Schnelle Resultate mit der Benjeshecke

Image

Biodiversität beim Biokreis - Best Practice

Eine Benjeshecke besticht durch ihr naturnahes Erscheinungsbild. Die grob aufeinandergeschichteten Äste und Zweige winden sich ineinander, schaffen mal dichte Strukturen, mal luftige Schlupflöcher. Genau deshalb bilden sie wertvolle Lebens- und Überwinterungsräume für Kleintiere, Insekten und Vögel. 

 

Beschrieben wurde die Benjeshecke Ende der 1980er-Jahre von Hermann Benjes, doch diese Gehölzhecken gibt es schon weit länger. Bauern und Bäuerinnen errichteten mit Schnittgut Grenzmarkierungen und häuften es zwischen Acker und Weideland an. Nach und nach entstand aus dem aufgeschichteten Totholz durch Samenanflug eine natürliche und abwechslungsreiche Heckenbegrünung. 

 

Das wollen Jörg Schäfer und Astrid Gelaudemans auf ihrem Biokreis-Betrieb in Salzweg auch erreichen. Sie haben sich bewusst für Benjeshecken entschieden, denn: Eine Benjeshecke ist schnell errichtet (wenn auch mit einiger Arbeit verbunden) und muss nicht wie eine gesteckte Hecke erst über Jahre wachsen. Ein weiterer Vorteil: Baumschnitte und andere Restgehölze können sinnvoll verwendet werden.

Neuer Lebensraum

Um ihre offen liegenden Flächen vor dem Wind zu schützen und besser zu strukturieren, haben sie sich große Mengen von Obstbaumschnitt von Streuobstbesitzer*innen bringen lassen und mehrere Heckenteile angelegt. „Wir konnten sehr schnell Grenzbezirke schaffen, die spannende Biotopflächen bilden“, erklärt Astrid. „Denn am Übergang von Wiese zu Benjeshecke entsteht ein ganz neuer Lebensraum.“ Zusätzlich bilden Steinhaufen am Ende der Gehölzstrukturen einen Übergang zu Acker und Feldrand.

 

 

Image

Die Artenvielfalt hält dann von ganz allein Einzug, denn so eine Hecke ist ein idealer Rastplatz für Vögel. „Wir konnten sehr bald beobachten, dass Vögel, die vorher nicht da waren, sich die Hecke erobert haben  ̶ Goldammern zum Beispiel.“ Auch ein Mauswiesel hat sich durch die neu geschaffene Struktur angesiedelt. Wertvoll ist die Benjeshecke vor allem auch deshalb, weil sie die Vernetzung der Landschaft fördert: sonst getrennte Lebensräume können über diese naturnahe Struktur verbunden werden. 

 

Damit aus der Totholzstruktur eine grüne Hecke wird, kann eine Anreicherung mit Impulspflanzen sinnvoll sein. Jörg und Astrid haben dafür Wildrose, Kornelkirsche, Pfaffenhütchen und Hartriegel gewählt, die sie aber nur spärlich gesetzt haben, zudem Holzapfel und Wildbirne als Bestäuber. Weitere passende Pflanzen sollen sich später selbstständig ansiedeln. 

Benjeshecken als Strukturgeber

Als besonders sinnvoll erweist sich die Benjeshecke dort, wo schnell und kostengünstig in weiträumigen Agrarlandschaften Strukturen geschaffen werden sollen. Dabei muss keine Hecke wie aus dem Lehrbuch entstehen, die Gestaltung bietet durchaus individuellen Spielraum. Wichtig zu wissen: Auch so eine rustikale Hecke braucht Pflege und bedeutet einen gewissen Aufwand, denn die nachwachsenden Gehölze müssen regelmäßig auf Stock gesetzt werden. Das entstehende Schnittmaterial kann dann gleich wieder aufgeschichtet werden und lässt die Benjeshecke von neuem entstehen. So bleibt alles Material in der Hecke enthalten. 

 

Von Stephanie Lehmann

Wer sich mit dem Prinzip der Benjeshecke näher beschäftigen möchte, dem sei das Standardwerk von Hermann Benjes empfohlen: „Die Vernetzung von Lebensräumen mit Benjeshecken“