Unser Essen

Wir alle essen, jeden Tag. Doch wir wählen unsere Lebensmittel nach individuellen Vorlieben und Ansprüchen aus. Wir haben Menschen verschiedener Generationen in ihrer Küche besucht und gefragt: Was ist euch beim Essen wichtig? Worauf legt ihr Wert? – Drei Essens-Porträts in Bildern.
Notiert von Stephanie Lehmann | Bilder: Tobias Köhler

Astrid & Jörg

 

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"Wir kochen jeden Tag. Das ist ein unglaublicher Wert und Luxus für uns. Unsere Küche war früher der Stall eines Bauernhofs. Hier standen Kühe, Kälbchen und ein Schwein. Im Winter heizen wir hier mit dem Holzofen, auf dem wir dann auch braten und kochen. Damit umzugehen muss man erst einmal lernen: Das Kochen dauert länger und das Essen schmeckt anders.
Sich selber von Grund auf zu ernähren, das macht etwas mit dir. Seit fünf Jahren haben wir eigene Hühner und schätzen seitdem Eier noch einmal mehr. Wir wissen ja, wie viel Arbeit dazugehört. Auch unser Brot und Baguette backen wir seit einer Weile selbst. Gemüse haben wir aus dem eigenen Garten. Was uns fehlt, kaufen wir im Hofladen von Bio-Bauern vor Ort. Die Reihenfolge ist: eigenes Gemüse, Bio-Regional, Bio. Beim Regionalen machen wir Abstriche, bei Bio nicht. Es mag gesünder sein, wichtiger ist es uns, die unerwünschten Nebenwirkungen der Nicht-Bio-Landwirtschaft zu unterbinden.
Wenn wir ein Hähnchen für unseren eigenen Bedarf schlachten – das haben wir in einer Ausbildung in der Akademie für Ökolandbau Kringell gelernt – ist das ein großer Moment, was Liebe und Essen angeht. Wir haben das Tier lange betreut und beenden sein Leben. Dann findet eine Wandlung vom Lebewesen zum Lebensmittel statt. Beim Huhn geht das sehr schnell. Sind die Federn weg, ist es ein Nahrungsmittel."

 

Astrid und Jörg aus Salzweg. Jörg ist als Imker seit 2013 Mitglied im Biokreis.

Zenta

 

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„Mir ist eine gesunde Ernährung sehr wichtig. Beim Einkauf achte ich darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen.
Im Sommer esse ich vor allem das, was aus meinem Garten kommt: Salat, Kohlrabi, Zucchini, Tomaten, Obst und natürlich viele frische Kräuter. Oft gibt es dann Tomate-Mozzarella, Gemüsesuppen oder Zucchini-Gerichte. Fleisch hat bei mir einen nachrangigen Stellenwert und steht vor allem beim Grillen auf dem Speiseplan.
Im Winter gibt es dann mehr Kartoffeln und Kraut. Aber auch meine eingekochten Tomaten kommen vielfach auf den Tisch, als Soße oder Suppe. Dafür püriere ich die Tomaten, gebe Salz dazu koche sie auf und fülle sie in Gläser.
Früher hat eine gesunde Ernährung  keine so große Rolle gespielt. Die Auswahl war nicht so groß und es gab abwechselnd fast immer das Gleiche: Fleisch, Kraut, Kartoffeln, Mehlspeisen und Schmalzgebackenes. Aber die Leute haben auch gut gelebt. Heute denke ich mehr über ein abwechslungsreicheres Essen nach.“ 

 

Zenta , Hausfrau aus Fürstenzell

François

 

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Ich muss mich sehr reduziert und speziell ernähren, denn durch eine chronische Krankheit bin ich Histamin-, Laktose- und Gluten-intolerant. Außerdem habe ich eine Kreuzallergie. Meine Hauptlebensmittel sind Kartoffeln – davon esse ich im Jahr eine unglaubliche Menge. Sie sättigen sehr gut und haben viele Vitamine und Mineralstoffe. Außerdem esse ich Karotten, alte Getreidesorten – Mais, Amarant, Hirse – Zucchini und Salat. Weil sich Histamin erst mit der Zeit in Lebensmitteln bildet, koche ich täglich frisch.
Früher habe ich sehr schlecht gegessen, viel Tiefkühlprodukte und Fast-Food. Durch die Krankheit bin ich ein anderer Mensch geworden. Ich kann nicht einfach ein Glas Wein trinken, denn dann geht es mir körperlich schlecht. Dadurch ist auch das gemeinsame Essen mit Freunden schwierig, zum Beispiel in Restaurants – da bin ich sehr vorsichtig. Im Grunde ist Essen für mich vor allem ein Mittel zum Zweck. Ich habe allerdings ein einziges Laster: Pommes.


François Weinert, aus Passau

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