Werben per E-Mail

Der gute Kontakt zu den Kund*innen ist Gold wert. Das gilt immer – und zu Corona-Zeiten ganz besonders. Weil die Welt digitaler wird, sind auch gute Mailing-Assistenten eine echte Hilfe für direktvermarktende Betriebe.

 

Eine Basisregel gilt seit Jahrzenten: Wer die richtigen und qualifizierten Adressen hat, kann sein Marketing per Brief oder E-Mail wesentlich optimieren. Richtige Anschriften, das heißt: möglichst komplett – und vor allen Dingen die Anschriften derer, die sich wirklich für den Hof und seine Produkte interessieren. Klar gibt es Adresshändler, doch die Anschriften haben für uns Direktvermarkter*innen nur wenig Wert: zu hohe Streuverluste und oft ziemlich lieblos zusammengestückelt.


Bevor es also daran geht, die potenzielle Kundschaft direkt zu kontaktieren, gilt es, Anschriften zu sammeln. Menschen, die auf dem Hof waren, die den Tag der offenen Tür besucht haben, die vielleicht schon mal Produkte gekauft haben… Anlässe fürs Sammeln gibt es genug. Es braucht aber auch die Traute und die Konsequenz, diese Anschriften auf liebevolle Weise zusammenzutragen. Heutzutage gilt: E-Mail-Anschriften sind besonders wichtig. Denn die Briefwerbung ist viel zu teuer, die telefonische Ansprache kostet Zeit. Per Telefon erreicht man zwar, wenn die Anzahl der anzusprechenden Kund*innen nicht so groß ist, die Menschen direkt, aber hängt auch ausgiebig am Hörer. Für viele in der Kundschaft ist der Umgang mit E-Mails schon lange Alltagsgeschäft. Da werden auch elektronische Briefe aus der Landwirtschaft gelesen.

Fallstrick Technik

Wir haben angefangen, wie es wahrscheinlich viele tun: Einfach im eigenen E-Mail-Programm einen neuen Verteiler anlegen und dann ab mit den E-Mails. Das klappte auch eine Zeitlang ganz ordentlich, doch irgendwann funktionierte es dann doch nicht mehr, weil...
... einerseits die gesetzlichen Vorschriften strenger geworden sind: Heutzutage muss bei jedem Newsletter die Möglichkeit der Abbestellung automatisiert sein. Das hat man so „handgestrickt“ üblicherweise nicht und arbeitet damit schon mal im etwas nicht erlaubten Bereich.
... sich zudem ab einer gewissen Menge E-Mails der Server-Betreiber beschwert. Wer zu viele Massen-E-Mails schickt, der landet flott auf den Blacklists, den schwarzen Listen der anderen Server. Die befürchten Spam-Mails und sagen dann ganz automatisiert, dass E-Mails vom Server, von dem Ihr schickt, grundsätzlich gefährlich sein können. Sie nehmen in der Folge von dort keine Post mehr an. Weil dies dann auch den Betrieb anderer Nutzer*innen wesentlich stören kann, macht der Server-Betreiber gerne Ärger und vor allen Dingen Druck: So geht es nicht, lieber Direktvermarkter*innen, heißt es dann.

Die Lösung: Newsletter-Tools

Der Ausweg: Man nutzt spezielle Programme für die Versendung von Newslettern. Diese Newsletter-Tools gibt es durchaus mannigfach. Einige kosten 50 Euro im Monat, was sich für uns Direktvermarktende sicherlich kaum lohnt. Es gibt aber auch die Einstiegsversion für rund 20 Euro monatlich. Die meisten von ihnen sind auf Englisch, was für Menschen, die gerade am Anfang öfter mal einen Ratschlag benötigen, auch nicht so ideal ist.

 

Unsere Kriterien waren klar:
•    überschaubare Kosten
•    deutschsprachig
•    Unterstützung gern auch per Telefon, nicht nur per Mail
•    wenn überhaupt, ein großzügiges Limit, denn die Zahl der Anschriften steigt doch recht flott
•    hohe Datensicherheit (auch wenn es „nur“ um Landwirtschaft geht, muss ja nicht jede*r mitlesen…)


Tipps gibt es bestimmt von jedem halbwegs aktiven Provider, der einem auch die eigene Homepage betreut. Denn sie kennen die großen Anbieter: Mailchimp als größter Anbieter aus den USA, Mailify mit Sitz in Frankreich, Klick-Tipp aus Großbritannien. (Im Test steht dazu: langsamer Support – das hilft uns Bauern und Bäuerinnen dann auch nichts.)

 

Fazit für uns: Einen Anbieter finden, der mit uns sozusagen auf Augenhöhe arbeitet, kein Gigant, sondern eher ein nettes Unternehmen, das unsere Sprache spricht und auch mit digital engagierten Bauern und Bäuerinnen so redet, dass ein Verstehen möglich ist.

 

Lange Suche, kurzes Ergebnis: Gelandet sind wir letztlich am Niederrhein. In Mönchengladbach hat „mailflatrate“ seinen Sitz, der Server steht in Deutschland (Datensicherheit), der Service ist schnell, gut und engagiert – und das alles konnten wir in Ruhe einen Monat lang kostenlos ausprobieren. Gefunden hatten wir bei einer wirklich langwierigen Recherche noch den ein oder anderen Anbieter, der unseren Standards entsprach – beispielsweise „rapidmail“ und „clever elements“. Irgendwann entscheiden dann Preis, Service und Gefühl.

Wissen über das andere Ende

Heute sind wir froh, viel Zeit in den Newsletter investiert zu haben. Mittlerweile ist unser Verteiler rund 1.000 Anschriften stark, da flögen wir fast aus jedem Server heraus. Das Gute am Newsletter-Programm: Wir erfahren viel mehr über unsere Zielgruppe. Zum Beispiel wissen wir, dass gerade mal rund ein Drittel unserer Kundschaft die E-Mails am stationären Rechner öffnet. Laptops und Smartphones sind weit in der Überzahl – ein wichtiger Hinweis auch für die Homepage-Gestaltung.

 

Zudem liefert das Hilfsmittel einige wichtige Informationen, zum Beispiel Statistiken über die Zahl der geöffneten E-Mails und die angeklickten Links, denn wir verlinken Bestellformulare und Anmeldebögen. So öffnen je nach Thema zwischen 25 und 50 Prozent der Angeschriebenen die Newsletter (bei Suppenhuhn-Angeboten sind es nicht so viele), was schon ein guter Wert ist.

 

Schaut man sich Studien zu den Öffnungsraten an, dann liegen die im Bereich Hobby, Kunst und Kultur bei über 25 Prozent. Das sind die echten Spitzenwerte. Themen wie Schönheit und Körperpflege kommen nur auf magere 17 Prozent, andere Vermarktungs-Newsletter nur auf knapp 16,5 Prozent. Die Klickrate liegt bei allen Statistiken unter fünf Prozent – bei uns bei weit über 20 Prozent. Hier gilt dann die Grundregel von oben: Qualifizierte, gute Anschriften sind die Basis für den erfolgreichen Newsletter-Einsatz.


Erfreulich auch: Bei jedem Newsletter-Versand erfährt man als direktvermarktender Betrieb, welche Anschriften nicht funktionieren und auch, wer sich vom Newsletter abgemeldet hat. Dieses Abmelden kann auch aus Versehen erfolgen. Je kleiner der Bildschirm und je dicker die Finger, desto wahrscheinlicher. Aber bei guten Kund*innen, die man ja an der E-Mail-Anschrift erkennt, lohnt sich das Nachhaken. So erreichte uns dann die Antwort: „Da ist mir ein Versehen passiert – nehmt mich wieder rein.“ Aber gerne doch.

 

Von Peter Schmidt