„Ein Öko-Betrieb braucht eine gewisse soziale Einstellung“

Image

Die Zusammenarbeit des Biokreis mit dem Betrieb Vorwerk Podemus hat gerade begonnen, das „regional & fair“-Label wurde eben erst verliehen. Doch Regionalität und Fairness haben auf dem Dresdener Bio-Bauernhof mit Fleischverarbeitung, Hofmolkerei, Direktvermarktung und 13 zugehörigen Bio-Läden in der Region eine lange Tradition.

 

„Ich kenne alle Bauern und Bäuerinnen persönlich, bin mit ihnen per Du und verzichte bewusst auf Verträge. Wenn zum Beispiel in der Tierhaltung was nicht sauber ist, wird nicht mehr geliefert“, sagt Geschäftsführer Bernhard Probst unmissverständlich. Die Hälfte der Milch von den eigenen 90 Kühen wird am Hof verarbeitet, zu dem 350 Hektar Land gehören. Rinder, Schweine, Geflügel und Karpfen werden für die Fleischverarbeitung angeliefert, die meisten aus einem Umkreis von 20 bis maximal 150 Kilometern. Die Liefernden: alles langjährige Bekannte.

 

Und nicht nur die: Bernhard Probst kennt auch sein Team aus 260 Mitarbeiter*innen gut. Einige von ihnen sind körperlich oder geistig beeinträchtigt – und nur wer über sie Bescheid weiß, kann gut mit ihnen arbeiten. So müsse man etwa genau darauf achten, wie viele Kisten man einem autistischen Mitarbeiter zum Reinigen bereitstellen darf, damit er auch irgendwann in den Feierabend gehen kann. „Denn wären es zu viele, würde dieser alle reinigen, ohne auf die Zeit zu achten. Dafür freut sich dieser Kollege, der über eine besondere mathematische Begabung verfügt, wochenlang im Voraus schon auf die Inventur“, erzählt Bernhard Probst schmunzelnd.

 

Eine gewisse soziale Einstellung solle man bei einem Öko-Betrieb auf jeden Fall voraussetzen können, so seine Meinung. Und diese zeige sich auch bei der Bezahlung der Mitarbeiter*innen im Verkauf. Sobald der Umsatz in den Läden die Gewinnschwelle überschreite, werde das anwesende Verkaufspersonal mit einer Prämie beteiligt. Konkret erhöht sich in diesem Fall der Stundenlohn um bis zu 2,40 Euro je gearbeitete Stunde.

„Ich kenne alle Bauern und Bäuerinnen persönlich, bin mit ihnen per Du und verzichte bewusst auf Verträge."
bernhard probst

Auch hinsichtlich der Generationengerechtigkeit hat der Betrieb Vorwerk Podemus einiges zu bieten. Die Kühlung, für die 80 Prozent des Stromverbrauchs anfällt, arbeite extrem effizient. 84 Prozent des Eigenbedarfs werde über Photovoltaik-Anlagen selbst produziert. Geheizt wird mit Hackschnitzeln und die 13 Fahrzeuge laufen erdgasbetrieben.

 

Welche Vorteile Regionalität und Fairness in der Betriebsweise bieten? „Ich weiß es nicht, denn wir machen es schon immer so, wie wir es machen“, sagt Bernhard Probst schulterzuckend. Einen Nachteil sieht er zumindest in den hohen Kosten für die Rohstoffbeschaffung, aber eine solide Rohstoffbasis sei langfristig auf jeden Fall sinnvoll.

 

Gute Erfahrungen habe man schon damit gemacht, die Logistik selbst zu übernehmen, den Zwischenhandel rauszulassen und damit günstigere Preise anbieten zu können. „Bei Spargel etwa stieg mit dieser Strategie auch der Absatz enorm – und alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette waren zufrieden“, sagt Bernhard Probst. Der Kundschaft müssten Regionalität und Fairness auf jeden Fall erklärt werden. In den Märkten sei alles, was regional erzeugt wird, auch entsprechend gekennzeichnet.

 

Von Ronja Zöls-Biber