Von der Unabhängigkeit durch Direktvermarktung

Fährt man durch die Kleinstadt Freudenberg in NRW über die Bühler Straße Richtung Alchen, dann kommt man direkt am Hofladen der Familie Ohrndorf vorbei. Aber der Laden ist nicht nur verkehrsgünstig gelegen, er zieht auch unwillkürlich die Blicke der Vorbeifahrenden auf sich. 

 

„Ja, die Leute sind begeistert davon“, erzählt Frank Ohrndorf voller Stolz  ̶  er führt den Biohof Ohrndorf gemeinsam mit seiner Frau Elke und mit Unterstützung seiner Kinder Anna und Manuel. Dass der Hofladen Aufmerksamkeit erregt, das liegt an dem mutigen Baukonzept, das Frank Ohrndorf selbst erdacht und in großen Teilen auch selbst umgesetzt hat. Denn was heute ein Hofladen ist, das waren früher zwei Silos. „Als ich verkündet habe, dass ich daraus einen Hofladen bauen will, haben alle gesagt, ich sei verrückt“, erzählt Frank Ohrndorf lächelnd. „Der Dachdecker meinte: Reißt die Silos ab, ich bau euch da ein Fachwerkhaus dahin“, ergänzt Anna. 

 

Gut, dass die Ohrndorfs an ihrer Entscheidung für den ungewöhnlichen Hofladen festhielten, denn der ist ein echter Hingucker, selbst der Dachdecker ist mittlerweile begeistert von dem Bau. Die ehemaligen Silos sind über ein Dach verbunden und außen komplett mit Holzleisten verkleidet. Die Umsetzung dauerte etwa zwei Jahre und Frank Ohrndorf weiß von der Arbeit, die damit verbunden war, vieles zu erzählen. Man merkt seinen Ausführungen an, dass er den Hofladen im Detail durchdacht und geplant hat. 

 

Der Einsatz hat sich gelohnt, nicht nur wegen des neuen Blickfangs am Hof. Der eigene Hofladen war auch ein wichtiger Schritt, um die Direktvermarktung am Hof weiterzuentwickeln. Bis sie den Laden vor gut einem Jahr eröffneten, verkaufte die Familie Ohrndorf die eigenen Produkte noch über die Haustür. Heute ist der Laden jeden Tag ab halb neun für die Kundschaft geöffnet, auch an Wochenenden. Hier gibt es Eier, Kartoffeln und Nudeln vom Biohof Ohrndorf, dazu Wurst und Milchprodukte von anderen Bio-Höfen aus der nahen Umgebung. Bezahlt wird per Vertrauenskasse. Über bereitgelegte Listen kann zudem Rindfleisch und Hähnchen bei den Ohrndorfs vorbestellt werden. 

 

Seit die Leute im Hofladen selbst Kartoffeln mitnehmen können, kaufen sie davon noch einmal mehr. „Das Kartoffel-Regal haben wir heute schon viermal vollgestellt“, erzählt Frank stolz. Dass auch sämtliche Regale im Laden selbst gebaut sind, versteht sich eigentlich von selbst.

 

Mit 600 Legehennen ging es los

Vor mehr als 20 Jahren begannen Elke und Frank Ohrndorf, eine eigene Landwirtschaft aufzubauen. Sie kauften einen kleinen Hof, hielten Legehennen und eine kleine Mutterkuhherde. Wenige Jahre später ergab sich jedoch die Möglichkeit, den Hof von Elke Ohrndorfs Schwägerin zu übernehmen. Es folgten fünf arbeitsintensive Jahre, in denen sie den Kleinbetrieb zuhause und die von der Schwägerin übernommene Außenwirtschaft mit Milchviehhaltung parallel führten. 

 

Seit 2007 sind die Ohrndorfs am neuen Standort zuhause. Seitdem hat sich vieles am Hof verändert. Der erste Schritt zum Umbau in einen vielseitigen Direktvermarkterhof war der Stallneubau für Legehennen: Los ging es mit 600 Hühnern. In dieser Zeit stellte Familie Ohrndorf auch auf Ökolandbau um. „Wir haben eigentlich gentechnikfreies Hühnerfutter gesucht“, erinnert sich Elke Ohrndorf. „Aber dann haben wir uns schnell gesagt: Wir sind konsequent und stellen ganz auf Bio um.“ 

 

Damals hatten sie den einzigen Hof in der Umgebung, der Bio-Eier zu bieten hatte. Und die Nachfrage war hoch. So folgte 2010 zügig der nächste Stallbau, in diesem Fall ein Mobilstall. Heute hält der Betrieb etwa 1.000 Legehennen – und verkauft deren Eier nach wie vor komplett direkt. 

 

Ein Schlachthaus für Hühner ergänzte die Möglichkeiten um die Vermarktung von Suppenhühnern. „Und um das Schlachthaus besser auszunutzen, haben wir noch einen Hähnchenstall gebaut“, erzählt Frank. Mittlerweile schlachtet und vermarktet die Familie um die 750 Tiere einer langsam wachsenden Mastgeflügelrasse im Jahr. 

 

Die Ohrndorfs haben noch ein anderes Hobby: Sie restaurieren alte Trecker. Die werden komplett zerlegt und neu aufgebaut. Kein Trecker auf dem Hof ist jünger als 30 Jahre. „Ich brauch die Riesenmaschinen von heute nicht“, sagt Frank.

Vielseitigkeit und Unabhängigkeit gehen Hand in Hand

Die Legehennen und Masthähnchen sind Grundlage für den Erfolg der Ohrndorfs, aber der Hof ist vielfältiger aufgestellt. Gut 20 Mutterkühe mit Nachzucht stehen auf den nahe am Hof gelegenen Weideflächen. Das Fleisch der weiblichen Rinder wird seit einiger Zeit paketweise über den Hofladen verkauft. Lange schon wollten die Ohrndorfs diesen Schritt gehen, nur fehlte der geeignete Schlachthof. Inzwischen haben sie einen Bio-Schlachthof in Bad Berleburg gefunden, knappe 50 Kilometer entfernt. 

 

Auch die Mutterkühe und die männlichen Tiere wollen sie nach und nach selbst über den Hofladen vermarkten, ohne eine*n Viehhändler*in zu beauftragen. „Alles andere bringt nichts“, meint Frank Ohrndorf. Die eigene Vermarktung erhöht die Gewinnspanne erheblich. Doch noch wichtiger als der Gewinn ist Frank die Unabhängigkeit, die mit der Direktvermarktung einhergeht: „Wir wollen von niemandem abhängig sein. Deswegen machen wir so viel wie möglich selbst.“ 

 

Dazu gehört auch, dass die eigenen Ackererzeugnisse komplett in die Ernährung der Tiere gehen, nichts davon wird verkauft. Aber vor allem die Vermarktung über den eigenen Hofladen gibt der Familie Ohrndorf die Sicherheit, sich von den Preis- und Verhandlungsstrategien der großen Lebensmittelhandelsunternehmenhändler abkoppeln zu können. 

 

Absatzprobleme kennen die Ohrndorfs dabei nicht. „Wir hatten immer zu wenig“, erzählt Anna, die Landwirtschaft lernt und den Hof einmal übernehmen will. Dass sich der Hof blendend entwickelt, lässt sich auch an einem jährlichen Ereignis ausmachen: Im Advent entsteht am Biohof Ohrndorf für einen Tag ein selbst organisierter Weihnachtsmarkt, bei dem Würstchen und Gebäck, Glühwein und Kaffee verkauft werden. Der Erlös des Tages wird jedes Jahr an gemeinnützige Vereine oder Projekte in der Region gespendet. Vor zehn Jahren kamen dabei 300 Euro Spenden zusammen. Letztes Jahr, berichtet Anna stolz, waren es 2.200 Euro.