Feldbegehung, Betriebsrundfahrt und Kennenlernen im Havelland

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Nicht nur das Wetter spielte mit, auch die Stimmung war hervorragend. Kein Wunder, hatten doch alle schon lange auf eine solche Veranstaltung gewartet. Zu Beginn der Mitgliederversammlung des Biokreis Erzeugerrings Nord-Ost ging es für knapp zwei Stunden auf die Agroforst-Versuchsflächen der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE). Tommy Lorenz, Forstwirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Landschaftsnutzung & Naturschutz, führte uns höchst kompetent über die seit 2017 bestehenden Flächen. Gerade weil es durch Trockenheit, Wühlmäuse und nur sporadische Pflege Einbußen gab (teilweise wurde dreimal nachgepflanzt), konnten die Teilnehmenden viel mitnehmen, um es besser zu machen. 

 

Als Faustregel lässt sich beispielsweise sagen, dass ein sehr sandiger oder stark verdichteter Boden gut durch eine Kurzumtriebsplantage (KUP) mit Weiden vorbereitet werden kann, um später (oder in zweiter und dritter Reihe) Hecken und Bäumen den Boden zu bereiten. Grundsätzlich sei es empfehlenswert, so Lorenz, die schnell wachsenden und trockenheitstoleranten Weiden als Windbarriere an einer Ackerseite oder im Winkel (wenn die Fläche diagonal zur Windrichtung liegt) zu pflanzen. Besonders geeignet erwies sich die Silberweide, eine Pionierbaumart, die Stickstoff in den Blättern speichert und so wie eine Leguminose wirkt, ohne eine zu sein.

 

Angekommen im Nachbarort Großmutz gesellten sich weitere Mitglieder dazu, und eine gut gelaunte Juliane Thiele erwartete uns auf dem Glambecker Rinderhof. Im Abkalbestall ihrer 170-köpfigen Milchviehherde berichtete die Gastgeberin von der erfolgten Umstellung auf kuhgebundene Kälberhaltung sowie dem vielversprechenden Start des Biokreis-Cowboys-Projekts. Gemeinsam mit Wertschöpfungskettenmanagerin Anja Ettner entwickelt sie die Bruderkalbvermarktung mit dem Wunsch, ihre Bio-Milch bald wertschätzend über den Berliner Bio-Fachhandel zu verkaufen. Der Generationenwechsel vom Vater zur Tochter ist inzwischen fast abgeschlossen und verlief harmonisch. Erhard Hinz hält sich raus aus dem Tagesgeschäft, ist aber gern zur Stelle, wenn es Fragen gibt oder Hilfe benötigt wird. 

 

 

Gruppenfoto zur MV 2022 (v.l.n.r.): Ansgar Schlingmann, Tobias von Haaren, Christian Heymann, Johannes Bexten, Lisa Lemke, Johannes Erz, Juliane Thiele, Jana Werner und Erhard Hinz. Bild: Volker Gehrmann

Im Anschluss an die wunderbare, kurzweilige Kremserfahrt kehrten wir im örtlichen Gasthaus ein. Nach dem gutbürgerlichen, sehr leckeren Essen und einer kurzen Fotosession widmeten wir uns dem offiziellen Teil des Tages, der ordentlichen Mitgliederversammlung des Erzeugerrings Nord-Ost. Natürlich gab es regen Austausch über die derzeitige Lage des Bio-Marktes, die Zukunftsperspektiven und Vermarktungschancen hinsichtlich der strategischen Positionierung des Biokreis als Fachhandelsverband. Diesbezüglich wurden Wünsche geäußert nach mehr Feedback vom Verband und regelmäßigen Vermarktungsinfos. Neben Satzungsänderungen zur Möglichkeit, Vorstandstreffen und Mitgliederversammlungen auch online abzuhalten, die ohne Gegenstimmen verabschiedet wurden, schafften die Mitglieder die Möglichkeit für einen Beisitz im Erzeugerring. Hier gab es jedoch keine Kandidatur. Im Gegensatz zur Neuwahl der Kassenprüfung, für die sich direkt vier Mitglieder meldeten.

 

Mit großer Mehrheit gewählt wurden Christian Heymann, Biokreis-Berater, Gemüsebauer und Gründer der Solawi SpeiseGut in Berlin, sowie Ansgar Schlingmann, Ackerbauer und Putenmäster in Mecklenburg-Vorpommern. Ein großer Dank geht zum Schluss an unsere Vorstände Lisa Lemke, Johannes Bexten und den Vorsitzenden Daniel Willnat, die in den letzten zwei Jahren viel Zeit und Energie in den Landesverband steckten. Die Zusammenarbeit mit dem Team war immer herzlich, konstruktiv und wertschätzend und wir freuen uns sehr, dass sich alle drei wieder zur Wahl gestellt haben. Sie wurden einstimmig im Amt bestätigt. 

 

Von Jana Werner