Regionale Wertschöpfung stärken: Geflügel-Schlachthaus in Rot am See

Die Corona-Pandemie hat in aller Deutlichkeit gezeigt, wie wichtig es ist, regionale Versorgungsstrukturen und Lebensmittelhandwerker vor Ort zu stärken. Kurze Wege vom Erzeuger zum Verarbeiter und schließlich zum Verbraucher sorgen nicht nur für weniger Verkehrsströme und mehr Tierwohl, sondern auch für langfristige Versorgungssicherheit in der Region.

Biokreis-Mitglied Michael Mack hatte schon seit langem den Wunsch, seinen Puten den Weg zum Großschlachter zu ersparen. Auf dem Sternhof Weikersholz, den er als Betriebsführer leitet, werden gut 20.000 Tiere im Jahr aufgezogen und gemästet. Doch in der eigenen Hofschlachtung konnte bisher nur ein kleiner Teil der Tiere verarbeitet werden.

Da es keine regionalen Schlachthöfe gab, die eine Schlachtung vor Ort ermöglicht hätten, nahm die Familie Mack das Thema kurzerhand selbst in Angriff. Sie entschloss sich, im nahen Ortsteil Brettheim ein eigenes Geflügelschlachthaus zu bauen. Nach einem Jahr Bauzeit hat das neue Schlachthaus im Juni seinen Betrieb aufgenommen. Nun kann der Familienbetrieb einen weitaus größeren Teil seiner Puten selbst schlachten und vermarkten.

Das EU-zertifizierte Schlachthaus ist zur Verarbeitung von Puten, Masthähnchen und Legehennen zugelassen. Bis zu 3.000 Tiere in der Woche könnten hier einmal geschlachtet werden. Im Verhältnis zu Großbetrieben der Branche sind das verhältnismäßig kleine Zahlen, und das ist auch genau so gewollt. Denn für Michael Mack geht es darum, eine kleinstrukturierte Verarbeitung vor Ort zu ermöglichen und so die Wertschöpfung in die Region zu holen.

Auch andere Geflügelhalter können hier schlachten lassen

Zunächst hat die Familie Mack mit der Verarbeitung der eigenen Puten begonnen. Aber in Zukunft können auch Landwirte in der Region von dem Neubau profitieren, denn das Schlachthaus steht anderen Geflügelhaltern als Lohndienstleister offen. Vorrang hat die Verarbeitung von Bio-Tieren, aber auch konventionelle Halter können ihre Tiere hier schlachten lassen.

Den Bau zu verwirklichen war eine Herausforderung. Nun ist die Familie Mack stolz auf ihren Erfolg und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Sieben bis acht Mitarbeiter sollen einmal im Schlachthaus tätig sein, die neben Schlachtung und Zerlegung auch die Wurstküche betreiben. Die dort entstehenden Produkte möchte Familie Mack dann verstärkt im Lebensmitteleinzelhandel vor Ort vermarkten, insbesondere wünscht sich Michael Mack auch Abnehmer aus dem Naturkostfachhandel.

Von der Aufzucht der Puten bis zum fertigen Produkt liegt der Wertschöpfungsprozess für einen Großteil ihrer Tiere nun in den Händen der Familie Mack. „Das freut uns sehr, denn schließlich stecken wir viel Arbeit in die gute Haltung unserer Tiere. Da passt es einfach gut zusammen, wenn wir auch die Verarbeitung bei uns haben“, stellt Michael Mack zufrieden fest.

 

Michael Mack | Bild: Tobias Köhler