Wildenhainer Bio-Eier für die Region

v.l.n.r.: Sina Weißbach (Geflügelzucht), Mandy Meißner (Prokuristin), Matthias Böbel (Geschäftsführer)

Matthias Böbel leitet die Wildenhainer Agrar GmbH und die Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte e.G. in Wildenhain, Nordsachsen. Auf 850 Hektar werden hier Hühnerhaltung, Feldbau und Mutterkuhhaltung nach Biokreis-Richtlinien betrieben.


Herr Böbel, die Betriebe haben ihre Wurzeln in der DDR. Können Sie etwas zur Geschichte erzählen?  

Wir waren früher eine Agrar-Genossenschaft mit Schwerpunkt in der Geflügelhaltung; seit den 1950er-Jahren wurden hier Legehennen gehalten. Auch Mutterkühe gehörten schon immer zum Betrieb, aber die spielten früher betriebswirtschaftlich kaum eine Rolle. Ansonsten wurden typische Marktfrüchte angebaut.
2012 mussten wir den Betrieb neu aufstellen, weil Vertriebspartner wegbrachen, die bis dahin – auch über die Wendezeit hinweg – als Abnehmer erhalten geblieben waren. Wir haben uns seitdem komplett neu erfunden. Das hat viel Zeit, Geld und Nerven gekostet.

Wohin ging die Entwicklung?

Wir haben Freilandställe gebaut und einen Vermarktungsbetrieb geschaffen. In diesem Zusammenhang trat ein Lebensmittelhändler auf uns zu und fragte, ob wir auch Bio-Eier liefern könnten. Da haben wir ja gesagt. – Das war der Einstieg in den Ökolandbau.
Für die Bio-Eierproduktion haben wir damals die Erzeugergemeinschaft gegründet, deshalb bestehen bis heute zwei Betriebe. Die Agrar GmbH hat zunächst weiter konventionell gewirtschaftet. Aber wir waren sicher, dass Bio der richtige Weg ist. Nach einer Menge Überzeugungsarbeit und vielen Diskussionen unter den Mitarbeitern fiel schließlich die Entscheidung: Ja, wir stellen den gesamten Betrieb auf Bio um.

Warum sind Sie überzeugt von Bio?

Das war ein längerer Erkenntnisprozess. Aber ich habe gesehen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Dazu kamen positive Erfahrungen durch den ersten Bio-Hühnerstall: Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere waren im Bio-Stall viel besser. Auch wirtschaftliche Überlegungen spielten eine Rolle: Wir sind nur 40 Kilometer von Leipzig entfernt, einer prosperierenden Stadt. Dort gibt es viele Menschen, die Wert auf die Qualität ihrer Lebensmittel legen. Wir können ihnen Bio-Lebensmittel aus der Region liefern, und das aus einer Landwirtschaft mit geschlossenem Stoffkreislauf. Das waren wichtige Argumente, um Naturkostläden vor Ort als Abnehmer zu gewinnen. Heute liefern wir 60 Prozent unserer Eier an Naturkostläden und zu andere Biomärkte.

Wie wollen Sie den Ackerbau im Betrieb entwickeln?

Mit der Umstellung auf Bio gewann die Pflanzenproduktion eine neue Funktion. Wir produzieren Getreide für unsere Legehennen und Grünfutter, Heu, Silagen und Stroh für unsere Rinder. Auf den anderen Flächen tasten wir uns an Sonderkulturen ran. Dieses Jahr haben wir Leindotter, Nackthafer, Lein und Lupinen angebaut. Wir denken auch über eine eigene Ölmühle nach. Aber das ist bis jetzt noch eine Idee für die Zukunft.

Gibt es weitere Pläne?

Langfristig wollen wir eine eigene Fleischvermarktung für unsere Rinder aufbauen. Wir haben 120 Mutterkühe plus Nachzucht, insgesamt etwa 350 Tiere. Die Absetzer verkaufen wir nicht, sondern mästen alle Tiere selbst. Aber die Vermarktung kriegen wir noch nicht allein hin, das ist ein Projekt für die Zukunft.
Im nächsten Jahr nehmen wir aber erstmal an einem Forschungsprojekt zu Zweinutzungshühnern teil. Wir werden 100 Sachsenhühner halten, ein regionales Zweinutzungshuhn, das stark vom Aussterben bedroht ist. Das ist dann ein bisschen Landwirtschaft wie vor hundert Jahren, aber zugleich ein möglicher Weg für die Zukunft.


Vielen Dank für das Gespräch, Herr Böbel!