Wie kann ich Lebensmittel retten?

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Verbraucherschaft, Landwirtschaft, Verarbeitung oder Gastronomie: Überall können Menschen etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun.

 

Eigentlich produzieren wir auf der Welt mehr als genug Lebensmittel, um Hunger zu vermeiden. Doch vielen Menschen fehlt der Zugang zur Nahrung – und es gibt noch ein weiteres Problem: Allein entlang der Lebensmittelversorgungskette wandern weltweit ein Drittel der Lebensmittel, die eigentlich für die menschliche Ernährung produziert wurden, in die Tonne. Es kommt einerseits zu Lebensmittelverlusten, andererseits zu Lebensmittelverschwendung. Aber wo liegt eigentlich der Unterschied? 

 

Lebensmittelverluste treten auf, bevor Lebensmittel die Verbraucher*innen erreichen, etwa aufgrund von Ineffizienz bei der Erzeugung beziehungsweise der Primärproduktion und Verarbeitung. Lebensmittelverschwendung hingegen tritt auf, nachdem Lebensmittel die Verbraucher*innen erreicht haben – und zwar aufgrund von Ineffizienz beim Verbrauch. Jährlich sprechen wir hier von 87,6 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen insgesamt in der EU. Auch Deutschland gehört mit rund 12 Millionen Tonnen zu den Verursachern, wie eine im September 2019 veröffentlichte Studie des Thünen-Instituts zeigt. Mit diesen knapp 11 Prozent landet Deutschland in der 2010 bekannt gegebenen Statistik des Europäischen Parlaments auf Platz 14 von 27 Plätzen.

 

Viele Institutionen wollen mit Aktionswochen eine Verminderung von Abfällen erreichen, allen voran die Initiator*innen des Projekts „Zu gut für die Tonne“. 

Im Folgenden haben wir Tipps zur Rettung von Lebensmitteln im Bereich Erzeugung, Gastronomie, Verarbeitung und für Verbraucher*innen gesammelt.

 

Pro Jahr werden deutschlandweit 12 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt. Den Großteil machen dabei Privathaushalte aus.

Tipps für die Erzeugung / Landwirtschaft

 
  • gelbes Band oder Arnsberger blaues Band
  • Bringt bunte Bänder an den Obstbäumen an! Es signalisiert den Verbrauchern*innen: Hier kann ein Baum fertig geerntet werden, und gegebenenfalls für eine kleine Spende bis nichts kann das Obst mit nach Hause genommen werden.
  •  ugly fruits
  • „Unschöne“ saisonale Lebensmittel, machen erfahrungsgemäß 20 bis 40 Prozent der Ernte aus. Denn diese sind meist von der Weiterverarbeitung ausgeschlossen. Gebt die Lebensmittel an Organisationen weiter, die sie abholen und den Obst- oder Gemüsewaren  ̶  unter anderem in Schulen oder Kitas  ̶  eine zweite Chance ermöglichen!
  • Mundraub.org
  • Auf dieser Plattform finden sich gezielt zwei Welten zusammen, um das Vergammeln von Früchten auf den Straßen gemeinsam zu verhindern. Bietet Entdeckertouren, Ernte-, Pflanz- und Pflegeaktionen an, um die Endverbraucherschaft für das Thema Nachhaltigkeit und Wertschätzung zu sensibilisieren!
  • Bauernpat*innen-Projekt
  • Bietet einen geführten Hoftag für Schulklassen an und werdet zu Bauernpat*innen oder lasst die Großen einfach mal ein Jahr lang auf dem Hof mithelfen! Hier entstehen nicht nur Kontakte oder Freundschaften, sondern es wird auch die Aufgeschlossenheit für die harte Arbeit in der Landwirtschaft gefördert.
  • Lageroptimierung
  • Lebensmittelverluste wegen falscher Lagerung machen etwa 5 Prozent jährlich aus, das sind 537 000 Tonnen. Verbessert Eure Lager- und Aufbereitungsverfahren, macht sie schonender und optimiert Eure Lagerbedingungen im Hinblick auf Temperatur und Luftfeuchte!
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Tipps für die Gastronomie

  • restlos glücklich
  • Erschafft mit geretteten Lebensmitteln neue frische Gerichte, setzt auf Lieferant*innen, die am Ende des Tages Lebensmittel zweiter Klasse einsammeln! Hier spart Ihr auch beim Einkauf.
  • Too Good Too Go
  • Verkauft überproduzierte Speisen von Buffets oder Feiern, bei denen zum Beispiel nur die Hälfte der Gäste erschienen ist, weiter an Selbstabholer*innen. Die vergünstigten Preise sind ein Anreiz für die Verbraucher*innen, und die Gastro ist froh, nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen beziehungsweise ohne Erlös hergeben zu müssen.
  • restlos genießen
  • Bietet als Servicepersonal den Gästen aktiv sogenannte Resteboxen an! Auch Kantinen und Mensen sollen ein umweltfreundliches Verpackungsmaterial neben Abräumstellen zur Verfügung stellen. Wenn dies jemandem zu gewagt ist, nehmt Rückstellproben, um abgesichert zu sein, dass der Gast seine Mahlzeit auf eigene Verantwortung mit nach Hause nimmt!
  • energieeffiziente Küche
  • Reste von Lebensmitteln in der Küche wiegen, messen und analysieren! So werden Schwachstellen entdeckt und gezielt reduziert beziehungsweise Maßnahmen getroffen. Ermittelt außerdem, an welchem Punkt sich Angebot und Nachfrage effektiv für beide Seiten treffen!

Tipps für die Verarbeitung

  • Verwertet Eure Reste,
  • sprecht mit Tierfuttermittelhersteller*innen, um liegengebliebene Ware nützlich weiter zu verkaufen!
  • Verkauft gezielt individuell gewachsenes Gemüse
  • und macht den Fehler zum Individuum oder setzt auf die richtige Bezeichnung wie „Karotten Klasse II“!
  • moderne Prognosesysteme
  • Nutzt digitale Warenwirtschaftssysteme für eine bedarfsgerechte Versorgung der Märkte mit frischer Ware ohne Verluste!
  • „aber oft länger genießbar“
  • weist darauf hin, dass Lebensmittel oft noch länger gut sind als das Mindesthaltbarkeitsdatum lang ist. Es heißt ja schließlich auch nicht „sofort ungenießbar ab“! Macht mit Hinweisen wie: „Riechen, Probieren, Genießen“ darauf aufmerksam, sich auf die Sinne wieder mehr zu verlassen!

Welche Lebensmittel werden am meisten verschwendet?

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Tipps für die Verbraucherschaft

  • Resteboxen
  • Wenn Ihr vorher wisst, dass die Portion im Lieblingsrestaurant einfach zu groß ist, dann gleich die eigene Box mit ins Restaurant nehmen und restlos genießen!
  • Schnippeldisco
  • Verbindet Tanzen mit Lebensmittelverschwendung: schmackhaftes Gemüse retten und gleichzeitig eine kulturübergreifende, virale Bewegung schaffen!
  • „Leftover – in deinem Kühlschrank steckt mehr, als du denkst“
  • Nutze das volle Potenzial Deines Kühlschranks und koche kreative Rezepte aus übrig gebliebenen Lebensmitteln! Als Hilfe gibt es viele Apps, die auch ohne Mengenangaben funktionieren.
  • Macht Lehrer*innen auf das Ernährungsbildungsprojekt „Die Lebensmittelfreunde“ aufmerksam! Die drei Freunde „Prinz-köstlich, Supersalat und Himbeere“ informieren kindgerecht über den Weg von Lebensmitteln vom Acker bis zum Teller. So lernen Kinder spielerisch im Alltag die Wertschöpfung von Lebensmitteln kennen und auf diese Weise mehr wertschätzen.

Von Alena Zweckstetter