Nachhaltigkeit: Fair im Büro

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Auch der Bio-Bauer trommelt nicht mehr. Im Gegenteil, manch einer ist besonders innovativ und setzt auf digitale Errungenschaften. Beispiel Smartphone: Ohne Apps geht auf modernen Höfen fast nichts mehr. Doch immer neue IT-Geräte passen nicht zum Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensweise. Die BioNachrichten haben anhand von zwei Beispielen nachgeforscht, ob es auch anders geht. Fairphone und die Nager-Maus zeigen: Nachhaltigkeit und Hightech passen gut zusammen.

Fairphone: Sinnvolle Alternative für Umwelt und Menschenrechte

Na, wer hat das neueste Marken-Smartphone? Während auf Schulhöfen und in Unternehmen regelmäßig verglichen wird, wer mit welchen Standards ganz vorn mit dabei ist, schürfen Kinder oftmals unter erbärmlichsten Verhältnissen nach seltenen Erden und anderen wichtigen Rohstoffen. Zum Beispiel nach Kobalt – das ist ein unersetzliches Metall in den Lithium-Ionen-Akkus aller Mobilgeräte. Diese landen dann bei uns allzu schnell wieder auf dem Müll, wenn die neueste Generation die Kundschaft in die Telefonläden lockt.

Ehrlich gesagt: Bei mir hat das dazu geführt, dass ich – noch – mein uraltes Handy benutze. Das Modell ist gut ein Jahrzehnt alt und technisch überholt. Aber es telefoniert noch. Doch bald ist seine Zeit wohl vorbei. Nicht nur die Nachbarskinder lächeln, wenn sie es sehen (solche Modelle kennen sie schon gar nicht mehr). Entscheidender ist: Features wie Kamera oder der Zugang zum Internet sind mittlerweile doch notwendig.

Ich bin jetzt beim neuen Fairphone 3 hängengeblieben. Das scheint mir eine sinnvolle Alternative zu sein. Denn so urteilt die Fachzeitschrift CHIP: „Das Fairphone ist kein Preis-Leistungskracher. Wenn man aber bedenkt, welche Summen für aktuelle Flaggschiffe fällig werden, ist der Preis in Ordnung. So gesehen investieren Sie auch nicht nur ins Smartphone, sondern laut Fairphone auch in Umwelt und Menschenrechte und damit in die Zukunft“. Heißt übersetzt: kein Schnäppchen. Aber darum geht es ja auch nicht.

Rein technisch ist das Gerät up to date: Der Speicher lässt sich beispielsweise von 64 Gigabyte auf bis zu 256 Gigabyte erweitern. Ein Android-Betriebssystem ermöglicht den vielfältigen Einsatz, denn es ist eines der gängigen Systeme im Smartphone-Bereich. Und die Kamera, die ich ja auch öfter nutzen würde, hat „uns positiv überrascht“, so die Tester von CHIP. Eine 12-Megapixel-Kamera ist für den heutigen Standard passend, die Tageslicht-Aufnahmen sollen laut CHIP scharf, detailreich und natürlich sein. Bei Dämmerung wird es mit der Qualität schlechter. Ich hoffe, für die Wolf-Beweisfotos reicht es dann trotzdem.

Entscheidend und bestechend ist der modulare Aufbau. Der leistungsfähige Akku ist leicht auswechselbar. Ein Schraubenzieher für die 13 zu lösenden Schrauben liegt bei. Wenn ich erlebe, wie andere an ihren Handtelefonen basteln und den Energiespeicher dennoch nicht auswechseln können, ist das eine echte Errungenschaft, die die Lebensdauer des Geräts verlängert. Wie bei meinem Uralt-Handy. Das Display ist ebenfalls austauschbar. Ersatzteile wie Kamera, Lautsprecher, Rückenteil und einiges mehr sind online verfügbar.

Noch dazu verspricht der niederländische Hersteller weitgehende Transparenz, listet seine Lieferanten akribisch auf, verzichtet nach eigenen Angaben auf Kinderarbeit, nimmt alte Handys im Tausch zurück und sorgt dafür, dass diese beispielsweise in Ghana noch gute Dienste tun können. Um Rohstoffe und Material zu sparen, wird kein Ladekabel verschickt, weil viele Kunden vom vorherigen Smartphone noch eines haben. Kunden wie ich, die zig Generationen mobile Telefoniererei überspringen werden, können dieses online dazu bestellen. Der Kostenpunkt liegt bei rund 20 Euro, ist also verkraftbar. Übrigens: Noch heute gibt es auch die Ersatzteile für die Vorgängergenerationen vom Fairphone.

Seit zwei Jahren gibt es auch eine deutsche Variante des Fairphones – das Shiftphone. Es ist ähnlich modular aufgebaut, nur ist das umfassende „faire“ Konzept noch in der Entwicklung. Beim Shiftphone hat die Kundschaft die Auswahl zwischen verschiedenen Varianten, die preiswerteste für 444 Euro entspricht etwa dem technischen Standard des Fairphone 3. Allerdings hat mich die hoffentlich höhere Leistungsfähigkeit des Akkus zum Fairphone greifen lassen.

Faire Computermaus: Bessere Rohstoffe und Langlebigkeit

Ebenfalls aus Deutschland wiederum stammt die „Faire Maus“, angeboten vom „Nager IT e.V.“. Dass es sich um einen Verein handelt, belegt schon in gewisser Form den Projektcharakter. Auch hier geht es um faire Arbeitsbedingungen, bessere Rohstoffe und Langlebigkeit. Ausgelöst wurde die Entwicklung vor etwa zehn Jahren, weil soziale Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen in der Computer-Elektronik damals so gut wie keine Rolle spielten. Wirtschaftlichkeit ging – und geht oftmals noch – vor soziale Standards.

Peu à peu versucht Nager IT, die Produktionskette sozialer und fairer zu gestalten. Eine Integrationswerkstatt baut die Mäuse zusammen. Auch die Lieferkette wird immer weiter durchleuchtet, regional produzierende Betriebe mit guten Arbeitsbedingungen und Umweltstandards wurden gefunden. Die Widerstände stammen jetzt aus Teltow, die Kondensatoren aus Aurich, Leiterplatten aus Pforzheim, aus Landshut das Gehäuse. Seit 2015 scrollt die Maus mit Holz statt Kunststoff.

Die Macher von Nager IT sind sich aber auch bewusst darüber: Bis heute ist es nur eine „teilfaire“ Maus. Die Produktion solch digitaler Hilfsmittel komplett nachhaltig zu gestalten, ist nicht so einfach. Kunststoff soll künftig durch Recycling-Kunststoff oder nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden.  Und online gibt es eine Reparatur-Anleitung, denn auch für die Faire Maus gilt: nicht Wegwerfen, sondern instand setzen.

Solche Mäuse haben mittlerweile den Weg in unser Bauernhof-Büro gefunden. Vielleicht kommt auch mal ein Laptop dazu. Denn aus Finnland kommt die Idee, einen solchen PC zu entwickeln. Noch ist das Zukunftsmusik, aber gemeinsam mit der aus unserer Sicht wirklich praxistauglichen Maus würde da schon ein ganz ordentlicher Büro-Arbeitsplatz draus. Zwar ist der nicht so nachhaltig wie unsere Biokreis-Landwirtschaft, aber etwas nachhaltiger und fairer als die meisten anderen Büros.

Fairphone
  • Verkauf: online unter www.fairphone.com
  • Kostenpunkt: Auf dem deutschen Markt 450 Euro, weiteres Zubehör auf der Homepage erhältlich. Seit kurzem bei der Telekom mit Vertag für 69,95 Euro pro Monat.

Shiftphone   

  • Verkauf: online unter www.shiftphones.com
  • Kostenpunkt: ab 444 Euro

Faire Maus

  • Verkauf: online unter www.nager-it.de oder in über 80 Verkaufsstellen in Deutschland (Liste unter www.nager-it.de/informationen/verkaufsstellen).
  • Kostenpunkt: rund 30 Euro zuzüglich Versand. Ein Sondermodell für den Büroarbeitsplatz ist vorrätig.