Klimawandel: Anpassungsstrategien auf Acker und Weide

Die Hirse-Sorte Sorghum kann Wasser lange speichern und übersteht so auch längere Dürrephasen. | Bild: pixabay

Jahre mit deutlich weniger oder verschobenen Niederschlägen sind zukünftig vermutlich eher die Regel als die Ausnahme. Witterungsänderungen lassen Standortunterschiede auf den Betriebsflächen augenfälliger werden; besonders die Wasserverfügbarkeit während der Vegetationszeit ist hier ein Faktor. Umso wichtiger ist es, unsere Sorten und Wirtschaftsweisen zu hinterfragen und über den Tellerrand zu schauen, um neue Wege für die Landwirtschaft zu erschließen.

Hirse als Maisersatz

Als Getreideart ist Hirse weltweit verbreitet. Ihre Formenvielfalt ist beträchtlich. Eine der vielen Hirse-Sorten ist Sorghum, ein Spelzgetreide aus der Savanne. Blätter und Stängel können Wasser lange speichern, deshalb übersteht Sorghum längere Dürren besser als herkömmliche Pflanzen. Interessant sind die Sorten Sorghum sudanese (Sudangras) und Sorghum bicolor (Körnerhirse). Beide eignen sich sehr gut zum Anbau an Maisstandorten mit wenig Jahresniederschlag. Die Körnerhirse kann gedroschen werden und taugt wie Körnermais gut zur Fütterung an Wiederkäuer und Schweine.

Sudangras ist besonders für Ganzpflanzensilage geeignet, da es einen sehr hohen Biomasseertrag erzielt. Für Carina Peters von der Semo Bio GmbH, die Sudangras-Saatgut vertreibt, sind neben der Trockenresistenz auch der anspruchslose Anbau, die geringe Schädlingsanfälligkeit und die Verschmähung durch Wildschweine gute Gründe, die Hirse-Sorte auf leichten Böden auszuprobieren.

Wer Sorghum anbauen möchte, muss allerdings einige Dinge beachten:
•    Sorghum eignet sich ideal für leicht erwärmbare Sandböden.
•    Gute Vorfrüchte sind Getreide oder Hackfrüchte.
•    Die Bodentemperatur muss bei der Aussaat mindestens zwölf Grad betragen.
•    In der Reihe sollte nicht zu dicht gesät werden.

Da die Jungendentwicklung von Sorghum sehr langsam vonstattengeht, droht im Jugendstadium Verunkrautung. In Österreich konnten Betriebe gute Erfahrungen mit einer Einzelsaat oder Drillsaat von Körnerhirse bei zwei bis vier Zentimetern Ablagetiefe und einer Aussaatstärke von zehn bis 15 Kilogramm je Hektar machen (Tausendkorngewicht von 23 bis 35 Gramm). Ein österreichischer Praxisversuch zur Körnerhirse aus dem Jahr 2017 zeigte, dass auch der Anbauzeitpunkt eine große Rolle spielt. Sorghum reagiert im Ertrag und der Abreife empfindlich, wenn sich nach dem Säen eine schlecht Wetterphase und/oder eine Abkühlung einstellt. Ist es aber zu trocken, kann es Probleme beim Aufgehen der Samen geben.

In Deutschland befinden sich die Standorte, die für Sorghum gut geeignet sind, südlich der Donau und im Westen oder Südwesten. In den nächsten Jahren und Jahrzenten kann sich die mögliche Anbaufläche aber noch ausweiten. Wer Sorghum nicht selbst verwenden möchte oder kann, sollte sich vor dem Anbau einen Abnehmer suchen und sich vertraglich absichern, denn die Absatz- und Preisentwicklung ist nur schwer einzuschätzen.


Auch bei Trockenheit gute Erträge zu ernten – das verspricht das Weidesystem “Mob Grazing“.


Weiden wie die Bisons

Auch bei Trockenheit gute Erträge zu ernten – das verspricht das Weidesystem „Mob Grazing“. Kanadische Ranger haben es sich von Bisons abgeschaut: Um Überweidung zu vermeiden, treiben die Ranger ihre Rinder auf lange Bestände und beweiden diese in kurzer Zeit intensiv ab. Zurück bleiben relativ lange Halme, die sich deutlich schneller erholen als kurze Bestände. Während die Wurzeln kurzer Gräser bei Wasserknappheit schrumpfen, um den Wasserverbrauch zu reduzieren, dringen die Wurzeln langer Gräser tiefer in die Erde und können so an Wasserreserven im Boden gelangen.

Erst, wenn sich der Bestand wieder vollkommen regeneriert hat, kann die Herde die Fläche erneut bestoßen. Je nach Grasart dauert das unterschiedlich lang. Tiefwurzler und Horstgräser erholen sich deutlich schneller als kurze Untergräser.  

Neben der besseren Wasserverfügbarkeit hat Mob Grazing in Trockenperioden weitere Vorteile:
•    Das übriggebliebene Gras schützt den Boden vor Erosion und Austrocknung.
•    Die zurückgebliebene Blattfläche kann mehr Photosynthese betreiben.

Um den „Trampeleffekt“ zu verstärken, sind lange und schmale Weideparzellen nötig. Mehr Futter kann man hingegen bei quadratischen Weideflächen bekommen.

Ein angenehmer Nebeneffekt des Mob Grazing: Die Kühe verbeißen durch den hohen Weidedruck auch unerwünschte Beikräuter. Der Arbeitsaufwand ist beim häufigen Parzellenwechsel jedoch hoch. Beispielsweise drei Mal pro Tag sollten die Tiere die Flächen wechseln. Ein automatischer Weidezaunöffner, bei dem die Öffnung durch eine Zeitschaltuhr gesteuert wird, kann eine Lösung sein. Ein andere Möglichkeit ist die Verwendung rollbarer Pfähle, bei denen nur ein Pfahl gerollt werden muss, um den ganzen Zaun zu versetzen.

„Mob Grazing“ eignet sich innerbetrieblich für einen trockenen Weidestandort zur Beweidung mit Jungvieh oder Trockenstehern mit geringeren Ansprüchen an den Nährstoffgehalt und die Verdaulichkeit des Aufwuchses.