Bäume auf Acker und Weide:
Klimaschutz dank Agroforst

Geflügel findet unter Bäumen Schatten und Schutz. Hier im Bild: Hühner unter Haselnüssen auf dem Biokreis-Betrieb Stiegler. | Bild: Tobias Köhler

Streuobstwiesen und Windschutzhecken waren bis Mitte des letzten Jahrhunderts ein üblicher Anblick in den Landschaften Mitteleuropas. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft sind diese traditionellen Landnutzungsformen und Strukturelemente aber vielerorts verschwunden; Forst- und Landwirtschaft wurden räumlich immer deutlicher voneinander getrennt. Dabei bieten Hecken am Feldrand einen idealen Schutz gegen Winderosion, Bäume schützen den Boden durch Beschattung und die Verbesserung des Mikroklimas vor Austrocknung.

Durch den Klimawandel, der auch in Deutschland für mehr extreme Wetterereignisse sorgt, sind neue Anpassungsstrategien der Landwirtschaft gefragt. Bäume, Hecken und Sträucher können dabei eine entscheidende Rolle spielen. Moderne Agroforstsysteme, die die Kombination von Feldern und Grünland mit Bäumen und Hecken weiterentwickeln, zeigen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und stellen eine neue Option für eine nachhaltige Landnutzung dar.

Was ist Agroforst eigentlich?

Agroforstwirtschaft ist eine Form der Landnutzung, bei der mehrjährige Holzpflanzen wie Bäume und Sträucher auf derselben Fläche wie landwirtschaftliche Nutzpflanzen angebaut werden. Auch eine Kombination von mehrjährigen Holzpflanzen mit der Nutztierhaltung ist möglich.

Je nach Nutzung werden moderne Agroforstsysteme in drei Grundtypen unterschieden:

  • Bei silvoarablen Agroforstsystemen werden Gehölze gleichzeitig mit einjährigen landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Kulturen angebaut.
  • In silvopastoralen Agroforstsysteme werden Gehölze mit Weideflächen und Tierhaltung kombiniert.
  • Agrosilvopastorale Landnutzungssysteme bringen Gehölze, Ackerfrüchte und Tierhaltung zusammen.

In modernen Agroforstsystemen werden die Baumreihen üblicherweise parallel zueinander zwischen die Ackerkulturen oder Weideflächen gepflanzt. Der Abstand der Reihen ist so gestaltet, dass landwirtschaftliche Maschinen in den Reihen arbeiten können.

Ein Agroforstsystem generiert immer mindestens zwei verschiedene Produkte. Die Bäume oder Sträucher können als Wertholz, Energieholz oder zur Produktion von Früchten genutzt werden. Für silvoarable Agroforstsysteme gilt: Sind die Gehölzpflanzen gut auf die Ackerkulturen abgestimmt, geht mit der kombinierten Flächennutzung auch eine erhöhte Flächenproduktivität einher. Ausschlagegebend ist dabei, dass Wasser, Licht und Nährstoffe möglichst zeitlich unterschiedlich von den verschiedenen Pflanzen genutzt werden.

Agroforstsysteme bieten viele ökologische Vorteile

Agroforstsysteme können durch die Speicherung von Kohlenstoff in der ober- und unterirdischen Biomasse sowie durch den Aufbau von organischem Bodenkohlenstoff in Form von Humus einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das in Agroforstsystemen produzierte Holz kann zudem fossile Energieträger ersetzen und damit einen zusätzlichen Beitrag zur Verminderung von CO2-Emissionen leisten. Bei der Verwertung als Wertholz bindet das Holz den Kohlenstoff aus der Atmosphäre sogar langfristig.

Agroforstsysteme haben darüber hinaus viele weitere ökologische Vorteile:

  • Sie verringern den Abfluss von Wasser und minimieren so Nährstoffauswaschungen und schützen das Grundwasser.
  • Sie stabilisieren das Bodengefüge und befördern den Humusaufbau.
  • Sie machen Nährstoffe aus tieferen Schichten für die angrenzenden Ackerkulturen verfügbar.
  • Sie verbessern das Mikroklima und erhöhen die Wasserverfügbarkeit für die umliegenden Ackerkulturen.
  • Sie erhöhen die Biodiversität und schaffen Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen. So stehen auch mehr Nützlinge zur ökologischen Schädlingsbekämpfung auf dem Feld zur Verfügung.

Agroforstsysteme sind eine langjährige Landbauform. Das hat zwei wesentliche Konsequenzen: Zum einen zahlen sich die anfänglich zu leistenden Investitionen erst verhältnismäßig spät aus. Zum anderen legen die dauerhaft angelegten Kulturen einen Betrieb für viele Jahre auf dieses System fest. Dafür haben Betriebe mit Agroforstsystemen mehrere Produkte im Angebot, auf die sie in der Vermarktung setzen können. Diese Diversifizierung stellt auch eine Risikoabsicherung für den Betrieb dar.   

Biokreis-Betrieb in Luckau setzt auf Weiden und Pappeln

Aktuell gibt es in Deutschland keine rechtliche Definition und keine allgemeinen öffentlichen Fördermaßnahmen für Agroforstsysteme, weder im Bereich der investiven Förderung noch in der Flächenförderung. Dabei wären diese Systeme grundsätzlich in den GAP-relevanten EU-Verordnung verankert, könnten also grundsätzlich über die EU-Förderung geltend gemacht werden.

Bisher können Agroforstsysteme in Deutschland also nur über Umwege gefördert werden, zum Beispiel in Form von Streuobstwiesen mit Grünlandnutzung oder wenn die Gehölzstreifen als Niederwald mit Kurzumtrieb betrieben werden. In letzterem Fall werden die Gehölzbereiche als formal eigenständige Kurzumtriebsplantagen (KUP) betrachtet.

Von den Schwierigkeiten, finanzielle und organisatorische Unterstützung für ein Agroforstsystem zu bekommen, wissen Eckhardt und Elke Jung zu berichten. Der Biokreis-Betrieb in Luckau, Brandenburg, mästet Puten in Freilandhaltung und betreibt eine Schafzucht. Auf den Flächen, die sie vor fünf Jahren gekauft haben, waren bereits Baumreihen gepflanzt – ein Segen für die Puten, die hier Schutz vor Wind, Sonne und Beutegreifern finden. Deshalb möchte Familie Jung das Konzept ausbauen und Energieholz aus Pappeln und Weiden gewinnen.

„Es ist toll zu sehen, wie die Tiere die Bäume annehmen und dort bei schlechtem Wetter Schutz suchen“, erzählt Eckhart Jung. „Sie fühlen sich unter den Bäumen wohler. Und der Sonnenschutz ist gerade im Sommer sehr wichtig für die Puten.“ Rund 2.500 Bäume wollen Eckhardt und Elke Jung in den nächsten Jahren zusätzlich pflanzen. Für sie ist der Nutzen aus dem Zusammenspiel aus Bäumen und Tierhaltung klar ersichtlich.

„Wir sind auf der Suche nach einer geeigneten Fördermöglichkeit für unser Vorhaben, aber das ist nicht einfach. Von den Behörden wird das Zweinutzungskonzept, das wir verfolgen, nicht anerkannt“, erklärt Eckhart Jung. Trotz der Widerstände sehen sie sich Elke auf dem richtigen Weg. Sie sind sich bewusst, dass sie ein Stück weit Pionierarbeit für die Anerkennung von Agroforstsystemen in Deutschland leisten.