Bestplatz für Bienen

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Ein wertvoller Standort – für eine*n Bio-Imker*in ist er das A und O. Ist das Gebiet, in dem die Bienen unterwegs sind, frei von Pestiziden und schädlichen Düngern? Und finden meine Bienen hier auch genug? Diese Fragen stellen sich bei der Auswahl eines Standorts für die ökologische Imkerei. Als Biokreis-Imker Werner Bader vor vier Jahren von Landwirt Ulrich Resele das Angebot bekam, seine Völker auf seiner Christbaumplantage zu beheimaten, fragte er daher auch sehr genau nach. „Eine herkömmliche Christbaumplantage wäre völlig ungeeignet“, erklärt Werner Bader, „die Bäume stehen in Reih und Glied wie Soldaten und werden intensiv gespritzt und gedüngt.“ Nicht so allerdings auf biologischen Christbaumplantagen. Hier stehen die Bäume in lockeren Reihen von 1,40 Metern Abstand, dazwischen sind Blühstreifen und Untersaaten angelegt: Die Bienen bleiben so gesund und finden genügend Nahrung.


„Bienen und Bäume gehören zusammen“, meint Werner Bader und betont die Win-Win-Situation von Imker*in und Landwirt*in. Zehn seiner Völker hat er am Rand der Plantage an einer halb offenen Waldlichtung stehen, ein anderer Imker hat noch weitere acht Völker in der Plantage. Zu viele dürfen es nicht sein, denn es soll keine Konkurrenz zu den Wildbienen und anderen Insekten entstehen, die hier unterwegs sind. Seinen Bienen geht es gut und die Ergebnisse stimmen. An diesem Standort gibt es kaum Völkerverluste bei der Auswinterung, die jährlichen Erntemengen an Honig liegen über dem Durchschnitt anderer Standorte. In den Streifen zwischen den Baumreihen finden sie die Blüten verschiedenster Kulturen. Vor allem der Weißklee bringt ein Blütenmeer und dementsprechend viel Honig ein.

Guter Boden durch gute Bestäubung

Bioland-Bauer Ulrich Resele verteilt auf seiner 10,3 Hektar großen Plantage, auf der bis zu 3800 Christbäume wachsen, verschiedenste Mischungen aus Klee, Gräsern und Leguminosen. 25 Shropshire-Schafe durchstreifen als Landschaftspfleger die Reihen. Durch die Bestäubungsleistung der Bienen wird ein guter Samenstand erreicht, der wiederum für eine optimale Mineralisierung des Bodens sorgt. Die Hauptkultur wird somit bestens gefördert, die Rohproteine werden in der Pflanze verfügbar gemacht. „Auf diese Weise bringen wir auch die schöne grüne Farbe in die Christbäume“, erklärt Ulrich Resele, der über Pferdemist hinaus kaum noch auf teuren organischen Dünger wie Zuckermelasse zurückgreifen muss. Sechs Mal pro Jahr wird gemulcht und unter die Bäume gehäufelt.


Und er profitiert noch auf andere Weise von den Bienen: Bienen und Insekten nehmen den Honigtau, ein von Läusen ausgeschiedenes Zuckersekret, von den Ästen und Nadeln auf und entziehen damit dem Rußtaupilz seine Lebensgrundlage. Könnte sich dieser Pilz von der energiereichen Substanz ernähren, würde er sich auf den Pflanzen ausbreiten und die Photosynthese behindern.

Christbäume und Christbaumhonig

Die Zusammenarbeit von Werner Bader und Ulrich Resele hat sich bewährt. Immer wieder begegnen sich die beiden auf ihren Wegen durch die Plantage – „auf Augenhöhe“, wie Werner Bader betont. Er möchte andere dazu ermutigen, ähnliche Kooperationen einzugehen, dabei als Imker*in aber nicht die Rolle des „kleinen Helfers“ einzunehmen. Die Bestäubungsleistung sei immens, als Ausgleich sollten Bauern und Bäuerinnen auch einen offenen Dialog führen und zu diesem stehen. Das heißt, dass alles, was im Flugradius der Bienen geschieht, ehrlich auf den Tisch gelegt wird. Kurz: Die Beziehung sollte vertrauensvoll sein. Leider habe er es in der Vergangenheit auch schon anders erlebt. Doch diese Kooperation ist gewinnbringend für beide Seiten und reicht sogar noch weiter. In der Adventszeit wollen der Landwirt und der Imker ihre Erzeugnisse zusammen verkaufen: Bio-Christbäume und Christbaumhonig.