Biokreis Cow-Boys

Alle Bilder von Juliane Thiele, Glambecker Hof und Dirk Barthel, Biohof Barthel.

Geschichten erzeugen Wertschätzung

24. März am Glambecker Hof

Deshalb möchten wir Euch die Geschichte von fünf Kälbern erzählen. Sie leben auf dem Glambecker Rinderhof im Löwenberger Land in Brandenburg. In den nächsten Wochen werden wir Euch nach und nach immer mehr Einblicke in ihr Leben geben.  
Warum ist ihre Geschichte erzählenswert? – Weil sie die Ausnahme ist.

In Deutschland gibt es mehr als 4 Millionen Milchkühe. Davon leben mehr als 200.000 auf Bio-Betrieben. Damit diese Kühe Milch geben, müssen sie regelmäßig ein Kalb bekommen. Die weiblichen Kälber bleiben auf den Milchviehbetreiben. Aber die männlichen Tiere geben keine Milch und sind daher für einen Milchviehbetrieb nicht von Nutzen. Daher werden sie in der Regel verkauft und landen oft nach langen Wegen als konventionelle Kälber in der Mast. Weil Alternativen fehlen, ist das ist auch bei den meisten Bio-Betrieben so.

Doch inzwischen kommt Bewegung in die Sache, denn immer mehr Bio-Landwirt*innen wollen neue Wege gehen und die Situation zum Besseren verändern. Zu ihnen gehören Juliane Thiele und ihr Team vom Glambecker Hof. Der Biokreis begleitet sie bei einem Projekt: Die fünf Bullenkälber wachsen zunächst auf ihrem Betrieb auf. Später gehen sie zur Mast an einen Bio-Betrieb in der Region. Ziel ist es, nach und nach Strukturen aufzubauen, die es möglich machen, dass immer mehr Bio-Bullenkälber dauerhaft in der nahen Umgebung bleiben und artgerecht aufwachsen können.

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Blicke in die "Kinderkrippe"

29. März am Glambecker Hof

Letzte Woche haben wir Euch das erste Mal die fünf Bullenkälber vorgestellt, die auf dem Glambecker Rinderhof im Löwenberger Land aufwachsen. Hier verbringen sie ihre ersten Monate, bevor sie auf einen Bio-Mastbetrieb in der Region umziehen werden.
Betriebsleiterin Juliane Thiele nennt sie auch liebevoll ihre „Cow-Boys“, denn diese die „Kuh-Jungs“ sind etwas ganz Besonderes: Sie haben den Betrieb nicht, wie es normalerweise der Fall ist, früh verlassen, sondern werden am Hof von Ammenkühen aufgezogen.

Die Bilder aus der betriebseigenen „Kinderkrippe“ zeigen, wie intensiv der Kontakt von Kuh und Kalb in den ersten Wochen ist. Dazu gehört natürlich das Trinken am Euter der Kuh. Aber hier liegt auch der Hund begraben: Ein Kalb, das am Euter saugt, trinkt in den ersten drei Monaten etwa 1.000 Liter Milch. Diese Milch fehlt dem Hof dann im Verkauf. Weil ein Milchviehbetrieb aber auf diese Einnahmen angewiesen ist, braucht es andere Wege der Finanzierung – entweder über die verkaufte Milch oder über das Fleisch der Tiere.

Die fünf Cow-Boys werden später als Ochsen auf einem Bio-Betrieb in der Region gemästet werden. Ihr Fleisch soll wertschätzend in der Region vermarktet werden. Sie sind damit die ersten Tiere einer Wertschöpfungskette, die nach und nach wachsen und größer werden soll, damit immer mehr Kuh-Jungs die ersten Monate auf ihrem Hof aufwachsen können.

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Fellpflege in der "Kinderkrippe"

5. April am Glambecker Hof

„An einem Morgen am Wochenende gelang mir die Aufnahme dieser Morgenwäsche vom kleinen flauschigen Cow-Boy mit der Ohrnummer 99535“, schreibt Landwirtin Juliane Thiele. „Die Fellpflege wird bei 99535 immer großgeschrieben. Kein anderes Kalb ist so fluffig und strubbelig geleckt.“

Die Cow-Boys waren bei den Aufnahmen wenige Tage alt. Die Kuh, die hier in der Aufnahme das kleine Kalb schleckt, ist tatsächlich die Mutter vom Kalb mit der besagten Ohrnummer. Zugleich ist sie aber auch eine Amme für die anderen Kuh-Jungs, die am Hof aufwachsen können. 

Cow-Boys? – Das sind fünf männliche Kälber, die auf dem Milchviehbetrieb Glambecker Hof in Brandenburg aufwachsen. Wir begleiten sie dabei, weil ihre Geschichte wegweisend ist. Die fünf Kuh-Jungs dürfen am Euter trinken, Heu fressen, haben viel Bewegung und Sozialkontakte zu Artgenossen. Bei den meisten Bullenkälbern aus Milchviehbetrieben ist das bisher anders. Damit die Brüder der Milchkühe in Zukunft ebenfalls artgerecht in Bio-Haltung groß werden können, gilt es, neue Vermarktungswege und Wertschöpfungsketten in der Region aufzubauen. Darum erprobt dieses Projekt, wie die Vernetzung von Bio-Milchviehbetrieben mit Bio-Mastbetrieben funktionieren kann und wie eine wertschätzende Vermarktung des Fleischs gelingt. 

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Trennung und Wiedersehen

12. April am Glambecker Hof

 

Wir erzählen Euch heute zum vierten Mal von den Cow-Boys – fünf Bullenkälbern, die bei ihren Müttern oder bei Ammen auf dem Glambecker Hof in Brandenburg aufwachsen. Das ist auch in der Bio-Milchviehhaltung ungewöhnlich, denn meist werden die Kälber bald nach der Geburt von den Kühen getrennt.

 

Doch immer mehr Bio-Landwirt*innen wollen das ändern und entscheiden sich für die kuhgebundene Aufzucht der Kälber, auch wenn damit weniger Milch für den Verkauf zur Verfügung steht. Mit viel Herz und Verstand erproben sie, wie das am besten funktionieren kann. So auch Juliane Thiele und ihr Team vom Glambecker Hof, die heute einen Einblick darein geben, wie groß die Bindung zwischen Kuh und Kalb ist.

 

Juliane erzählt: „Die Ammen mussten zur monatlichen Milchleistungskontrolle in den Melkstand und sind über Nacht im großen Hauptstall geblieben. Diese „Dienstreise“ der Ammen wurde auf beiden Seiten lautstark kommentiert. Die Boys haben gemeckert und gemuht und jegliche Nahrung verweigert; die Ammen haben den ganzen Stall zusammengebrüllt. Oh, was haben sie gemeckert und zur Kontrolle im Melkstand kaum ein Tropfen Milch gegeben. Alles an Milch haben sie für ihre Cow-Boys zurückhalten wollen.

– Am nächsten Morgen kehrten die drei Ammen zurück nach Hause. Alle haben ausgiebig geschlafen und gekuschelt. Milch war zwar die ersten Stunden Mangelware, die musste ja in der Kontrolle abgegeben werden. Die Cow-Boys haben die letzten Tropfen aus dem Euter geholt. Die Versorgung war aber schnell wieder im Gleichgewicht und alle glücklich.“

 

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Erstes Heu

19. April am Glambecker Hof

 

Trotz bester Milch von den Ammen – irgendwann ist es auch für die Kälber, die kuhgebunden aufwachsen, Zeit sich ans erste Heu zu wagen. Für die fünf „Cow-Boys“ vom Glambecker Hof ist es nun langsam so weit. Im Video seht ihr ihre ersten Versuche, Heu zu fressen, denn bald hat die Ammenmilch ausgedient und soll durch festes Futter ersetzt werden. Man sieht, dass das schon ganz gut klappt und sie sich auch am festen Futter den Pansen vollschlagen.

 

Nicht mehr lange und sie werden flügge und gehen den nächsten Schritt im Cow-Boy-Projekt. Dann verlassen sie ihren Geburtshof und siedeln um zu einem Bio-Betrieb in der Region, der sie bis zum stattlichen Ochsen großzieht. Doch bis dahin dürfen sie noch einige Zeit mit den Ammen verbringen.

 

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Die Ammen als Vorbild

26. April am Glambecker Hof

 

Seit einigen Wochen begleiten wir hier fünf Bullenkälber, die „Cow-Boys“, die – betreut von Ammenkühen – am Glambecker Hof in Brandenburg aufwachsen. Ein besonderer Mehrwert dieser kuhgebundenen Aufzucht der Kälber ist es, dass die Kälber im sozialen Verbund mit den älteren Tieren aufwachsen und von ihnen lernen können.

 

Denn wachsen die Kälber bei den Ammen auf, ahmen sie diese schon früh nach. Nicht anders als bei Menschen auch, lernen die Kälber durch Nachahmung: Die Ammen leben Dinge vor und die kleinen Bullen machen das dann nach. Hier zum Beispiel probiert ein Kalb von der Leckmasse, die den Bedarf der Tiere an Mineralien deckt, und tut sich noch ein wenig schwer damit. Diese Sozialkontakte zu älteren Artgenossen machen die Kälber fit fürs Leben und sind ein Gewinn fürs Tierwohl!

 

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Nicht anders als bei Menschen auch, lernen die Kälber durch Nachahmung.


Vertrauen als Grundlage

03. Mai am Glambecker Hof

 

Hier hat sich Betriebsleiterin Juliane Thiele mal mit den Cow-Boys vom Glambecker Hof aufs Bild gemogelt. Sie und ihr Team verbringen viel Zeit mit den Tieren. Denn Vertrauen aufzubauen, um mit den Tieren arbeiten zu können, ist sehr wichtig. Das gilt auch für das neue Zuhause der Jungs – ein Bio-Betrieb nicht weit weg, auf dem die Kälber bis zur Schlachtung gemästet werden.

 

Denn die Cow-Boys, das sind fünf Bullenkälber, die auf einem Milchviehbetrieb aufwachsen und später als Ochsen gemästet werden. Damit sind sie ein paar ganz besondere Exemplare, denn den meisten männlichen Kälbern aus Milchviehställen geht es anders. Weil Bullen keine Milch geben, müssen sie den Hof früh verlassen und werden meist konventionell aufgezogen.

 

Um Alternativen zu erproben und neue Wege zu entwickeln haben sich im Fall der Cow-Boys zwei Betriebe zusammengetan. Am Glambecker Hof leben die Kälber drei Monate bei Ammen, dann ziehen sie zum Bio-Mäster Dirk Barthel um. Dafür sind die Jungs gut gerüstet, denn inzwischen fressen sie schon richtig schön Silage und lieben als Zuckerhaube das hofeigene Haferschrot. Bald kommen sie ohne die Milch der Ammen über die Runden…

 

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Die letzte Milch

10. Mai am Glambecker Hof

 

Für unsere fünf Cow-Boys sind die letzten Tage am Glambecker Hof angebrochen. Bald ziehen sie um in ihr neues Zuhause auf einem Bio-Mastbetrieb. Mittlerweile sind die Bullenkälber kastriert und ganz schön groß geworden! So langsam zeigt sich auch, dass die Jungs mittlerweile gut ohne ihre Ammen zurechtkommen. Sie fressen ordentlich Heu, Silage und gequetschten Hafer. 

 

„Dennoch ist die Sehnsucht nach der Milch noch sooooo groß!“, schreibt Betriebsleiterin Juliane Thiele. Immer am Morgen um 6 Uhr und am Nachmittag um 16 Uhr kommen die Cow-Boys noch einmal zu ihren Ammen. Sobald die Ammen in ihrer Buchte sind, stürzen sich die Jungs auf das volle Euter und genießen ihre letzten Milchmomente. Die Bilder sprechen für sich...

 

Um den Übergang zum Leben ohne die Ammen möglichst reibungslos zu gestalten, trainiert das Team vom Glambecker Hof die Jungs zielgerichtet auf ihre Abreise. Zum Beispiel getrennte Betten in der Nacht. Die Ammenkühe schlafen dann in der Buchte nebenan, getrennt von den Jungs. Die Cow-Boys üben so, auf Milch zu verzichten und fressen mehr Futter. Das bereitet sie auf den Umzug vor.

Nächste Woche sind die Cow-Boys mit knapp über drei Monaten bereit zur Abreise. Die Boys sind jugendlich und kommen gut allein klar!

 

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Der Umzug auf den Biohof Barthel

17. Mai am Glambecker Hof

 

Abreisetag im Cow-Boy-Projekt! Die Boys machen sich auf den Weg zu ihrem neuen Hof in Nordsachsen.

Es ist ein aufregender Tag – nicht nur für die Kälber, sondern auch für das Team vom Glambecker Hof, das die Tiere drei Monate lang betreut hat. Betriebsleiterin Juliane Thiele erzählt, wie sie den Tag erlebt hat:

 

„Ich bin morgens relativ zeitig im Stall gewesen, um noch ein letztes Mal alles zu genießen. Die Jungs haben schon so schön gefressen, ich habe das gerne beobachtet. Auch am Vormittag bin ich einmal mehr im Stall gewesen. Die Boys wollten schlafen und ich habe ständig Bilder gemacht. Wahrscheinlich haben sie sich gewundert, was heute wohl los ist…

In den Hänger steigen wollte kaum einer freiwillig. Wir haben so viel trainiert, aber das Hänger-Training haben wir vergessen! Eigentlich waren sie sehr neugierig, aber nur bis zum Stalltor, dann waren sie stur wie ein paar Esel. So war das Beladen des Hängers eine kleine Sporteinheit für meinen Mann und mich. 

Unsere Räuberbande vom Hof fahren zu sehen war ein wenig traurig, aber wir waren auch stolz, was für große Burschen in den drei Monaten herangewachsen sind. Ich bin so froh, dass die eingeschworene Gruppe zusammenbleibt.“

 

Nun haben die Kälber knapp 200 Kilometer Strecke vor sich, bevor sie am Biohof von Dirk Barthel wieder aussteigen. Hier werden sie die nächsten Lebensmonate verbringen.

Es war eine spannende Reise bis hierher! Und für die Cow-Boys geht sie noch weiter…

Nächste Woche könnt Ihr hier lesen, wie die Jungs in ihrem neuen Zuhause angekommen sind. Wir werden die Cow-Boys weiterhin begleiten!

 

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Herzlich willkommen auf dem Biohof Barthel! 

24. Mai am Biohof Barthel

 

Alle, die die Geschichte unserer fünf Cow-Boys aufmerksam verfolgt haben, wissen: Die Jungs sind gerade auf ihren neuen Hof umgezogen. Jetzt sind sie in Greudnitz in Sachsen auf dem Biohof Barthel zuhause. 

 

Warum ziehen die Kälber um? Geboren wurden sie auf einem Milchviehbetrieb, dem Glambecker Hof in Brandenburg. Hier sind sie die ersten drei Monate bei ihren Ammen aufgewachsen. Doch da Bullenkälber keine Milch geben, stehen Milchviehbetriebe vor der Frage: Wohin mit den männlichen Kälbern? In der Regel werden sie verkauft und landen oft nach langen Wegen in der konventionellen Mast. 

 

Nicht so diese Kälber, die Teil des „Cow-Boys“-Projekts sind. Ziel des Projekts ist es, immer mehr männliche Kälber aus der Bio-Milchviehwirtschaft wertschätzend aufzuziehen und zu vermarkten. Dazu gehört, dass die Tiere weiterhin bio gehalten werden – also mit viel Auslauf und Platz im Stall. 

Dafür ist der Biohof Barthel ideal, der Rinder bis zur Schlachtung mit viel Weidegang aufzieht. Hier leben die Jungs bis sie zu großen Ochsen geworden sind. Die Vorteile dieser Zusammenarbeit liegen auf der Hand: kurze Transportwege für die Tiere, regionale Wertschöpfung und Wertschätzung für die Erzeuger*innen. 

 

Übrigens: Wer auf den Fotos ganz genau hinschaut, der*m wird auffallen, dass hier sieben Kälber aus dem Hänger steigen. Ja, denn bei den fünf männlichen Tieren laufen noch zwei Mädels mit, die zum Vergleich mit aufgezogen werden. 

 

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Die ersten Tage im neuen Stall

07. Juni am Biohof Barthel

 

Heute gibt es mal wieder News von unseren Cow-Boys! Die Kälber sind vor kurzem aus dem Milchviehbetrieb, auf dem sie geboren wurden, auf den Hof von Biobauern Dirk Barthel umgezogen. Er wird sie zu Ochsen mästen und später das Fleisch der Tiere vermarkten. So können die Tiere nach kurzem Transportweg naturnah aufwachsen – anders als die meisten Bullenkälber aus Milchviehbetrieben.
Unser Wunsch: Dieses Projekt soll Schule machen, Absatzwege für Bio-Fleisch aus regionaler Erzeugung erschließen und langfristig möglichst viele Nachahmer*innen finden!

„Ich bin froh und glücklich, diese Kälber jetzt hier im Stall zu haben“, sagt Bio-Bauer Dirk Barthel. In seinem Stall sind die Jungs nun zuhause. Milch von den Ammen gibt es nun definitiv nicht mehr, dafür aber die Begleitung einer erfahrenen Kuh, die sie bei der Eingewöhnung in der neuen Umgebung begleitet.


Zu fressen gibt es für unsere Cow-Boys von nun an viel Heu, Haferschrot und bald auch frisches Gras – denn ab jetzt geht es raus auf die Weide! Wie begeistert die jungen Rinder vom Ausflug nach draußen sind, könnt Ihr an ihren Sprüngen deutlich sehen, oder? Das ist ein gutes Leben für unsere Cow-Boys!

 

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Die Lektion am Stromzaun

21. Juni am Biohof Barthel

 

Im Leben eines jeden jungen Kalbs kommt der Moment, in dem es sich mit dem Strom am Weidezaun bekanntmachen muss… So ergeht es auch unseren Cow-Boys.

Sind die Tiere am Strom „ausgebildet“, dann können sie in die große Herde integriert werden und dürfen auch raus auf die große Weide!

Die Lektion ist also wichtig und Voraussetzung für den Weidegang.

 

Übrigens: Auch das Fressen auf der Weide mussten unsere Jungs erst lernen, schließlich haben sie erst auf dem Biohof Barthel in Greudnitz frisches Gras überhaupt kennengelernt. Im Ammenstall auf dem Glambecker Hof haben sie sich noch von Milch der Ammenmütter ernährt (und zunehmend von Heu). Um das Fressen auf der Weide kennenzulernen, sind die fünf Jungs nun immer mit einer erfahrenen Kuh unterwegs, die ihnen das Rupfen des frischen Grases näherbringt: erst riechen, dann rupfen und kauen. So haben unsere fünf Ochsen das Fressen auf der Weide schon bestens eingeübt.

 

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Die Herde als Kosmos

06. Juli am Biohof Barthel

 

Letztes Mal haben wir Euch erzählt, wie unsere Cow-Boys an den Strom des Weidezauns gewöhnt wurden, damit sie mit der Herde auf die großen Weideflächen können - wie sie im ersten Bild zu sehen sind. Doch ein Anruf bei Biokreis-Bauern Dirk Barthel bringt Ernüchterung: Die fünf Kälber, die ursprünglich von einem nahen Milchviehbetrieb stammen und nun bei ihm gemästet werden, lassen sich nicht in die Herde integrieren. Daher können sie vorerst nicht mit auf die großen Weideflächen des Betriebs im sächsischen Greudnitz, sondern bleiben im Laufstall mit Auslauf.

 

Was ist passiert? – „Als wir versucht haben, die Kälber mit in die Herde zu geben, wurden sie weggestoßen“, erzählt Dirk. „Sie sind nicht in der Herde geboren und aufgewachsen, deshalb haben sie keinen Herdenschutz. So eine Herde ist eben ein Kosmos für sich.“ Anderswo wäre der fehlende Herdenschutz vielleicht nicht mal ein großes Problem, weil die Kälber in ihrer Gruppe mit Begleitkuh auf die Weide könnten. Doch um den Biohof Barthel haben sich gleich zwei Wolfsrudel angesiedelt.

 

Für die Kälber stellt das eine große Gefahr dar, insbesondere, wenn sie nicht durch die Herde geschützt werden. Gerade Bio-Bauern und Bio-Bäuerinnen, die ihre Tiere im Sommer auf die Weide bringen, bereitet das Thema Wolf große Sorge. Sie fürchten um ihre Tiere und um ihre wirtschaftliche Existenz, die auf den Tieren beruht. Der Schutz der Weideflächen gestaltet sich in der Praxis oft sehr schwierig und ist zudem teuer. Deshalb plädieren viele Landwirt*innen dafür, den Wolfbestand in Deutschland durch Bejagung zu regulieren.

 

Für unsere Cow-Boys bedeutet das: Ohne Herdenschutz kein Zugang zur Weide. Um Herde und Kälber aneinander zu gewöhnen, müsste Dirk sie nach und nach in die Herde integrieren. Doch das ist aufwendig und kostet Zeit. Und warum Dirk die aktuell nicht hat, davon erzählen wir Euch im nächsten Post. So viel sei schon mal verraten: Dann geht es um das ganz große Thema Klimakrise.

 

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Unsere Cow-Boys in der Klimakrise

19. Juli am Biohof Barthel

 

Das ist der Stand der Dinge bei unserem Cow-Boys-Projekt: Nachdem die Kälber zu Jahresbeginn im Milchviehbetrieb von Juliane Thiele geboren wurden, haben sie dort ihre ersten drei Monate bei ihren Ammen verbracht. Im Frühjahr sind sie dann zum Biohof Barthel umgezogen, der sie zu Ochsen mästet. Zum Leben der Tiere am Biohof Barthel gehört, dass sie den Sommer auf den großen Weideflächen des Betriebs verbringen. Doch unsere Cow-Boys konnten bisher nicht in die schützende Herde integriert werden, weil Biokreis-Bauer Dirk Barthel mit der Futterbeschaffung für seine Herde beschäftigt war. Denn auf seinen Weideflächen wächst aktuell so gut wie nichts.

 

Seit Wochen hat es nicht geregnet, der Boden ist ausgetrocknet und staubig. Die Region zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe ist massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. Hier fällt immer weniger Regen. Sommerliche Dürreperioden werden hier auch weiterhin zunehmen und gravierende Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft haben.

So kommt es, dass die Rinder auf dem Biohof Barthel aktuell täglich gefüttert werden müssen und wenig Zeit für unsere fünf Jungrinder bleibt. Langfristig ist Dirks Sorge groß: „Ob sich hier auf Dauer Tiere halten lassen, ist eine echte Frage für mich.“

 

Deshalb schließen wir unseren heutigen Cow-Boys-Beitrag mit einem Appell: Bitte setzt Euch im Rahmen Eurer Möglichkeiten aktiv gegen den Klimawandel ein! Unsere Landwirtschaft ist auf stabile Wettersysteme angewiesen und die gehen uns zunehmend verloren.

 

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Die Gesichter hinter dem Projekt

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Juliane Thiele

Glambecker Hof

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Dirk Barthel

Biohof Barthel