Nachhaltiger Zwischenfruchtanbau

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Die Ernte steht zwar gerade erst vor der Tür, aber danach werden schon bald auf immer mehr Äckern Zwischenfrüchte angebaut − teilweise freiwillig, teilweise aber auch auferlegt, zum Beispiel durch die Düngeverordnung. Aber wie soll die Zwischenfrucht angebaut und was überhaupt ausgesät werden? Auch hier kommt es auf die Nachhaltigkeit an − und zwar auf die ökologische als auch die ökonomische.

 

Erste Überlegungen: Was möchte man mit der Zwischenfrucht erreichen? Bestehen hohe Nährstoffüberschüsse? Ist der Schlag erosionsgefährdet? Brauche ich Futter für meinen Betrieb? Was soll als Folgekultur auf dem Schlag stehen? Sollen die Nährstoffe eher früh im Jahr oder eher spät zur Verfügung stehen? Sind diese Fragen geklärt, wählt man die Zwischenfrucht beziehungsweise die Mischung aus. Eine Mischung sollte nicht aus zu vielen Einzelkomponenten bestehen. Aus sehr artenreichen Mischungen entwickeln sich oft keine gleichmäßigen Bestände oder einige Mischungspartner gehen einfach unter, weil sehr konkurrenzstarke Komponenten dabei sind. Ich bevorzuge Mischungen mit drei bis fünf Arten. Oft ist es sinnvoll sich die Einzelkomponenten zu beschaffen und selbst zu mischen. Es ist auch eine Überlegung wert, die ein oder andere Komponente selbst zu vermehren. 

Lebensraum für Tiere

Zwischenfrüchte machen Sonnenenergie nutzbar und speichern sie im ersten Schritt in Form von Zucker. Ein Teil dieses Zuckers wird über die Wurzel wieder ausgeschieden und dient somit den Bodenlebewesen als Nahrung. Dies geschieht aber nur in der vegetativen Phase der Pflanzen intensiv. Sobald die Pflanze in Richtung Blüte geht, also in die generative Phase, geht diese Leistung zurück. Zwischenfrüchte dienen auch vielen verschiedenen Lebewesen, von Insekten bis zum Wild, als Lebensraum in einer Zeit, in der die Kulturlandschaft ansonsten weitestgehend abgeräumt ist, weil viele Kulturen schon geerntet sind. Am sinnvollsten ist, wenn in einem Gebiet oder auf einem Betrieb verschiedene Mischungen aus jeweils ein paar Mischungspartnern angebaut werden. Dann können auf jedem Acker Zwischenfrüchte stehen, die aus pflanzenbaulicher Sicht sinnvoll sind. Trotzdem hat man in diesem Gebiet dann viele verschiedene Arten, die verschiedensten Insekten als Lebensraum dienlich sein können. Durch verschiedene Aussaat-Zeitpunkte wird dieser Effekt natürlich noch verstärkt. 

Bodenstruktur erhalten

Noch wichtiger ist eine vernünftige Art der Aussaat einer Zwischenfrucht. Hier sollten auf keinen Fall Kompromisse gemacht werden. Es sollte nur gesät werden, wenn man in das vorhandene Saatbett beziehungsweise mit der Technik auch eine Hauptfrucht aussäen würde. Eine Zwischenfrucht, die nur ausgestreut wird, ergibt nie einen Bestand, der es verdient hat, als Zwischenfrucht betitelt zu werden. Außerdem sollte der Sommer genutzt werden, um eine gute Bodenstruktur herzustellen und Wurzelunkräuter zu bekämpfen. Die Bodenstruktur muss dann mit einer guten Zwischenfrucht über den Winter gebracht werden. So kann im Frühjahr die Bodenbearbeitung, je nach geplanter Kultur, extensiver erfolgen und eventuell Wasser gespart werden. Dieses Wassersparen sollte im Sommer vor der Zwischenfruchtaussaat nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Hier ist die Schaffung einer guten Bodenstruktur, die auch eventuelle Starkniederschläge gut aufnehmen kann, viel wichtiger. Auf weniger bearbeiteten Böden fließt so ein Niederschlag oft oberflächlich ab. Je später die Zwischenfrucht im Frühjahr umgebrochen wird, desto länger bietet sie Lebensraum für Insekten und andere Wildtiere. Außerdem besteht bei einer späteren Bearbeitung in der Regel weniger die Gefahr von Schäden in der Bodenstruktur durch eine Bearbeitung bei zu nassen Bedingungen.  

Freisetzung von Nährstoffen

Je verholzter eine Zwischenfrucht ist, desto weiter ist das C/N-Verhältnis und desto länger dauert die Umsetzung im Boden. Demensprechend sind die Nährstoffe später verfügbar. Das kann man durch die Auswahl der Arten, aber auch durch die Saatstärke und den Saatzeitpunkt beeinflussen. Wenn das C/N-Verhältnis sehr nahe an dem der organischen Substanz im Boden ist, dann bleibt am meisten der organischen Substanz erhalten. Bei weiteren C/N-Verhältnissen wird wieder Kohlenstoff veratmet bis das Verhältnis der beiden Elemente zueinander passt. Bei einem engeren Verhältnis sind Verluste von Stickstoff durch Ausgasung und Auswaschung wahrscheinlich. Dies spielt aber bei Zwischenfrüchten meist keine Rolle.

 

Konkret: Schnellwüchsige Zwischenfruchtarten für den kurzen Zwischenfruchtanbau, auf den wieder eine Winterung folgen soll, sind zum Beispiel Buchweizen und Ramtilkraut. Diese Arten sind für überwinternde Zwischenfrüchte eher ungeeignet, weil sie zu früh abfrieren und somit die Nährstoffe schon sehr bald wieder freigesetzt werden können. Außerdem können diese Zwischenfrüchte noch vor dem Winter Samen bilden. Das kann dann dazu führen, dass in der Folgekultur diese Arten sehr stark auftreten. 

 

Andere abfrierende Zwischenfrüchte eignen sich insbesondere vor Kulturen, die bald im Jahr gesät werden sollen, wie zum Beispiel Sommergetreide. Hier können Arten wie Ölrettich, Phacelia, Sommerwicken, Erbsen und abfrierende Kleearten (Perserklee, Alexandrinerklee) gewählt werden. Bei einem Anbau von Rüben, Kartoffeln oder Leguminosen können auch Gräser wie Hafer als abfrierende Zwischenfrucht stehen. 

 

Überwinternde Zwischenfrüchte, wie zum Beispiel Roggen, Weidelgras, Winterwicken und Weißklee eignen sich insbesondere vor Mais. Aufgrund der späten Aussaat wird die Zeit im Frühjahr noch genutzt, um Photosynthese zu betreiben und somit die Sonnenenergie im Ackerbausystem genutzt. Hier wäre auch im Frühjahr eine Futternutzung möglich. Alternativ kann so ein Bestand auch gegen Ende April gemulcht und flach eingearbeitet werden. Hier ist aber eine flächige Bearbeitung sehr wichtig, um den Wiederaustrieb zu verhindern. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Fräse oder ein flächig arbeitender Grubber. Wintergetreide vor frühen Sommerungen als Zwischenfrucht kann auch ein Kompromiss sein, wenn im Sommer aus verschiedenen Gründen keine Zwischenfrucht gesät werden konnte. Dann ist ein früher Umbruch gegen Ende des Winters nötig. Aber auch hier sollte keinesfalls eine Bearbeitung unter zu nassen Bedingungen erfolgen. Natürlich können auch Mischungen aus abfrierenden und winterharten Arten gemacht werden.

 

Der Autor Tristan Billmann ist Bio-Bauer und hat in der Forschung zum Thema „Zwischenfrüchte“ gearbeitet.