Wie geht’s der Bio-Branche?

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Stimmen aus dem Fachhandel

Laut dem Biohandel-Umsatzbarometer sind die Umsätze im Bio-Fachhandel im ersten Quartal 2022 um durchschnittlich 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

 

Wie geht es Dir als Fachhändler?

„Unser Umsatzniveau liegt trotz der Rückgänge noch über dem von 2019. Es zeigt sich also eine gewisse Stabilität. Dazu trägt auch die Genossenschaft bei, weil wir eine hohe Bindung zu unseren Mitgliedern haben. Dennoch: Ich bin jetzt fast 30 Jahre bei EVG Landwege dabei, eine andauernde Zeit so hoher Umsatzrückgänge haben wir noch nicht erlebt. Schwierig ist die gleichzeitige Kostenentwicklung, gerade wenn man den Blick in die Zukunft richtet und an die Preise für Energie, Verpackungen und Personal denkt. Zurückgehende Umsätze bei steigenden Kosten – das bedeutet Druck zur Veränderung, und wir müssen sehen, wie wir damit umgehen. Glücklicherweise haben wir über die Jahre Rücklagen aufgebaut, so dass wir einen gewissen Spielraum haben.


Der Sinn unseres Handelns bestätigt sich jedenfalls: Es ist notwendig, sich unabhängiger von fossilen Energien zu machen und in geschlossenen Kreisläufen zu arbeiten. Wir sind auf dem richtigen Weg und möchten uns noch mehr auf das konzentrieren, wofür wir stehen: die Zusammenarbeit mit den Höfen in der Region.“

Klaus Lorenzen
EVG Landwege, Lübeck
 

EVG Landwege ist eine Genossenschaft mit fünf großen Bio-Märkten, einem Lieferservice, eigener Bäckerei und Verarbeitungsküche in Lübeck und Bad Schwartau. Circa 30 regionale Mitgliedshöfe beliefern die Märkte täglich mit frischen Bio-Produkten.

 
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Stimmen aus der Verarbeitung

Wie gehst Du mit den Umsatzrückgängen im Bio-Fachhandel um?

„Natürlich spüren auch wir die Krise. Aber während der Corona-Maßnahmen, als die Gastronomie geschlossen war, rettete uns der Handel. Und jetzt, wo es im Handel etwas schlechter läuft, ist es die Gastronomie, die uns durch die Krise hilft. Dort gibt es noch keine Umsatzeinbußen, denn der Tourismus in Bayern, Österreich und Südtirol läuft nach wie vor gut. Ich sehe, dass der Wunsch nach Tierwohl, Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Verbraucherschaft ungebrochen ist. Trotz der gestiegenen Inflation ist die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln nach wie vor hoch. Ein Grund dafür wird darin liegen, dass Bio-Produkte im Vergleich zu konventionellen Produkten nicht viel teurer geworden sind. Es ist auch hier von Vorteil, wenn man keinen Soja aus Übersee teuer herüberschippern lassen muss. Der Bio-Fachhandel wird sich bestimmt wieder fangen! Außerdem sollten wir unsere aktuelle Situation auch immer mit den realistischen „Vor-Corona-Zahlen“ vergleichen, da der Handel während der Covid-Krise schon deutlich vom Konsumverhalten profitiert hat. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Bio die einzige langfristige Lösung für unsere Erde und uns alle ist.“

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Helga Juffinger

Bio-Metzgerei Juffinger, Tirol 

Stimmen aus der Verbraucherschaft

Warum bleibst Du dem Bio-Fachhandel treu?

„Wir gehen davon aus, dass bei Bio-Produkten weniger bis gar keine Konservierungsstoffe, Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker, Glutamat, Glyphosat, Düngemittel, Pesti-, Herbi-, Fungizide enthalten sind. Im Bio-Fachhandel finden wir das Angebot überschaubarer als in den riesigen Hallen der Supermärkte. Es gibt weniger Convenience Food, also Aufreiß-Warmmach-Essen, und die fachliche Beratung ist eindeutig besser, da Mitarbeitende in den Bio-Läden mehr Bewusstsein für nachhaltige Lebensmittel haben. Ein wesentlicher Punkt ist unser Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit und das der Familie. Wir sind davon überzeugt, dass gesunde Ernährung für unsere Kinder im Wachstum besonders wichtig ist. Bio-Produkte sollten eigentlich das Normale sein statt ungesundem, industriell gefertigtem Massenessen.“

Richard Kühberger

Vilshofen

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