Bio-Zucker für die Bienen

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Eine Zuckergabe darf in der Bio-Imkerei ausschließlich zur Überwinterung der Bienen dienen.

Je nach Art und Weise des Imkerns: Die Verwendung von Zucker ist für fast alle Imkereien in Mitteleuropa grundlegend für die Honigproduktion. Es ist sogar so, dass die Beschaffung meist die größte logistische und finanzielle Herausforderung darstellt. Als Richtschnur, gerade für kleinere Imkereien, gilt ökonomisch gesehen „der Gewinn“ − die Differenz zwischen Honig- und Zuckerpreis. Daran lässt sich gut erkennen, wie bedeutsam das Thema Zucker ist. Historisch gesehen hat der „billige“ Zucker Imkerei im heutigen Maß erst möglich gemacht. Neben der finanziellen Seite gibt es allerdings noch eine ganze Reihe von weiteren wichtigen Aspekten, die hier kurz beleuchtet werden sollen. 

 

Zufüttern ist unabdingbar

Warum brauchen und verwenden wir in der Bienenhaltung überhaupt Zucker? Wenn der Honig bei den Bienen verbliebe, würde man sich ersparen, ihn mit Zucker zu ersetzen. Natürlich ist diese Frage berechtigt, ist es doch so, dass Honig gerade im Winter das ursprüngliche Futter eines Volkes ist und im Normalfall wesentlicher Aspekt der Bienengesundheit. Auch wir Honigverbraucher*innen schätzen den Unterschied zum raffinierten Zucker, der sich nicht nur durch den Geschmack definiert, sondern durch entzündungshemmende Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und andere bioaktive Stoffe, somit also durch gesundheitliche Aspekte. Andererseits ist die Honigentnahme eine entscheidende Grundmotivation des Imkerns − in der Neben- und Vollerwerbsimkerei meist die einzige ökonomische Säule. Hierbei werden oft Mittelwege gegangen. Der Verbleib von Honig in den Völkern als Bestandteil des Wintervorrats ist gerade in Bio-Imkereien Teil des Konzeptes. Gleichwohl sind die Trachtsituation im Sommer und Herbst sowie der allgemeine gesundheitliche Zustand der Völker in Deutschland inzwischen meist so, dass ein Zufüttern gerade in der Standortimkerei unabdingbar ist, ja insbesondere Jung-Völker schlichtweg verhungern würden. Dies kann im ungünstigen Fall sogar so weit führen, dass selbst bei keiner Honigentnahme eine Zuckerzuführung geboten ist.

 

Der eingesetzte Zucker ist vielfältiger Natur. In kleinen Imkereien wird Zucker in kristalliner Form mit Wasser angerührt, teils milchsauer vergoren und anderweitig mit Salz, Blütenextrakten und Honig aufgewertet, sodass ein Sirup entsteht. Hierzu wird Rübenzucker oder Rohrzucker verwendet. Daneben gibt es fertige Sirup-Mischungen, teils auch auf der Grundlage von Getreide wie Mais, Reis oder Weizen. Überdies wird auch Futterteig auf der gleichen Basis angeboten.

 

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Tonnenweise Zucker

Als Faustregel kann man von etwa gut 20 Kilogramm Zufütterung pro Volk ausgehen, manchmal kann diese Menge stark nach unten schwanken, öfter jedoch liegt sie auch über diesem Schnitt und selten deutlich darüber. Damit kommen in einer Imkerei enorme Mengen an benötigtem Zucker zusammen, die ab der sogenannten Hobby-Grenze von 30 Völkern schon im Tonnenbereich zu messen sind. Die Beschaffung von Zucker ist also ein wesentlicher Kostenfaktor, genauso sind die weit über hunderttausend Imkereien in Deutschland nicht zu unterschätzende Player am Zuckermarkt.

 

Die Bienen nehmen den Sirup in sogenannten Futterzargen oder -taschen im Inneren der Bienenbehausung, der Beute, auf. Es wird damit eine natürliche Trachtsituation simuliert. Sie verarbeiten und lagern ihn somit entsprechend ein, adäquat passiert dies mit Futterteig.

 

Bio-Imkereien sind verpflichtet, Zucker aus ökologischem Anbau zu verwenden, der preislich oft bei Faktor zwei bis drei liegt. Im Biokreis fordern wir zudem eine Beimischung von eigenem Honig sowie bei Rübenzucker die Verwendung von Biokreis-Zucker. Die Zuckerrüben von unseren vornehmlich bayerischen Landwirt*innen werden in die Zuckerfabrik im angrenzenden Frauenfeld in der Schweiz gebracht, dort raffiniert und als Biokreis-Zucker in Deutschland vermarktet. Ein allein nach den EU-Öko-Richtlinien produzierter Rübenzucker hat diese transparenten und kurzen Wege in der Regel nicht, ist er doch mit allen Folgen in der EU stark reguliert und monopolisiert. Der eingesetzte Roh-rohrzucker sollte als Übersee-Produkt eine Fairtrade-Zertifizierung haben. Argumente für diese Zuckerart, insbesondere aufgrund seiner Inhaltsstoffe, gibt es genauso. In der bio-dynamischen Imkerei gelangt man hier noch zu einer umfassenderen Betrachtungsweise, die dazu führt, das Zuckerrohr der „Erdpflanze“ Rübe als Bienennahrung vorzuziehen.

 

Grundsätzlich gilt jedoch, dass eine Zuckergabe im Bio-Bereich ausschließlich zur Überwinterung der Bienen dienen darf und somit eine Vermischung mit dem geernteten Honig nicht stattfinden kann. Ein Auskristallisieren, fälschlicherweise oft Verzuckerung des Honigs genannt, ist kein Indiz für ein unfachliches Imkern in diesem Punkt. Ganz im Gegenteil stellt dies einen natürlichen Vorgang dar, der mal früher, mal später einsetzt und durch vorsichtiges Erwärmen auch wieder rückgängig zu machen ist.

 

Der Autor Marc Schüller ist Imkerei-Berater im Biokreis.