Ein Eldorado für Mutterkühe

Mutterkühe und Kälber beweiden die weitläufigen Grünlandareale auf Gut Borken. | Bild: Jörn Bender

Gut Borken in Vorpommern wirtschaftet seit über 25 Jahren ökologisch.
Von Jörn Bender | Der Autor ist landwirtschaftlicher Berater beim Biokreis in NRW und Niedersachsen und Tierwohl-Beauftragter des Biokreis.

Zwischen Pasewalk, Ueckermünde und Stettin, ganz im Osten Vorpommerns und naturräumlich benachbart zur Odermündung im Stettiner Haff, liegt einer der größten ökologisch bewirtschafteten Mutterkuhbetriebe Deutschlands. Das Gut Borken, seit 2017 Mitglied im Biokreis, vereint in mehreren Unternehmensformen rund 6.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, etwa 2.400 Mutterkühe zuzüglich Nachzucht sowie mehr als 1.000 Mastrinder.

Die Eigentümerfamilie hat das Gut gemeinsam mit ihrer Geschäftsführerin Birgit Wendlandt seit mehr als 25 Jahren geprägt und gestaltet. So wurden schon seinerzeit circa 140 Hektar Saumhecken und Baumgürtel angelegt. – Heute würde man diese Strukturen wohl als wertvolle Biotopvernetzungen bezeichnen, damals war es eher eine Handlung aus dem Bauch heraus. Unter anderem ging es darum, Witterungsschutz für Weidetiere zu gewähren und die starke Winderosion einzugrenzen.

 

Den Mastbullen auf Gut Borken stehen ab Aufstellung gut eingestreute, luftige Außenausläufe zur Verfügung. | Bild: Jörn Bender

Bei einer Rundfahrt durch das weitläufige Areal bietet sich auf einer frisch gemähten Fläche ein grandioses Bild: mehr als zehn große Greifvögel, darunter Schrei-, Fisch- und Seeadler, nutzen das Areal für die Nahrungssuche und baumen auf den dort abgelegten Rundballen auf. Durch das Gras der gegenüberliegenden Wiesenfläche stelzen in erhabener Manier Kraniche.


Unmittelbar angrenzend an die Flächen des Guts befindet sich ein großes Truppenübungsgelände. Die abgeschiedene Lage bietet daher viel Rückzugsraum für Flora und Fauna in einer großflächigen und naturnahen Wiesen- und Weidelandschaft.

 

Die Fleischrinderhaltung auf Gut Borken beheimatet alleine rund 90 Deckbullen, die in etwa 40 Herden zu je 60 Mutterkühen zum Einsatz kommen. Sie stehen in ganzjähriger Freilandhaltung. Ein Großteil der Kühe ist inzwischen genetisch hornlos, als Vererber kommen die Rassen Angus (erste Bedeckung), Limousin (zweite Bedeckung) sowie danach Fleckvieh und Uckermärker zum Einsatz. Die Kälber verbleiben unabhängig von der Jahreszeit bis zum Absetzen mit den Mutterkühen tiergerecht im Freiland. Weibliche Absetzer werden zur Remmontierung verwendet oder als Schlachtkälber direkt von der Weide vermarktet. Die männlichen Tiere werden überwiegend als Bio-Bullen ausgemästet. Dafür hat Gut Borken vorhandene Stallungen fachgerecht umgenutzt und durch große, grundsätzlich nicht überdachte Ausläufe ergänzt.

Besonderen Wert legt der weitere Geschäftsführer Dr. Sven Grumbach auf ein gut funktionierendes Einstreumanagement und bedarfsgerechte Fütterung, sodass sich dem Besucher in Borken sehr gepflegte Masttiere mit hervorragenden Schlachtkörpern präsentieren. Die Bullen werden mit 18 bis 21 Monaten und 420 bis 450 Kilogramm Gewicht vermarktet. Der Absatz der Tiere erfolgt unter dem Label der „Erzeugergemeinschaft Weidehof“, benannt nach der Bezeichnung eines zentralen Flurstückes auf Gut Borken.


Fleischrinderhaltung und Grünlandwirtschaft werden weiterhin ergänzt durch Ackerflächen, auf denen unter anderem Biomais und Getreide für die Bullenmast produziert wird. Daneben gehört auch eine Biogasanlage mit rund 750 Kilowatt Leistung zum Unternehmen.

Die Mutterkuhhaltung, wie sie auf Gut Borken betrieben wird, stellt nicht nur eine artgerechte Form der Tierhaltung dar, sondern ist auch wie geschaffen für die Pflege der weitläufigen Wiesen im Nordosten Deutschlands. Sie trägt wesentlich dazu bei, diese Kulturlandschaft zu erhalten.

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