Umdenken ist auch beim Wasser gefragt

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Dr. Franz Ehrnsperger leitete viele Jahre die Neumarkter Lammsbräu und machte sie zur führenden Bio-Brauerei in Deutschland. Heute ist er Vorsitzender der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser und macht sich für nachhaltig produziertes Mineralwasser stark.
 
Herr Dr. Ehrnsperger, warum liegt Ihnen das Thema Wasser so am Herzen?
Als Brauerei mit eigener Mälzerei war die  Neumarkter Lammsbräu immer in Kontakt mit der Landwirtschaft. Im Fokus stand die Qualität der Rohstoffe, zum Beispiel von Hopfen und Gerste. Unseren eigentlichen Hauptrohstoff, das Wasser, haben wir genau wie der Rest der Gesellschaft aber lange als selbstverständlich angesehen. Erst mit der Zeit wurde uns klar, dass gerade unser Primärrohstoff durch die Stoffe von Turbolandwirtschaft und Co. am meisten gefährdet ist.

Ihr Weg zum Wasser führte also über das Bier?
Ja, denn wir haben in den 1980er-Jahren angefangen, Bio-Bier zu brauen und die Brauerei zu 100 Prozent auf Bio umzustellen. Vor etwa 15 Jahren haben wir angefangen darüber nachzudenken, wie man die bewährten Bio-Prinzipien auf unser wichtigstes Lebensmittel übertragen kann. Denn auch die ganze Bio-Branche hat das Thema Wasser lange ausgeblendet. Das ändert sich gerade erst, auch aufgrund der Arbeit der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser.

Was macht Wasser zu Bio-Wasser?
Wir sind der Meinung, dass Wasser genau wie alle anderen Bio-Lebensmittel ein Ergebnis landwirtschaftlicher Arbeit ist. Das hört sich vielleicht ungewöhnlich an, aber letztlich ist Wasser ein Produkt des Bodens. Wo soll es denn sonst herkommen? Schauen wir uns den Prozess der Wasserbildung an, dann sind wir bereits ganz nah am Bio-Gedanken, denn wir müssen den gesamten Wasserkreislauf beachten und dafür Sorge tragen, dass er im Gleichgewicht bleibt.

Sie meinen, Wasser wird wie andere Lebensmittel auch angebaut?
Ja, genau. Das fängt bei der Aussaat an – das ist der Regen. Dafür muss das Saatbett bereitetet werden. Der Bauer verteilt sein Saatgut mit Hilfe einer Saatmaschine. Genauso brauchen wir den Regen fein verteilt und nicht als Starkregen. Wir müssen also dafür sorgen, dass das Klima stabil bleibt, damit der Regen gleichmäßig fällt. In unseren Richtlinien ist daher formuliert, dass jeder Mineralbrunnenbetrieb eine Klimastrategie haben muss, wenn er bio werden möchte. Er muss Jahr für Jahr nachweisen, welche Fortschritte er beim Klimaschutz macht.
Genauso wichtig ist, dass das Wasser dann in seiner gesamten Vegetationsperiode im Boden nicht mit Stoffen verunreinigt wird, die dort nicht hineingehören. Auch das ist die Aufgabe unserer Bio-Mineralbrunnenbetriebe, die wir als „Wasserbauern“ sehen. Erst wenn ein Mineralbrunnenbetrieb das Jahr für Jahr nachweist und schließlich auch noch die „Ernte“ des Wassers schonend und enkeltauglich durchführt, dann ist er ein Bio-Wasserbauer im besten Sinne und kann sein Produkt als Bio-Mineralwasser bezeichnen.

Auf welchen Prinzipien beruht das Bio-Mineralwasser-Konzept?
Das Bio-Mineralwasser-Konzept basiert auf drei Säulen: Reinheit, Nachhaltigkeit und Transparenz. Bei Bio-Mineralwasser ist garantiert, dass es auch heute noch wirklich sauber ist. Und das trotz Nitrat, Pestiziden und sonstigen Stoffen, die  aus Landwirtschaft und Industrie in der Umwelt landen. Für Bio-Mineralwasser gelten deshalb deutlich strengere Vorschriften als für konventionelles Mineralwasser oder Leitungswasser. Die zweite  Säule ist die Nachhaltigkeit. Sie muss gewährleistet sein, damit auch die nächsten Generationen noch sauberes Wasser zur ihrer Verfügung haben. Die Quellen der Bio-Mineralwasserbrunnen müssen deshalb aktiv vor Verunreinigungen geschützt und absolut schonend bewirtschaftet werden. Die dritte und letzte Säule ist die Transparenz: Der Öffentlichkeit muss zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass das Bio-Mineralwasser wirklich rein ist und die Vorsorge auch tatsächlich umgesetzt wird. Greenwashing gibt es bei uns nicht. Dafür ist die Zertifizierung ausgelegt.

 

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Wie und nach welchen Richtlinien erfolgt die Zertifizierung?
Die Zertifizierung erfolgt jährlich, wie im sonstigen Bio-Bereich auch. Sie wird von unabhängigen Bio-Kontrollstellen durchgeführt. Es herrscht also klare Gewaltenteilung: Es gibt einen Richtliniengeber ohne eigene wirtschaftliche Interessen, das ist die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser. Die Bio-Kontrollstellen sind die Zertifizierenden. Und es gibt akkreditierte Labore, die die Wasser-Analysen erstellen.

Und wer lässt sich zertifizieren?
Die Mineralwasserhersteller. Sie nutzen ein Naturgut, zu dem sie selbst nichts beigesteuert haben und das über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende durch die Kräfte der Natur entstanden ist. Über ihr Engagement für Nachhaltigkeit geben sie etwas zurück. Sie müssen ihr Bio-Wasserbauerntum leben.

Jetzt hat aber der „Wasserbauer“ üblicherweise keine eigenen Flächen, für die er Sorge tragen kann.
Richtig. Die Bio-Mineralwasserhersteller können nicht ohne die Landwirte. Daher müssen sie aktiv an die Landwirte herantreten und sie für eine wasserschonende Landwirtschaft gewinnen. Der Bio-Wasserbauer muss also den Ökolandbau fördern. Denn die Landwirte brauchen einen Vorteil von der Kooperation. Am Ende wollen wir ein Zertifizierungssystem etablieren, dass honoriert, wenn jemand nachweislich etwas für die Verbesserung des Bodens tut, durch den das Wasser versickert.

Welchen Effekt versprechen Sie von Ihrer Arbeit?
Nach unserer Schätzung ist heute rund ein Viertel der deutschen Mineralbrunnen in der Lage, die Bio-Mineralwasser-Richtlinien zu erfüllen. Wenn diese Brunnen alle Bio-Mineralwasser produzieren und Überzeugungsarbeit in ihren Einzugsgebieten leisten würden, dann könnte sich viel bewegen.
Mit dem Konzept Bio-Mineralwasser kann es gelingen, einen ganzen Industriezweig, der sich bisher  hauptsächlich um Abfüllung und Marketing gekümmert hat, für die Bio-Idee und den damit verbundenen Umweltschutz zu gewinnen.  

Es gibt aktuell rechtliche Auseinandersetzungen um Bio-Wasser. Was steckt dahinter?
Auch beim Bio-Mineralwasser-Konzept zeigt sich, dass wir die Bio-Idee gemeinsam gegen Angriffe und Vereinnahmung schützen müssen.  Aktuell klagt deshalb Neumarkter Lammsbräu stellvertretend für uns alle gegen die internationalen Großkonzerne Danone und SGS Fresenius. Der Bundesgerichtshof hat das Bio-Mineralwasser-Konzept bereits 2012 bestätigt.

Ist es Ihr Ziel, dass Bio-Mineralwasser langfristig gesetzlich geregelt wird?
Natürlich. Wir leisten aktuell Pionierarbeit. Wenn etwas dann noch Gesetz wird, hilft das natürlich zusätzlich dabei, die Welt zum Positiven zu verändern. Und darum geht es.

Ich danke Ihnen für das Gespräch, Herr Dr. Ehrnsperger!

Die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V. setzt sich seit 2008 für einen behutsamen Umgang mit dem Wasser ein. Sie wacht über die Richtlinien für das Qualitätssiegel „Bio-Mineralwasser“ und sensibilisiert Branche und Verbraucher für die Problematik der zunehmenden Wasserverschmutzung. Mitglieder der Qualitätsgemeinschaft sind unter anderem die Bio-Anbauverbände, darunter auch der Biokreis.
Um das Bio-Mineralwasser-Siegel der Qualitätsgemeinschaft zu erlangen, müssen Mineralbrunnen über 45 streng gefasste Kriterien erfüllen, die den Verbrauchern ein Höchstmaß an Qualität und Transparenz sowie nachhaltige Produktionsbestimmungen garantieren. Die Richtlinien wurden von unabhängigen Experten erarbeitet und werden laufend an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.

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