Was Albrecht und Kinsey uns lehren…

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Damit unsere Kulturpflanzen an einem bestimmten Standort überhaupt wachsen können, ist vor allem das richtige Klima – Wasserversorgung und Temperatur – nötig. Wie gut die Pflanzen auf diesem Standort dann gedeihen, wird durch Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit beeinflusst. Viele Betriebe arbeiten mittlerweile nach dem Albrecht-/Kinsey-System, um ihre Böden zu optimieren. Was genau dahinter steckt und was zu beachten ist, wollen wir Euch in diesem Artikel zeigen.

 

Um gute Erträge und qualitativ hochwertige Pflanzen zu erzeugen, sind nach Kinsey drei Punkte notwendig: eine gute Bodenstruktur (siehe Abbildung 1), die richtige Menge an Nährstoffen sowie das richtige Nährstoffgleichgewicht. Die Nährstoffe werden dabei in Bezug auf die Pflanze in folgende drei Kategorien eingeteilt:

  • Primärnährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K) und Schwefel (S). Sie sind erforderlich für den Anbau der Kulturen und sollten ausreichend, aber nicht übertrieben gedüngt werden.
  • Sekundärnährstoffe Calcium (Ca), Magnesium (Mg) und Natrium (Na) – für den Boden gelten Ca und Mg jedoch als Hauptnährstoffe, da sie großen Einfluss auf die Bodenstruktur haben.
  • Spurenelemente: vor allem Bor, Kupfer, Eisen, Mangan, Molybdän, Zink

 

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Zu beachten ist: Nur wenn die Primär- und Sekundärnährstoffe im richtigen Maß im Boden vorliegen, können die Spurenelemente wirken. Bevor Spurenelemente gedüngt werden, sollte also zuerst sichergestellt werden, dass die Makronährstoffversorgung passt. Gleichzeitig müssen auch folgende bekannte Gesetze berücksichtig werden: 

  • das Liebigsche Minimumgesetz: Der knappste Nährstoff (dazu zählt auch Wasser) ist der limitierende Nährstoff. Dieser Nährstoff muss zugeführt werden, damit der Boden und die darin enthaltenen Nährstoffe ihr volles Potenzial ausschöpfen können (siehe Abbildung 2)
  • das Gesetz vom Maximum von André Voisin: Der Überschuss eines Nährstoffs kann die Aufnahme eines anderen behindern; Beispiele: Zu viel N bindet Kupfer, zu viel P bindet Zink.

 

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Bei der Albrecht-/Kinsey-Methode werden als ein Schwerpunkt die vier wichtigsten positiv geladenen Ionen (= Kationen) Ca2+, Mg2+, Ka+ und Na+ betrachtet, da diese vier Elemente grundlegend den Wasser- und Lufthaushalt des Bodens und somit die Wachstumsbedingungen der Bodenmikroorganismen und Pflanzen beeinflussen. Darüber hinaus stellen diese vier Kationen die basisch wirkenden Bodenkationen dar, die den Säurezustand und pH-Wert des Bodens bestimmen (pH-Wert korreliert mit Basensättigung). Die vier Elemente sollten nach der Albrecht-/Kinsey-Methode im prozentualen Anteil der Abbildung 3 vorhanden sein. 
 
 
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Nur wenn eine optimale Bodenstruktur vorliegt und das prozentuale Verhältnis von Ca, Mg, Na und K stimmt, erreichen nach Kinsey die anderen Nährstoffe ihr Potenzial im Boden. Die Prozent-Anteile werden dabei in Abhängigkeit von der Kationen-Austausch-Kapazität (KAK) des Bodens betrachtet. Diese besagt, wie viele Nährstoffkationen negativ geladene Bodenteilchen (Kolloide und Humus) speichern und bei Bedarf wieder abgeben können.
Die Bodenanalyse spielt dabei eine zentrale Rolle – denn nur, wenn man weiß, was im Boden vorhanden ist, und das auch richtig misst, kann richtig gedüngt werden. Mit der Bodenanalyse wird nicht nur überprüft, was benötigt wird, sondern auch welcher Nährstoff zu hoch ist und zum Beispiel über die Düngung eines anderen Nährstoffs reduziert werden sollte. Entscheidend ist eine repräsentative Bodenprobe, für die wiederum eine korrekte Probenahme absolut erforderlich ist. Dafür gibt es bei der Albrecht-/Kinsey-Analyse eine genaue Anleitung, an die man sich unbedingt halten sollte. Zusätzlich ist zu beachten, dass auf einem Schlag verschiedene Bodenarten vorherrschen können; hier sollten mehrere Proben gezogen werden.

 

 

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Neal Kinsey empfiehlt zudem, jährlich eine Probe zu ziehen, da erst der Dreijahresdurchschnitt einer beprobten Fläche einen repräsentativen Durchschnitt ergebe.
Wenn man nach Kinsey den Boden bewerten möchte, ist es unbedingt notwendig, auch die Analyse nach Kinsey durchzuführen. Die Kationen-Sättigung nach Abbildung 3 sollte somit nicht auf eine andere Bodenanalyse übertragen werden. Kinsey-Analysen sind entweder direkt in den USA (Wartezeit auf das Ergebnis mehrere Wochen bis Monate) oder aber in Deutschland beim Geobüro Christophel (mit Labor in den Niederlanden) möglich. Auf dem Analyseergebnis werden dabei immer eine Düngeempfehlung sowie die Reihenfolge der empfohlenen Düngungen angegeben. Zu beachten ist jedoch Folgendes: Die Kinsey-Methode kann in Deutschland nicht für Kontrollen/CC verwendet werden.


Nicht zuletzt wegen diesem Punkt ist die Albrecht-/Kinsey-Methode bei uns in Deutschland nicht ganz unumstritten. Es empfiehlt sich daher, den Worten von Neal Kinsey selbst zu folgen: Wer dieses System ausprobieren möchte, sollte zuerst mit einer Teilfläche beginnen – und beobachten, was passiert.

 

Von Katharina Loibl

Die beiden Biokreis-Landwirte Georg Mader und Josef Schreier analysieren und düngen schon seit einigen Jahren nach der Albrecht-/Kinsey-Methode. Über ihre Erfahrungen sprechen sie im Interview.