Landwirtschaft und Corona

Dirk Barthel auf seinen Weiden in Greudnitz. | Bild: Timo Jaworr für agrarheute

Der Ernährungsrat Leipzig e.V. hat in den letzten Wochen mit unterschiedlichen Landwirtschaftsbetrieben aus der Region gesprochen und sie zu ihrem Umgang mit der Pandemie befragt. Darunter auch Dirk Barthel, Biokreis-Landwirt und Vorstandsvorsitzender des Biokreis Erzeugerring Mitteldeutschland e.V. Hier ist der Bericht:

 

Unsere Gespräche begannen wir dabei immer mit der gleichen Frage: Wie sind Sie von der Corona-Pandemie betroffen? Dirk Barthel, Chef des Biohof Barthel in Greudnitz nahe der Dübener Heide hatte darauf eine überraschende Antwort. „Überhaupt nicht.“ Mit seiner Mutterkuhherde, einer Rinderzucht mit eigener Schlachtung und Saatgutvermehrung habe er seinen Betrieb auf verschiedene Beine gestellt. Dies gebe gerade jetzt Stabilität.

 

Die hygienischen Vorschriften in seiner Schlachtung seien außerdem schon immer sehr hoch gewesen und zudem läge der Betrieb in einer ländlichen, einsamen Gegend. Barthel vermarktet seine Produkte hauptsächlich in Leipzig und Umgebung. Hiermit sei er auch sehr erfolgreich und spricht den Leipzigern gleich noch ein Lob aus: „Vor Ostern hat es einen richtigen Run auf regionale Produkte gegeben.“ Ob das so weiter geht, wisse er zwar nicht, aber natürlich hoffe er es. 

 

Auch der Wegfall der Nachfrage durch Schulspeisungen habe sich durch neue Anfragen seitens des Einzelhandels auffangen lassen. Dieser schätze seine hochqualitative Ware und so gehe eine neue Tür auf, wo eine andere zugeht. Zu dieser Qualität gehört für Dirk Barthel auch die Transparenz. Barthel bietet Führungen auf seinen Feldern und in der Schlachterei an: „Wir sind offen, wir sind präsent.“ Ob das reichen wird, um Menschen in Kurzarbeit weiter für seine regionalen Bioprodukte zu begeistern, bleibt abzuwarten.

 

Außerdem, so Barthel, sollten wir nicht glauben, er habe nicht auch Momente gehabt, in denen er nicht wusste, wie es weitergehen soll. „Aber wenn ich merke, hier funktioniert irgendetwas nicht, dann unternehme ich etwas dagegen, und dann versuche ich an den berühmten Knöpfen zu drehen, um das Schiff wieder ins Lot zu bringen. Ein kleines Schiff, das Schlagseite hat, bringt man bei Sturm immer wieder in Fahrt, aber einen großen Dampfer mit Schlagseite wieder hoch zu bringen, ist manchmal nicht so einfach.“ Ein starkes Plädoyer für eine krisenfeste Landwirtschaft in bäuerlicher Größenordnung.