Geld verdienen mit Klima- und Artenschutz

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Wenn wir an Klima- und Artenschutz denken, fällt einem sofort der brasilianische Regenwald mit seinem Artenreichtum ein oder angelegte Blühstreifen und Flächen auf den Feldern. Klima- und Artenschutz betrifft sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft! Und auch bei den Bio-Betrieben gibt es noch viel Luft nach oben!

Als wir im Zuge der Hofübergabe 2020 vor der Frage standen, wie wir unseren Betrieb mit Mütterkühen und Ackerbau in Zukunft weiterführen und entwickeln wollen, gab es für uns mehrere Optionen: entweder die Intensivierung des Ackerbaus mit Hacktechnik, GPS und eine Ausweitung der Hackkulturen, oder der Einstieg in eine zusätzliche Tierhaltung wie Legehennen oder Mastschweine. Unser Betrieb setzt sich aus 75 Hektar Acker und 25 Hektar Grünland zusammen, von denen lediglich 7 Hektar Grünland eigen sind. Dreiviertel der Ackerflächen weisen eine starke Hangneigung auf und lassen intensive Pflegemaßnahmen wie Hacken wegen der Gefahr der Erosion durch Starkregen kaum zu. Die Investition in eine große Tierhaltung schied für uns aufgrund der geringen Eigenflächen und der Abhängigkeit von den Pachtflächen ebenfalls aus. 

„Klima- und Artenschutz betrifft sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft!“
felix krauß

Extensive Ackernutzung für Feldbrüter und Ackerwildkräuter

Um den Betrieb, den meine Eltern 1984 gekauft hatten, wirtschaftlich zu führen, mussten sie die Flächen möglichst extensiv bewirtschaften, da Kapital und Technik noch nicht vorhanden waren. Sie stellten gleich zu Beginn auf Bio um und versuchten durch viel Eigenleistung im Gebäudebau und kostengünstige gebrauchte Technik Geld zu sparen. Von Milchziegen und -kühen mit eigener Käseherstellung entwickelte sich der Hof hin zu Mutterkuhhaltung mit Ackerbau. Die Fördergelder der Agrarumweltmaßnahmen und Flächenprämien stellten immer einen großen Anteil des Betriebseinkommens dar und waren oft die einzig kalkulierbare Einkommensquelle bei schwankenden Preisen und Erträgen. 2020, ein Jahr vor der Hofübergabe, liefen alle unsere Förderprogramme aus, und mein Vater und ich stießen auf das VNP Programm H11 Extensive Ackernutzung für Feldbrüter und Ackerwildkräuter. Die Förderkriterien umfassen grob den Verzicht auf Intensivkulturen, Unkrautregulierung und Untersaat. Außerdem ist eine Bewirtschaftungsruhe nach der Aussaat im Frühjahr bis 30.6. eines Jahres einzuhalten. Dafür gibt es 320 €/ha zusätzlich zur Flächenprämie und zum Öko-Kulap. Zudem sind weitere interessante Kombinationen mit Zusatzleistungen möglich. 
Das Programm ließ sich ohne große Bewirtschaftungsumstellung in unseren Betrieb integrieren, mit dem einzigen Wermutstropfen, in Zukunft ohne Untersaat arbeiten zu müssen. In unserer Fruchtfolge Kleegras-Hafer-Dinkel-Ackerbohnen-Winterroggen hatten wir schon viel Erfahrung mit dem Verzicht auf Striegeln gesammelt und waren zuversichtlich, trotz vieler Auflagen adäquate Feldbestände zu erreichen, ohne im „Unkraut“ zu versinken. Viele Landwirt:innen können sich keine 5-jährige Vertragsbindung mit so massiven Bewirtschaftungsauflagen vorstellen, aber durch die Bio-Richtlinie sowie langjährige Pachtverträge und Agrarumweltprogramme hatten wir schon viel Erfahrung mit externen Vorgaben und konnten sowieso nie als „freie Bauern“ wirtschaften. Deshalb fiel uns die Entscheidung für das H11 auch nicht schwer. Jedoch gaben wir „nur“ 45 Hektar unter Vertrag, um noch flexibel zu bleiben. Im Nachhinein hätten wir alle Flächen unter Vertrag nehmen sollen, da wir dort genauso wirtschaften wie auf den H11-Flächen. Des Weiteren lassen wir uns Blühflächen, Brachlegung auf Äckern, Schnittzeitpunkte auf den Wiesen sowie Streuobstbäume fördern. 

"Meine Erfahrung nach drei Erntejahren mit H11 im ökologischen Landbau ist durchwegs positiv! Ich bekomme für weniger Arbeit mehr Fördergelder beziehungsweise wie im Deckungsbeitrag der LfL dargestellt bei manchen Kulturen auch einen höheren Gewinn."

Felix krauß

Der eigentliche Gedanke des Ökolandbaus

Meine Erfahrung nach drei Erntejahren mit H11 im ökologischen Landbau ist durchwegs positiv! Ich bekomme für weniger Arbeit mehr Fördergelder beziehungsweise wie im Deckungsbeitrag der LfL dargestellt bei manchen Kulturen auch einen höheren Gewinn. Durch die Bewirtschaftungsruhe ergibt sich freie Arbeitszeit, die ich für andere Tätigkeiten verwenden kann. Die Kulturen Hafer, Dinkel und Roggen sind sehr konkurrenzstark und schaffen es so, die Unkräuter gut zu unterdrücken. Bei den Ackerbohnen habe ich von der Reinsaat zu einem Gemenge aus Leindotter und Erbsen gewechselt, damit ich auch hier ohne Unkrautregulierung auskomme. Düngung und Kalkung erfolgt meistens zur Zwischenfrucht in den Bestand oder vor der Saat im Frühjahr. Vom Kleegras wird der erste Schnitt für die Mütterkühe siliert und alle weiteren werden gemulcht und auf der Fläche gelassen, um den Boden zu füttern. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Betriebskonzeptes, den Boden immer grün zu halten und das Bodenleben zu versorgen. Dabei spielt für mich auch die Bodenruhe im Kleegrasjahr eine große Rolle. Nach Roggen kommt das Kleegras mit Welsch Weidelgras und Schwedenklee, welches dann meisten mit einem Schröpfschnitt in den Winter geht. Danach folgt das eigentliche Erntejahr, mit mindestens drei Schnitten, bis dann im nächsten Frühjahr der Sommerhafer kommt. Dadurch erhoffe ich mir eine möglichst geringe Nitratauswaschung über den Winter. Durch die Förderkriterien des H11 bin ich gezwungen, mich wieder auf den eigentlichen Gedanken des ökologischen Landbaus zu konzentrieren. 

Reiches Buffet für Bewohner

Der Boden muss so bewirtschaftet werden, dass die Kulturpflanze sich schneller entwickeln kann als die Ackerwildkräuter. Für mich ist ein flächendeckender Ackerkräuterbestand eine kostenlose Untersaat und ein reichhaltiges Buffet für über- und unterirdische Bewohner. Die Ackerkräuter zeigen auch Bewirtschaftungsfehler auf und geben Hinweise, welche Pflanzenarten oder Nährstoffe der Boden vielleicht bräuchte. Es war auch nie der Gedanke des ökologischen Landbaus, seine Felder mit Hack- und Striegeltechnik komplett „unkrautfrei“ zu halten, vielmehr sollte die Artenvielfalt auf großer Fläche unser Motto sein und nicht nur ein schmaler Blühstreifen am Feldrand. Meine Durchschnittserträge im Getreide liegen bei 3 bis 3,5 to/ha. Mein Ziel ist es, durch angepasste Düngung, gute Bodenbearbeitung, richtige Sortenwahl, intensiven Zwischenfruchtanbau und die konsequente Einhaltung der Fruchtfolgeregeln Durchschnittserträge von 5 to/ha zu erreichen, ohne nach der Saat in den Bestand zu fahren. 

Zwischenfruchtmischungen zeigen uns deutlich anhand ihrer Frohwüchsigkeit und Vitalität auf, welche Synergieeffekte mehrere Arten auf dem Feld erzeugen können. Die Blüten und Samen der Ackerwildkräuter stellen ein großes Nahrungsangebot für Feldbrüter und Insekten dar, welche in „sauberen“ Feldern buchstäblich verhungern. Bei genauerer Betrachtung macht es oft finanziell mehr Sinn, schlecht geschnittene Fläche mit Blühflächen zu begradigen, oder Niederertragszonen mit langjährigen Brachen der Natur zu überlassen, als diese zu bewirtschaften, und dafür die Förderung in Anspruch zu nehmen. 

Die Teilnahme am Projekt „Klimalandwirtschaft“ der BayWa sensibilisiert mich zudem noch mehr für den Humusaufbau und wird mit 65 €/ha belohnt. Streuobst- und Heckenpflanzungen auf der Viehweide sollen auch hier die Artenvielfalt erhöhen. Die Inanspruchnahme des VNP Wald gehört mit seinen Biotopbäumen und Totholzinseln ebenfalls zu einer naturnahen Landwirtschaft und wird obendrein gut bezahlt.

 

Von Felix Krauß