“Gemeinsam essen ist essenziell”

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Aus der Motivation, ihre eigenen zwei Kinder auch im Hort gut zu ernähren, kündigte die Wirtschaftsingenieurin aus Bensheim damals ihren Job und fing an zu kochen. Dürften alle Kinder ihre Schulen und Kindergärten besuchen, würde die Ernährungsberaterin derzeit 800 Kinder täglich mit gesunder Vollwertküche versorgen.

 

Frau Metz, ist bei Ihnen gerade tote Hose?

Ja, leider sind wir immer noch weit entfernt von der Normalität. Heute habe ich 548 Essen ausgeliefert statt 800 wie vor Corona-Zeiten. Als im vergangenen Jahr der erste Lockdown stattfand, musste ich viele Zutaten wegwerfen. Am Freitag kochte mein Team noch für 800 Kinder, am Montag für null. Über den Sommer 2020 haben wir es gerade so geschafft, wieder die Nase über Wasser zu halten, dann hat uns der Dezember-Lockdown überrannt. Das Event-Catering für Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste ist komplett weggebrochen. Die staatlichen Hilfen reichen gerade mal für die Hälfte der Personalkosten. Meine Leute kann ich nicht entlassen, ich brauche sie ja wieder.

 

Als Sie als CaterKati anfingen, haben Sie gemeinsam mit einer Mitarbeiterin für 120 Kinder gekocht…

Das stimmt. Die Idee, für andere zu kochen, entstand 2008. Damals wurde ich gefragt, ob ich für ein Stadt-Festival etwas zum Essen anbieten könne − und zwar eine Alternative zu Würstchen und Pommes. Ich habe Crêpes aus frischen Eiern, frisch am Stand gemahlenen Dinkel und Milch gemacht. Das kam gut an, die Leute standen Schlange. Da dachte ich mir: Wenn mein Essen so gut schmeckt, sollte ich vielleicht was in diese Richtung versuchen. Als die Stadt Bensheim einen Caterer für eine Kita suchte, habe ich mich beworben und nach einer Woche Probekochen den Auftrag bekommen. Aber zu zweit für 120 Kinder zu kochen ist nicht so mühsam wie das Geschirr von 120 Kindern zu spülen…

Weil so viele weitere Anfragen kamen, wurde die Küche in der Kita nach sechs Jahren zu klein und wir wechselten in eine große Event-Location.

 

Für welchen Zeitpunkt stellen Sie sich innerlich auf eine Rückkehr zur Normalität ein?

Ehrlich gesagt – ich bin nicht optimistisch und stelle mich auf Jahre ein. Wir sprechen von Covid19, vielleicht kommt danach Covid20 und dann Covid21 – keine Ahnung, was dahintersteckt, aber die erfolgten Maßnahmen sind meiner Meinung nach völlig unverhältnismäßig. Ich blicke nicht optimistisch in die Zukunft und befinde mich im reinen Überlebensmodus.

 

Für Bio war das Jahr 2020 eher positiv. Wird sich dieser Boom halten?

Bei Bio geht viel über den Geldbeutel. Wer es sich leisten kann, kann es sich kaufen. Aber wenige haben ein vertieftes Wissen und Bewusstsein dafür, was sie tun, wenn sie Bio kaufen. Daher halte ich es für wichtig, bei den Kindern mit Bio-Vollwert-Ernährung anzufangen. Wenn die Kinder auf diese Weise versorgt werden, Allergien verschwinden, sie gesund bleiben und daher auch die Eltern diese Ernährung unterstützen, wirkt sich das nachhaltig auf den Bio-Konsum aus.

 

War es immer klar für Sie, dass Sie ausschließlich biologisch catern würden?

In dieser Hinsicht war ich absolut kompromisslos. Bio oder gar nicht! Unsere Hunde bekommen teilweise bessere Nahrung als unsere Kinder. Wir müssen unsere Erde nachhaltig bewirtschaften, anstatt sie zu zerstören und mit Chemikalien vollzustopfen. Mit der Umweltverschmutzung entstehen wiederum Krankheiten, und die Pharma-Industrie freut sich.

 

Wie sehen Sie bei der Außer-Haus-Verpflegung die Verantwortung der Politik?

10 Prozent Bio-Flächen in Deutschland sind viel zu wenig, 50 Prozent könnten wir locker schaffen. Dafür muss es mehr Subventionen für die Bio-Landwirtschaft geben. Eine weitere Möglichkeit wäre es, sich staatlich an den zusätzlichen Kosten einer Bio-Verpflegung für Kinder zu beteiligen. Meist liegen bei Krippen- und Kindergartenmahlzeiten nur 50 Cent zwischen 100 Prozent bio und konventionell.

 

Für wie wichtig halten Sie gemeinsame Mahlzeiten?

Gemeinsam zu essen ist essenziell für die emotionale und körperliche Gesundheit der Kinder und auch Erwachsenen. Es gibt nichts Schlimmeres als wenn ein Kind alleine vor dem Computer isst.

 

Wie kann man Kochen und Essen daheim zu einem Erlebnis machen?

Empfehlenswert ist es, die Kinder mithelfen zu lassen. Sie können Gemüse raspeln oder auch einmal experimentieren. In den Grundschulen habe ich die Kinder selbst Flocken quetschen lassen. Aus Hafer, Dinkel und Roggen haben sie ihr eigenes Müsli hergestellt und danach genüsslich verspeist.

 

Was ist der Klassiker für Kinder?

Tigerspaghetti mit Tomatensoße. Getigert sind die Nudeln, weil sie halb aus Vollkorn-, halb aus Auszugsmehl sind und dadurch zweifarbig. In der Soße verstecken sich gut püriert Karotten und Zucchini. Super gute Rezepte finden Sie in dem Vollwert-Blog.

 

Und welches Ihrer Gerichte ist bei Erwachsenen am beliebtesten?

Mangoldlasagne oder ein schlichtes Kartoffelgratin aus den guten Bio-Kartoffeln eines benachbarten Bio-Hofs. Essen muss nicht kompliziert sein…

 

Was empfinden Erwachsene beim Essen als Event?

Außer Haus kommt immer das Buffett gut an, und ich persönlich mag es auch. Dass man steht und sich unterhält und sich beim Essen etwas in Bewegung hält, tut uns gut. Wir sitzen ohnehin zu viel. Daheim lasse ich mich am liebsten bekochen. Ich versuche, meinen Mann vorzuschieben…(lacht). Kochen ist wie kreatives Malen: Kühlschrank auf und intuitiv auswählen, was zusammenpasst…

 

Von Ronja Zöls-Biber