Interview: Was Albrecht und Kinsey uns lehren

Image

Interview mit Biokreis-Landwirt Georg Mader, Anzing, viehloser Ackerbaubetrieb:

 

Seit wann analysierst und düngst Du nach der Albrecht-/Kinsey-Methode?

Ich habe etwa 2015 damit begonnen, konsequent betreibe ich es seit 2016.

 

Welche Erfolge hast Du beobachtet?

Der Boden ist leichter zu bearbeiten, er ist krümeliger geworden, und die Erträge sind stabiler. Vor allem konnte Humus aufgebaut werden, was mir am wichtigsten war.

 

Du hast schon bei beiden Laboren Deine Bodenproben untersuchen lassen: Gab es Unterschiede? Welches Büro bevorzugst du?

Das Geobüro Christophel kann wesentlich schneller die Ergebnisse vorlegen. Die Düngeempfehlungen der beiden Labore weichen teilweise voneinander ab, am meisten beim Ca. Ich arbeite hauptsächlich mit Christophel. Da habe ich in ein paar Wochen die Ergebnisse und kann noch im gleichen Jahr reagieren. Manchmal schicke ich zum Vergleich ein paar Bodenproben an beide Labore. Damit habe ich dann einen guten Überblick und kann die Unterschiede rausarbeiten.

 

Was würdest Du einem Betrieb empfehlen, der mit der Albrecht-/Kinsey-Methode beginnen möchte?

Der Betrieb sollte mit einer hofnahen Fläche anfangen, da er sie besser und öfter im Blick hat. Spatenproben und entsprechende Dokumentationen sollten von Anfang an regelmäßig gemacht werden, damit die Veränderungen nachvollziehbar sind. Ich würde zudem auf einer Teilfläche eine „Kontrollfläche“ ohne Düngung nach Kinsey lassen, um etwaige Unterschiede besser erkennen zu können. Und last but not least braucht der Betrieb Geduld. Es dauert ein paar Jahre, bis ein relevanter Unterschied sichtbar wird. Die Natur braucht ihre Zeit. 

 

Georg Mader, Bild: Katharina Loibl

Interview mit Biokreis-Landwirt Josef Schreier, Gmund am Tegernsee, Milchviehbetrieb (Heumilch):

 

Seit wann analysierst und düngst Du nach Kinsey? 

Wir haben 2011 mit den ersten Flächen begonnen. Aus heutiger Sicht bedaure ich es aber, nicht gleich mit allen Flächen begonnen zu haben. 

 

Welche Auswirkungen hast Du auf Deinem Grünland beobachtet? 

Als wir 2011 mit der Kinsey-Methode begonnen haben, hatten wir gut 30 Jahre lang unser Grünland extensiv bewirtschaftet (KULAP). Gerade bei P und K hatten wir einen extremen Mangel, da wir die Düngung vernachlässigt hatten. Seit wir nun nach Kinsey düngen, hat sich unser Ertrag verdoppelt. Zudem hat sich der Eiweißgehalt im Grünland verbessert, sodass wir kein Eiweißfutter für die Kühe mehr zukaufen müssen. Der Ampferbesatz auf stark verampferten Flächen ist deutlich besser geworden, es kommen nach der Behandlung – früher Spritzen, jetzt Stechen – nicht mehr so viele Neupflanzen nach. Und der Ampfer ist leichter auszustechen. Der Zuckergehalt im Futter hat sich halbiert, was für den Pansen der Kühe gesünder ist. Und das Weidelgras geht nicht mehr viel zu früh in die Notreife, wie es früher immer passiert ist. Erfreulich ist auch, dass wir nur noch wenig gemeine Rispe im Grünland haben – und das ohne Nachsaat beziehungsweise Striegeln. Im Winter bei Schnee passiert etwas Spannendes: Das Rotwild vom angrenzenden Wald frisst lieber auf unseren Flächen, so als würde es die Grenzen zum Nachbarn kennen.  

 

Welche Auswirkungen auf Deine Tiere hast Du beobachtet? 

Das ist ehrlich gesagt schwierig zu sagen. Wir hatten in den letzten Jahren mehrere Umstellungen am Betrieb, unter anderem auch vom Anbinde- zum Laufstall. Das macht es schwer, die Veränderungen einer bestimmten Ursache zuzuordnen. Aber auffällig ist, dass unsere Kühe immer ein sehr schönes Haarkleid haben. Und dass so gut wie kein Milchfieber mehr auftritt. 

 

Wie bewertest Du das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Kinsey-Methode auf Deinem Betrieb? 

Ich sehe es als Langzeitinvestition in unseren Boden. Und da wir auf den meisten Flächen den Bodenpool wieder sehr gut aufgefüllt haben, sollten der größte Kostenblock jetzt hinter uns liegen und in Zukunft hauptsächlich noch Erhaltungsdüngungen nötig sein.

 

Würdest Du Dich wieder dafür entscheiden? 

Ohne zu zögern: ja!