerrübenschlag des Bioland-Betriebs Flachmeier im benachbarten Hiddenhausen. Dort wurde abermals die Rotorhacke eingesetzt, zudem eine kamerageführte Scharhacke von Einböck sowie die betriebliche Technik zur mechanischen Beikrautbekämpfung am Fendt-Geräteträger. Parallel waren zum Zeitpunkt des Feldtages Mitarbeiter mit Handhackarbeiten beschäftigt. Da der Betrieb auch viele andere Sonderkulturen anbaut, ist ein flexibler und damit zeitlich optimaler Einsatz von Arbeitskräften möglich. Seitens der abnehmenden Hand (Nordzucker) wurde darauf hingewiesen, dass aktuell an einer verbandsorientierten Vermarktung und damit auch entsprechenden Auslobung von Bio-Zucker gearbeitet wird.

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Für viele Teilnehmer ein ungewohnter Anblick: die Rotorhacke in Kartoffeln. | Bild: Jörn Bender

Silomais und Eiweißpflanzen: Neue und bewährte Sorten im Prüfanbau

Der zweite Feldtag am 20. Juni widmete sich dem ökologischen Silomaisanbau (Versuch der LWK Niedersachsen) sowie den ackerbaulichen (Sorten-)Versuchen des Öko-Betriebes der Hochschule Osnabrück. Im Maisversuch der LWK am Standort Bissendorf stehen aktuell 16 neue und bewährte Sorten im Prüfanbau, darunter auch die von Agravis vertriebene Sorte Mantilla, bewährte KWS-Sorten wie Keops und Stabil, der mit gewünscht planophiler Blattstellung auffallende P 7500 von Pioneer sowie die sehr frohwüchsigen Sorten 31218 und 30215 von LG. Auch die der LfL Bayern entwickelte Populationssorte Weihenstephaner 2 wurde 2018 mit durchaus respektablem Ergebnis getestet und ist erneut im Sortiment gelistet. Ein anwesender Landwirt motivierte die Teilnehmer im Gespräch zu Untersaaten im Mais, um verbleibenden Stickstoff sinnvoll zu nutzen. Hierfür sollte Welsches Weidelgras mit dem letzten Hackgang ausgebracht werden, da dieses im Unterschied zu anderen Weidelgräsern im Folgejahr nicht wieder als problematischer Durchwuchs im Bestand auftaucht. Berater Markus Mücke von der LWK erläuterte die einzelnen Silomaissorten und Vorjahresergebnisse.

Auf dem Versuchsbetrieb der Hochschule in Osnabrück führte Professor Dieter Trautz durch die verschiedenen Versuche. Unter anderem wurde ein Projekt zum Mischanbau von Braugerste und Eiweißpflanzen (Erbse, Öllein und Leindotter) präsentiert. Weiterhin wurden Sortenversuche zu Ackerbohnen, Lupinen und Soja vorgestellt. Auf Interesse stießen hierbei die Parzellen mit der im Vergleich zur blauen (schmalblättrigen) Lupine deutlich höher wachsenden weißen Lupine. Diese kann mit einer besseren Eiweißwertigkeit und höheren Erträgen punkten, hatte bislang aber in der Praxis mit Anthraknose zu kämpfen. Mit den 2019 neu zugelassenen DSV-Sorten Frieda und Celina stehen nun zwei diesbezüglich tolerantere Angebote zur Verfügung.

Ebenfalls beeindruckend gepflegt präsentierte sich die Versuchsanlage zum Sojaanbau – schon lange ein Steckenpferd der Hochschule an einem für Deutschland vergleichsweise nördlichen Standort. Aktuell wird dort ermittelt, ob ein Walzen des Bestandes mit Cambridge- oder Glattwalze im EC 11 beziehungsweise 13 eine Streckung des unteren Internodiums und damit einen höheren untersten Schotenansatz bewirken kann.

Florian Rohlfing von der LWK präsentierte zudem einen Versuch zum Mischanbau verschiedener Back- und Futterweizensorten. Eine bei Versuchsanstellung erhoffte Reduzierung des Befalls mit Gelbrost, der durch Wind übertragen wird, hat sich nicht bestätigen lassen. Allerdings nahm der Befall mit Septoria, der sich eher durch Tröpfchen verbreitet, in den Mischkulturen ab.

Die gemeinsamen Veranstaltungen der regionalen Fachberatung von Biokreis und Bioland werden voraussichtlich mit einem Zwischenfruchttag im Herbst fortgesetzt werden.

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