Mit Luftdruck zurück an die Spitze

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Von Jörn Bender | Der Autor ist landwirtschaftlicher Berater beim Biokreis in NRW und Niedersachsen.

Auf der zurückliegenden Landtechnikmesse Agritechnica hatte man das Gefühl, dass allein der Beiname „Öko“ manchem Standardgrubber oder der altbewährten Federzinkenegge diverser Hersteller zu mehr Absatz gereichen sollte.

Eine wirkliche Innovation war hingegen am Stand des österreichischen Hack- und Striegeltechnikherstellers Hatzenbichler zu besichtigen. Das Unternehmen, das seit 1952 in der Landtechnikbranche aktiv ist, hat über viele Jahrzehnte den Ökolandbau begleitet. Der typische Hatzenbichler-Hackstriegel mit blauen Zinkenfeldern und rotem Rahmen ist eigentlich allen Akteuren der Branche ein vertrautes und bewährtes Bild. In der Öko-Boomphase der letzten Jahre schoben sich dann weitere Hersteller wie etwa Einböck und Treffler in den Vordergrund und bekamen aufgrund innovativer Technik- und Vertriebskonzepte viel Aufmerksamkeit.

Zur Leitmesse der Landtechnik lenkte Hatzenbichler nun mit dem neuen Air-Flow-System die Blicke der Branche wieder auf sich. Die technisch aufwendige Neuerung basiert auf einer Zinkenfederung mittels Pneumatikzylinder. Über die Druckluftanlage des Schleppers sowie Proportionaldruckregler erfolgt eine Vorspannung des Zinkens, so dass eine stufenlose Einstellung des Zinkendrucks zwischen 500 Gramm und 5.000 Gramm möglich wird (zum Vergleich Treffler: 200 Gramm bis 5.000 Gramm). Dieser Druck wird unabhängig vom Gegendruck des Bodens, etwa in Dammkulturen, konstant gehalten, so dass entsprechende Kulturen eine gleichmäßige Bearbeitung über die gesamte Arbeitsbreite erfahren und in kritischen Stadien sehr kulturschonend gearbeitet werden kann.

Zusätzlich zum Zinkendruck kann, wie bislang auch, der Zinkenwinkel über Hydraulikzylinder von 57 Grad bis 102 Grad variiert werden. Die Halterungen beziehungsweise Rahmen der 150 Zentimeter breiten Zinkenfelder wurden leicht angepasst, die Aufhängung in den bestehenden Tragrahmen bleibt aber im Wesentlichen unverändert. Standardmäßig ist das System mit stabilen sieben Millimeter Zinken ausgestattet – die bisherigen Striegelmodelle waren wahlweise mit sechs, sieben oder acht Millimeter verfügbar. Die für Dammkulturen nicht unwichtige Durchgangshöhe des Striegels beträgt nahezu 60 Zentimeter.

Der Hatzenbichler Air-Flow liegt preislich in etwa auf dem gleichen Niveau wie der ebenfalls aufwendige Treffler-Präzisions-Zinkenstriegel. Damit ist er mehr als doppelt so teuer wie die nach wie vor verfügbare, rein mechanische Standardvariante aus eigenem Hause. Eine Maschine mit sechs Metern Arbeitsbreite dürfte bei der voraussichtlichen Markteinführung im Laufe des Jahres 2020 mit etwa 15.000 Euro zu Buche schlagen. Ähnlich wie beim Treffler-Striegel sollten dafür eine hohe Auslastung des Striegels oder aber entsprechend anspruchsvolle Kulturen im Betrieb vorhanden sein. Auf erste Praxisvorführungen und Herstellervergleiche darf man gespannt sein!