Acht Rinder weiden für sich und die Natur

Freude bei den Beteiligten des Weideprojekts (von links): Martin Sudbrock, Rieke Trittin, Andreas Richardt, Frederik Schmitt, Daniela und Jochen Semler mit ihren Kindern, Verena Becker (Biokreis), Marius Reinhard (Wassermanagement Rhön-Sprudel) und Christian Schindel. | Bild: Leoni Rehnert

Naturschutz findet nicht nur in der Hohen Rhön statt, auch in der Fläche kann man Lebensräume für eine Vielzahl von Arten schaffen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Weideprojekt in dem Eichenzeller Ortsteil Memlos in Hessen mit dem Biokreis-Betrieb Jochen Semler.
Von Verana Becker | Die Autorin ist landwirtschaftliche Beraterin beim Biokreis in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.


Ein Plan braucht einen Anstoß – und Menschen, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Im Fall des Weideprojekts gab es eine erfreulich große Zahl von Machern und Unterstützern, die allesamt Durchhaltevermögen bewiesen. Durch die Zusammenarbeit wurde eine zehn Hektar große Weide geschaffen; ein Areal, durch das die Lütter mäandert und das nun Wohn-, Ess- und Schlafzimmer von derzeit acht Rindern ist.

In gewisser Weise ist es auch ihr Arbeitsplatz, denn die Nutztiere halten die Grünlandflächen offen und schaffen damit Lebensraum, beispielsweise für Wiesenvögel, aber ebenso für viele Insektenarten und Amphibien. Auch das Bachbett entwickelt durch die Beweidung unterschiedliche Strukturen und bietet Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Genau das ist die Idee des Projekts, dessen Hauptakteur das Fleckvieh von Jochen Semler ist. Er ist begeisterter Biokreis-Landwirt im Nebenerwerb und freut sich sehr über die neugeschaffene Fläche, die gleichermaßen nützlich und ein Idyll ist. „Zuvor hatte ich zwei Hektar, und das Ab- und Aufbauen der Koppel war in der Tat mühsam. Dass wir schließlich zusammengekommen sind, ist wirklich ein Segen“, sagt er und dankt Rieke Trittin, die beim Landkreis Fulda in den Fachdiensten Landwirtschaft sowie Natur und Landschaft tätig ist.

Die Fachdienstleiter Martin Seuring (Natur und Landschaft) und Martin Sudbrock (Landwirtschaft) organisierten die Gespräche mit den Flächeneigentümern und die notwendigen rechtlichen Änderungen: Denn in erster Linie handelt es sich um Ausgleichsflächen, die nicht bewirtschaftet werden sollen. „Wir haben hier die Ziele von Landwirtschaft und Naturschutz kombiniert“, sagt Martin Sudbrock und erläutert: „Wenn man Flächen komplett sich selbst überlässt, dann steigt die Biodiversität – aber nur zunächst. Denn nach ein paar Jahren verbuscht das Areal. Erst durch eine extensive Nutzung erhält man beste Werte für die Natur, und der Landwirt kann auf diesen Flächen hochwertige Produkte erzeugen.“  Unterstützung bei der Vermarktung erhält Jochen Semler, der Anfang des Jahres auf Bio umgestellt hat und Mitglied im Verein Rhöner Biosphärenrind ist, durch den Biokreis.

Christian Schindel, geschäftsführender Gesellschafter von RhönSprudel, lobt das Konzept, in welches das Unternehmen als ein Flächeneigentümer eingebunden ist: „Das Projekt ist eine tolle Sache, die wir gern unterstützen. Wir leben am Ende der Ressource, die über viele Jahre angereichert durch die diversen Gesteinsschichten zu Mineralwasser wird. Diese Ressource zu schützen, ist unser größtes Anliegen.“  

Andreas Richardt, Geschäftsleiter des Mineralbrunnens Förstina, dem ebenfalls Flächen des Areals gehören, sieht sich ebenso dem Naturschutz verpflichtet. Verena Becker, Beraterin beim Biokreis Erzeugerring Mitte, freut sich mit Jochen Semler über den Start des Weideprojektes: „Es ist eine großartige Sache, dass ein Mitgliedsbetrieb von uns in dieses einmalige Projekt eingebunden wurde. Wir werden ihn in allen landwirtschaftlichen Fragen jederzeit unterstützen.“

Die Weide befindet sich in Memlos zwischen den Mineralbrunnen Förstina und Rhönsprudel. Schautafeln an der Weide informieren Spaziergänger über das Projekt.

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