Öko-Feldtage – Drei Tage volles Programm

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Alles, was Rang und Namen im Ökolandbau hat, trifft sich im Juni in Aumenau bei Villmar: Dort finden die dritten Öko-Feldtage vom 28. bis 30. Juni 2022 auf der Hessischen Staatsdomäne Gladbacherhof statt.

 

Die Öko-Feldtage sind so konzipiert, dass ihre Schwerpunkte sich immer an den jeweiligen Standort anpassen. In diesem Jahr finden sie zum ersten Mal auf dem Öko-Gemischtbetrieb Gladbacherhof, dem Lehr- und Versuchsbetrieb der Justus-Liebig-Universität Gießen,in einer typischen Mittelgebirgslage im nördlichen Taunus statt. Der ganze Hof ist in die Veranstaltung mit einbezogen und zeigt seine Forschungs- und Wirtschaftsarbeit.

 

Das Programm der Öko-Feldtage ist 2022 noch mal gewachsen. Es gibt fünf Fachforen, zahlreiche Führungen zu Sorten, Weidemanagement und Klimaauswirkungen von Pflanzenbau und Tierhaltung. Erstmals findet die Preisverleihung für den Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau im Rahmen der Öko-Feldtage statt (28. Juni von 14:00 bis 16:00 Uhr). Bundesminister Cem Özdemir überreicht den Preisträger*innen persönlich ihre Auszeichnung und informiert sich auf den Öko-Feldtagen zu den neusten Entwicklungen der ökologischen Landwirtschaft. Die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz eröffnet die Veranstaltung, die im Rahmen des Ökoaktionsplans Hessen gefördert wird. Besondere Highlights der Öko-Feldtage 2022 sind:

 

Neuer Forschungsstall
Ob die Kühe bis zu den Öko-Feldtagen schon eingezogen sind, stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Das Forschungsprojekt und den Stall können sich die Besucher*innen aber auf jeden Fall genau anschauen. Im Rahmen von Vorträgen und anschließenden Führungen erklären Wissenschaftler*innen der Universität Gießen, wie mittels digitaler Tiererfassung, Beweidungssteuerung sowie Fütterungs- und Melkrobotik der Vergleich einer High-Input- und einer Low-Input-Milchviehherde durchgeführt wird. Im Fokus der Bewertung stehen die Umweltwirkungen.

 

Ein innovatives Messsystem im automatischen Melksystem erfasst bei jeden Melkvorgang tierindividuell Methan- und CO2-Ausstoß der Tiere. Eine Posterausstellung zeigt, wie die Wissenschaft die Umweltwirkungen von High-Input- und Low-Input-Milchproduktionssystemen bewertet. Dabei spielen besonders der Ausstoß klimawirksamer Gase der Milchkühe sowie die Auswirkungen der beiden Fütterungssysteme auf gasförmige Kohlenstoff- (CO2, Methan) und Stickstoff-Emissionen (NH3, N2O) aus dem Wirtschaftsdünger eine Rolle.

 

Agroforst fürs Klima
Seit 2020 sind auf dem Gladbacherhof zwei Agroforstflächen angelegt worden: Auf Ackerland und auf Grünland. Führungen und Poster auf den Flächen thematisieren zum Beispiel die Kohlenstoffspeicherung, mikroklimatische Effekte, Bodenerosion und weitere klimarelevante Aspekte der Agroforstsysteme. Am 29. und 30.6. jeweils um 11:00, 13:00 und 14:00 Uhr beginnen beispielsweise Führungen zu verschiedenen Agroforstthemen gegenüber vom neuen Stall (V4).

Zudem informieren an verschiedenen Stellen in den Agroforstsystemen circa ein Dutzend Poster zu Detailthemen im Agroforst. Ausstellende präsentieren ihre Leistungen. Außerdem drehen sich viele Beiträge in den Foren um das neue Trendthema.

 

Innovationen, die den Ökolandbau voranbringen
Im Rahmen der Öko-Feldtage präsentieren Firmen und Landwirt*innen 20 Prototypen und Neuentwicklungen, die sich noch in der Entwicklung befinden oder kurz vor der Markteinführung stehen. Diese Innovationen zeigen zukunftsweisende Ideen und Konzepte, um die ökologische Landwirtschaft zu optimieren. Viele der vorgestellten Maschinen sind von Landwirt*innen selbst aus der Praxis heraus entwickelt worden wie beispielsweise der Photoheyler. Mit dem hydraulisch angetriebenen Rotor kann die Frontmaschine direkt in der Pflanzenreihe hacken. Eine gleitlagergeführte Aufhängung verhindert ein seitliches Ausweichen der Werkzeuge.

 

Weitere Neuerungen von Landwirt*innen für Landwirt*innen: Ein Solartraktor mit Elektroantrieb und einer Energieleistung von bis zu 1,2 KW. Auch die Idee des Beetle Collectors kommt von einem Landwirt: Das Gerät ermöglicht das maschinelle Absammeln von Kartoffelkäfern sowie dessen Larven. Rotationsbewegung bringen die Kartoffelstauden mithilfe von Paddeln in Bewegung. Die Larven / Kartoffelkäfer werden an Pralltücher geschleudert und fallen in die Sammelgefäße.

 

Neuste Hack- und Mähtechnik
Besucher*innen können sich 25 Maschinen im praktischen Einsatz ansehen, darunter die neueste Hacktechnik mit kamera- und satellitengesteuerten Geräten sowie Mähwerke und Schwader zur Futterbergung. Die Maschinenvorführungen finden an allen drei Tagen jeweils von 10:00 bis 12:30 Uhr statt.

 

 

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1.500 Demoparzellen
Auf zahlreichen Demoparzellen stellen Firmen, Züchter*innen und Beratung Kulturen von Ackerbohne bis Zuckerrübe und Betriebsmittel für die ökologische Landwirtschaft vor. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen macht täglich Führungen von Landessortenversuchen zu Winterweizen und Soja sowie zu Sortendemonstrationen von Kartoffeln.

Hinzu kommen zahlreiche Versuche des Gladbacherhofs, die Besucher*innen sich ebenfalls anschauen können. Der Dauerfeldversuch liefert beispielsweise schon seit 24 Jahren Ergebnisse zu unterschiedlichen Betriebssystemen/Fruchtfolgen mit und ohne Viehhaltung sowie zu vier verschiedenen Systemen der Grundbodenbearbeitung mit unterschiedlichen Intensitätsstufen. Hinsichtlich der Betriebssysteme hat der Typ Gemischtbetrieb mit Viehhaltung deutliche Vorteile gegenüber den viehlosen Systemen. Auf den Öko-Feldtagen 2022 sind im Dauerversuch zum einen Luzernegras (System „Gemischtbetrieb“), zum anderen Hafer (System „viehloser Ökolandbau“) zu sehen.

 

Klimakrise (be)greifbar machen
Im Rahmen eines KlimaRundgangs zeigen Wissenschaftler*innen in acht Bereichen und circa 20 Stationen die Herausforderungen der Klimakrise für die Landwirtschaft und mögliche Lösungsansätze. Im Themenbereich Boden und Pflanze messen Mitarbeitende der Universität Gießen beispielsweise Treibhausgase auf dem Acker, etwa, um die Klimarelevanz des Mulchgemüseanbaus zu bewerten.

 

Ein Team des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen informiert mithilfe eines Planspiels zur Klimaberatung von landwirtschaftlichen Betrieben. Auch die Agroforstflächen und der neue Milchviehstall sind Stationen im Rundgang. Neben diesen und vielen weiteren Stationen steht das Klima auch in Forumsbeiträgen mit Klimabezug im Mittelpunkt. Abgerundet werden die fachlichen Informationen mit klimafreundlichem Essen wie Ackerbohnenfalafeln.

 

Trendthemen in Fachforen diskutiert
Das Fachprogramm zeigt in einem Themenmix die herausragenden Fragen der ökologischen Landwirtschaft. Die fünf Foren drehen sich um Pflanzen, Markt- und Politik, Zukunftsthemen (organisiert von der Uni Gießen) sowie Tierhaltung (organisiert vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) und Biogut- und Grüngutkompost (Universität Kassel / Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe, Abfall- und Kreislaufwirtschaft).

 

Am Dienstag, den 28. Juni sind Themen rund um nachhaltige Landwirtschaft und Agroforst sowie 100 Prozent Biofütterung im Mittelpunkt.
Mittwoch, der 29.Juni steht ganz im Zeichen der großen politischen Podiumsdiskussionen, etwa, wie es weitergeht mit der Zukunftskommission Landwirtschaft, Wasserschutz durch Ökolandbau sowie Carbon Farming. Hinzu kommen Themen wie Landwirtschaft am Limit oder Nutztierhaltung der Zukunft, Stichwort Brudertiere.

Am dritten Tag liegt der Fokus bei der Nachwuchsgeneration. Hier diskutieren junge Landwirt*innen und Forscher*innen spannende Fragen: Wie sieht ein landwirtschaftlicher Betrieb in 2050 aus? Welches Potenzial liegt in der Fütterung mit Insekten? Welche Ernährungssysteme brauchen wir in der Zukunft?

 

Qualität und Einsatz von Kompost
Im Kompostforum können Besucherinnen und Besucher sich über Praxis und neue Entwicklungen bei der Kompostierung und Kompostanwendung informieren. Zudem diskutieren Wissenschaftler*innen die Ergebnisse aktueller Forschungsvorhaben. Dabei geht es zum einen um die verlustminimierte Kompostierung von Kleegras und Festmist, einer wichtigen innerbetrieblichen Ressource im Ökolandbau. Zum anderen wird die Qualitätssicherung und Anwendung betriebsexterner Biogut- und Grüngutkomposte diskutiert. Zudem werden im Forum die neuen Netzwerke Ökolandbau und Kompost (NÖK) verschiedener Bundesländer vorgestellt.

 

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Nutzen der Komposte, vor allem für Klimaresilienz, Humusaufbau und Torfersatz. Auf dem Programm stehen jeden Vormittag Führungen durch die Schauanlage mit kompostgedüngten Parzellen und Poster-Demonstrationen sowie ein „Workshop Kompostqualität“. An allen Nachmittagen halten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis Vorträge zu den brennenden Fragen rund um das Thema Kompost.

 

Den Ökolandbau feiern
Das Kulturprogramm der Öko-Feldtage am Abend lädt alle ein, den Tag bei Musik, guten Gesprächen und Tanz ausklingen zu lassen. Am 29. Juni eröffnet ab 18:00 Uhr die Limburger Grooveband „Keep Digging“ den Abend mit funkig-jazzigem Sound. Weiter geht es auf eine Reise zu Fröhlichkeit und Tanzlaune mit Ticket to Happiness. Und auch die frech-sympathischen Querköpfe von Malaka Hostel vertreiben nach einem vollen Messetag aufkommende Müdigkeit.