Rebhühner lieben Abwechslung

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Bis jetzt haben sich auf dem Acker von Josef Lex in Bad Griesbach, Niederbayern, noch keine Rebhühner angesiedelt. Doch in der Nähe hat er die heute selten gewordenen Hühnervögel bereits gesichtet. Nun heißt es abwarten, ob die Tiere auf seinen Flächen heimisch werden, denn in diesem Frühjahr hat der Biokreis-Landwirt mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbands Passau e.V. (LPV) zwei Hektar Land so bestellt, dass sie den Tieren optimale Bedingungen bieten. Gefördert wird das „Passauer Rebhuhnprojekt“ von der Regierung von Niederbayern.

 

Der Bedarf zum Schutz der Rebhühner ist groß: Seit 1990 sind die Bestände in Deutschland um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Grund für diese Entwicklung sind ein schrumpfendes Nahrungsangebot, fehlende Brachflächen zur Brut und der Schwund von Feldrainen oder Hecken, die die Tiere zur Überwinterung brauchen. Diese Lücke soll das vorerst auf zwei Jahre angelegte Projekt schließen. An fünf Standorten im Landkreis Passau stellen Landwirt*innen jeweils zwei Hektar Acker für die Rebhühner zur Verfügung und bewirtschaften sie entsprechend den Vorgaben des LPV. Für ihren Arbeitsaufwand zur Pflege der Flächen erhalten sie Ausgleichszahlungen. 

Grünland, Acker und Kartoffel – das Rebhuhn braucht von allem etwas

Biokreis-Landwirt Josef Lex ist einer von ihnen. Gemäß den Vorgaben hat er seinen Acker in sechs etwa gleich große Teilflächen untergliedert. Auf zwei Teilflächen hat er als Sommerung Weizen angebaut. In den anderen Bereichen hat er Druschgut angesät, um Gräser und Ackerwildkräuter anzusiedeln. Teils hat er auch Mähgut von anderen Flächen übertragen, um die Flächen mit Insekten zu „impfen“, die sich als Larven oder Kleinstlebewesen im Mähgut verbergen. 

 

Die Insekten sind vor allem wichtig, um die Jungvögel mit ausreichend Eiweiß zu versorgen. Dafür ist auch die kleine Teilfläche mit Kartoffeln da: Hier dürfen sich Kartoffelkäfer ansiedeln, die auch für adulte Tiere ein Leckerbissen sind. Zusätzlich brauchen die älteren Vögel die Getreidekörner vom Acker als Nahrung. 

An den Übergängen zwischen den sechs Teilflächen sollen Rhabarberpflanzen wachsen. Sie bieten den Rebhühnern mit ihren großen Blättern Schutz vor Regen und Kälte. So entsteht ein kleinteiliges Habitat mit unterschiedlichen Strukturen aus Feldern und Rainen und reichlich Nahrungsangebot. 

 

Das Projekt ahmt letztlich eine Landwirtschaft nach, wie sie früher war: Extensive Ackerflächen – die Sommerfrucht wird mit einer Saatstärke von 75 Prozent angebaut – und Brachflächen wechseln sich auf kleiner Fläche ab. Bearbeitet werden immer nur Teilflächen, nie die ganze Fläche auf einmal. Bei dieser Art der Bewirtschaftung entsteht Raum und Nahrungsangebot nicht nur fürs Rebhuhn, sondern für viele Pflanzen und Tiere, die auf unseren Äckern und Feldern heimisch sind. 

 

 

Schema für den Lebensraumkomplex Rebhuhn.

„Wir können so nicht weitermachen“

Josef Lex hat sich Ende letzten Jahres für die Teilnahme am Projekt entschieden. Der Umgang mit der Natur und die Notwendigkeit umzudenken, ist für ihn aber schon länger ein Thema: „Ich habe in den letzten Jahren realisiert, dass wir so nicht weitermachen können mit den Ressourcen in der Landwirtschaft. Früher waren die Böden noch irgendwie frischer und die Erträge bei weniger Aufwand konstanter“, erklärt er die Motivation für sein Engagement. Neben dem Projekt zum Erhalt des Rebhuhns ist er außerdem an einem Projekt des Thünen-Instituts beteiligt, bei dem es um insektenfördernde Maßnahmen geht.

 

Wenn das Projekt nach zwei Jahren weitergehen kann, möchte Josef Lex gerne weiter mitmachen. Auch Daniel Lenz, Biologe beim LPV und verantwortlich für das Projekt, wünscht sich eine langfristige Fortführung des Projekts. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn spätestens nach fünf Jahren müssen die Flächen gewechselt werden, sonst geht ihr Ackerstatus verloren. Werden die Flächen dann wieder intensiv bewirtschaftet, schwindet auch der Lebensraum fürs Rebhuhn.

 

Wie also bringt man Landwirtschaft und Rebhuhn unter einen Hut? „Es hilft schon, wenn ein Teil eines großen Ackerschlags extensiver bewirtschaftet wird“, erklärt Daniel Lenz. „Dann hat das Rebhuhn auch eine Chance.“

Von Stephanie Lehmann